Das vergangene Jahr war das Jahr mit dem bislang meisten Telefonspam in Deutschland. Zwischen Januar und Dezember 2025 wurden mehr als 5,9 Millionen Spam-Anrufe registriert, teilte die Anruferkennung- und Anti-Spam-App Clever Dialer mit. Demnach erreichten die Anrufe ein Rekordniveau. Die Spam-Anrufe waren nicht nur häufiger als in den Vorjahren, die Anrufer nutzten auch andere Methoden. Täter setzten vermehrt auf KI, wechselnde Rufnummernblöcke und hybride Angriffe mit einer Kombination aus Anrufen, Messenger-Nachrichten und Links.
Die erfassten Zahlen zeigten laut Clever Dialer trotzdem "nicht einmal die gesamte Realität". Demzufolge wurden zwischen 29 und 33 Prozent aller Spam-Anrufe automatisch oder manuell blockiert und erscheinen deshalb nicht in den öffentlichen Auswertungen. Außerdem werden viele Anrufe weder kommentiert noch gemeldet. Nur etwa jeder sechste Spam-Anruf führt online zu einer Bewertung, nur jeder 35. zu einem Kommentar. Daraus ergibt sich eine Dunkelziffer von mindestens 30 Prozent oberhalb der gemessenen Werte. Die Einschätzung fällt klar aus: Die Dunkelziffer ist massiv.
Spam-Anrufe 2025: Oktober und November waren die schlimmsten Monate
Die Monatsauswertung zeigt, wie stark die Belastung durch Spam-Anrufe über das Jahr verteilt war. Im Oktober wurden 669.487 Spam-Anrufe gezählt – der höchste jemals erfasste Monatswert. Der November belegte mit 662.046 Anrufen Platz zwei im Monatsvergleich.
Auch der Juli 2025 sticht mit 523.005 Spam-Anrufen trotz der Sommerferien, in denen erfahrungsgemäß eher weniger los ist, heraus.
Zahl der Spam-Anrufe nahm im Verlauf des Jahres 2025 zu
Insgesamt zeigt sich ein Jahr, in dem die Belastung über viele Monate hinweg hoch blieb – im Verlauf des Jahres jedoch deutlich anstieg, wie die folgende Übersicht zeigt.
Festnetz vorn, Mobilfunk wächst: Analyse der Nummerntypen
Die Aktivität von Spamnummern variiert stark. Im Durchschnitt sind Rufnummern laut Clever Dialer rund 40 Tage lang im Einsatz, bevor sie verschwinden. Es gibt aber auch, teils extreme, Ausreißer: Eine Nummer blieb zum Beispiel ganze 294 Tage aktiv – ein Hinweis auf ein dauerhaft arbeitendes Callcenter. Am anderen Ende stehen sogenannte Wegwerfnummern, die nicht mehr als einen Tag genutzt werden.
Die Auswertung der genutzten Nummerntypen zeigt: Etwa 58 Prozent der Spam-Anrufe kommen von Festnetznummern. Sie stehen meist für klassische Callcenter und typische Spam-Anrufe. Rund 39 Prozent werden über Mobilnummern geführt - Tendenz steigend. Sie sind typisch für KI- und WhatsApp-Tricks. Toll-Free- und VoIP-Nummern machen rund drei Prozent aus und werden vor allem von professionellen Betrügern genutzt.
Der Trend hin zum Mobilfunk hat mehrere Ursachen: Mobilnummern sind weiter verbreitet, gelten als persönlicher und wirken seriöser. Bestimmte Betrugsmaschen, etwa die Übernahme von WhatsApp-Accounts, lassen sich über Mobilfunk einfacher umsetzen. Besonders bei Messenger- und KI-Verfahren setzen Täter deshalb vermehrt auf Mobilnummern.
Diese Schlüsselwörter fielen im Zusammenhang mit Telefonspam häufig
Dabei fielen auch häufig Schlüsselwörter, die eine Einordnung der Anrufe mittels Schlüsselwortanalyse und manueller Fallprüfung ermöglichten.
