Was ist echt und was nicht? Diese Frage zu beantworten, wird im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz (KI) immer schwieriger. Denn mit jedem Sprung der Technologie wirken die Inhalte realer. Für Unternehmen, die im Kreativbereich tätig sind, kann das ein Segen sein. Auch Privatpersonen sind dank sogenannter generativer KI in der Lage, in kürzester Zeit wohlklingende Texte, hübsche Bilder und mittlerweile auch lustige Videos zu erstellen. 

Doch wie bei jeder Neuerung wächst mit den Möglichkeiten auch das Missbrauchspotential. Die Trennlinie zwischen Realität und Fiktion verschwimmt durch den Einsatz von KI immer weiter, die sozialen Medien werden noch stärker als zuvor mit Fake-Inhalten überflutet. Mittlerweile nutzen Kriminelle KI-Bilder sogar, um Entführungen vorzutäuschen. Dass viele Menschen den Unterschied nicht bemerken, zeigt ein aktuelles Instagram-Video, das einen Wutausbruch in einem Discounter zeigt. 

Erschreckend echt: Instagram-Account geht mit typisch deutschen Alltagskonflikten viral

Der Account "nathaliemuel" bezeichnet sich bei Instagram als "Viral KI Content Creator" mit einer Reichweite von bis zu 16 Millionen Aufrufen. Das Konzept: In kurzen Videos werden typisch deutsche Konflikte in Alltagssituationen abgebildet. Die kurzen Filmchen sind fast durchgängig mit einem KI-Hinweis gekennzeichnet.

Dieses Video, das in einem Discounter spielt, schlägt momentan hohe Wellen im Netz.
Screenshot inFranken.de: nathalie_muel/Instagram

Doch wirft man einen Blick auf die Kommentarspalten, scheint das den Nutzern kaum aufzufallen. Und das hat einen Grund: Dank neuer Modelle (wie Google Veo 3 und Sora 2 von OpenAI) laufen die Bewegungen flüssig, die Gesichter sehen realistisch aus und selbst die Lippensynchronisation funktioniert mit KI täuschend echt. 

In dem am meisten aufgerufenen Video des Instagram-Kanals ist ein sichtlich aufgeregter Rentner an einer Selbstscan-Kasse eines Discounters zu sehen, der mit seinen Farben und Schildern stark an eine Netto-Filiale erinnert. Der Mann hält ein Glas mit eingelegtem Gemüse in der Hand, neben ihm steht eine Verkäuferin mit weit aufgerissenen Augen.

"Endlcih wahre Worte": KI-Video zu SB-Kassen wird massenhaft für bare Münze genommen 

"Ich bin nicht bereit, kostenlos die Arbeit zu erledigen, für die früher jemand bezahlt wurde", schimpft der Senior. "Es dauert nur einen Moment, wenn Sie den Barcode drüberziehen", versucht ihn die Verkäuferin zu beschwichtigen. "Wenn ihr wollt, dass ich Kassierer spiele, dann bezahlt mich dafür", entgegnet der Rentner.

Wer ganz genau hinsieht, bemerkt, dass mit dem Video etwas nicht stimmt. So schaut der ältere Herr gar nicht zu der Mitarbeiterin, mit der er schimpft. Auch fehlt auf dem Namensschild der Frau das Logo des Supermarkts, während diese kaum blinzelt. Doch das fällt kaum einem Nutzer auf. Das Video wurde 12.000 Mal kommentiert und 200.000 Mal angesehen (Stand: 23. Januar 2026). "Wo er Recht hat", "Bester Mann" und "Endlich wahre Worte" lauten typische Wortmeldungen.

Immerhin der zweitbeliebteste Kommentar bringt das Thema auf den Tisch. "90 Prozent der Kommentare erkennen die KI nicht und das ist extrem erschreckend", schreibt ein junger Mann. Ein reales Problem der Kunden an der SB-Kasse hingegen hat Lidl gelöst.