Demnach wurden folgende Schlüsselwörter in negativen Bewertungen am häufigsten erwähnt:
- 1. Allgemeiner Spam & Belästigung – 20,2 %
- 2. Allgemeiner Betrug/Scam – 8,1 %
- 3. Gewinnspiele & Lotterien – 6,5 %
- 4. Vertrieb & Telefonmarketing – 4,6 %
- 5. Banken, Konten & Finanzen – 3,0 %
- 6. Energie/Strom/Gas – 2,7 %
- 7. Inkasso & Behörden – 1,2 %
- 8. WhatsApp, Messenger & KI – 1,1 %
- 9. Robocalls & Bandansagen – 0,9 %
- 10. Versicherungen – 0,8 %
- 11. Paket & Zoll – 0,5 %
- 12. Ping-Anrufe – 0,3 %
- 13. Unzugeordnet – 49,6 % (extrem kurze Kommentare, Emojis, Ein-Wort-Aussagen)
Betrüger immer einen Schritt voraus - das steckt hinter Number Cycling
Täter nutzen ganze Rufnummernblöcke, automatisierte Wählsysteme und intelligente Taktiken, um Erkennungssystemen immer einen Schritt voraus zu sein. Für Verbraucherinnen und Verbraucher reicht es immer weniger, einzelne Nummern zu sperren oder gelegentlich zu reagieren. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist das sogenannte Number Cycling. Hier nutzen Täter komplette Rufnummernblöcke und tauschen regelmäßig die letzten Ziffern.
"Wir beobachten seit Monaten eine deutliche Zunahme von Spam-Anrufen, die aus ganzen Rufnummernblöcken stammen und ihre Endziffern regelmäßig wechseln. Dieses Vorgehen ist kein Zufall, sondern eine bewusste Strategie professioneller Betrugs- und Callcenter-Strukturen", erklärt Spamschutz-Experte Thomas Wrobel. "Durch das kontinuierliche Rotieren einzelner Ziffern am Ende einer Telefonnummer versuchen die Betreiber, die Erkennung zu umgehen und Sperrlisten ins Leere laufen zu lassen."
Im Telefonspam-Check vom Oktober 2025 wird diese Technik sichtbar. Sechs der zehn meistgemeldeten Spam-Nummern stammen aus Düsseldorf oder Hamburg und unterscheiden sich nur in den letzten beiden Ziffern – ein Muster, das typisch für systematisches Number Cycling ist.
So können KI-Stimmen erkannt werden
2025 war zudem das Jahr, in dem KI-Stimmen im Telefonspam klar nachweisbar wurden. Nutzer meldeten auffallend glatte, unnatürlich perfekte Sprachmuster und Situationen, in denen Stimmmanipulation sehr wahrscheinlich war. Ab August nahm die Zahl dieser Hinweise sichtbar zu. "Angriffe, die einst als simple Nachrichten vom vermeintlichen Kind leicht zu entlarven waren, wirken heute wie glaubwürdige Hilferufe", warnt Wrobel. "Entscheidend dafür ist der Fortschritt im Real Time Voice Cloning. Diese Technik – zwar nicht neu, aber durch moderne KI rasant beschleunigt – ermöglicht es, Stimmen täuschend echt zu replizieren und während des Gesprächs flexibel anzupassen."
Parallel zu klassischen Anrufen nimmt die Zahl hybrider Betrugsversuche zu. Viele Nutzer berichten 2025 von mehrstufigen Angriffen: erst der Anruf, dann Nachrichten über Messenger, schließlich ein Link oder eine Zahlungsaufforderung.
Charakteristisch ist ein Zusammenspiel aus Zeitdruck, Emotion und digitaler Nähe. Ein Anruf schafft zunächst Dramatik oder Vertrauen. Über Messenger wird die Geschichte weitergesponnen, mit Bildern, Sprachnachrichten oder Links. Am Ende steht oft eine konkrete Handlungsaufforderung – eine Überweisung, eine Datenfreigabe oder ein Klick auf eine manipulierte Seite.
Wie werden sich Spam-Anrufe 2026 entwickeln?
Clever Dialer geht davon aus, dass KI 2026 eine noch größere Rolle spielen wird– sowohl bei Tätern als auch bei den Schutzmechanismen. Auf Angreiferseite wird Voice Cloning mutmaßlich vermehrt eingesetzt werden. Die KI wird vermutlich flexibler auf Gesprächslagen reagieren und Mischformen aus Deepfake-Stimmen und Social Engineering könnten entstehen.
Auf der Verteidigungsseite wandern Anti-Spam-Technologien tiefer in die Infrastruktur. So könnten Filtermechanismen im Telefonnetz verbessert werden, die verdächtige Anrufmuster erkennen und blockieren, bevor sie das Handy erreichen. Betriebssysteme integrieren Funktionen, die Manipulationen bei Anruferinformationen oder in der Stimmanalyse früh markieren sollen.
Wichtig zu wissen in diesem Zusammenhang: Ein bestimmtes Wort sollte am Telefon niemals gesagt werden. Mit iOS 26 wird dein iPhone zum Spam-Filter: Ein Anruf-Assistent schützt vor nervigen Spam-Calls und übernimmt Warteschleifen für dich.