Karl-Theodor zu Guttenberg wurde 1971 in München geboren, verbrachte aber Teile seiner Kindheit in einem Schloss im oberfränkischen Landkreis Kulmbach. Bei der MDR-Talkshow "Riverboat" gab er Einblicke in das Leben an einem Ort, der für Außenstehende "prachtvoll" und "romantisch" klinge. Doch der heute 54-Jährige verschweigt die Schattenseiten nicht.

"Wir haben uns über 30 Generationen mehr oder weniger den Hintern abgefroren", beschreibt er diese besonderen Kindheitsjahre. In der Dorfjugend herrschte zudem ein teils raues Miteinander: Sobald er als kleines Kind vermittelt habe, "etwas Besseres zu sein, gab es eine sehr gesunde oberfränkische Reaktion darauf."

Zu Guttenberg nennt Schlag im Kreis Kulmbach "gesündeste Lehre"

"Die Faust gab es dann, wenn der kleine Baron das Gefühl hatte, sich wie ein kleiner Baron benehmen zu müssen. Dann hat man einfach, Gott sei Dank, eine auf's Maul bekommen", beschreibt er es in anderen Worten. Leichtes Unbehagen ist während der Schilderungen des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers im Blick von Moderatorin Kim Fischer wahrzunehmen. Zu Guttenberg verurteilt die Handlung nicht, sondern nennt sie "die gesündeste Lehre" und "eine gute Grundschulung". 

"Ich habe etwas früher einen Milchzahn verloren, den ich nicht zu früh verlieren wollte", führt er fort. Daraufhin sei er gekränkt zu seinem Vater gegangen, der "kurz davor war, mir noch eine Zweite auf's Maul zu geben", erinnert er sich. Auch wenn Enoch Freiherr von und zu Guttenberg nie die Hand gegen seine Kinder erhoben habe, habe er kommentiert: "Das ist genau das, was dir gerechterweise in dem Moment geschehen ist." Die Familie habe überdies "sehr viel Wert auf gutes Benehmen gelegt", wie er im Alltag zu spüren bekommen habe. 

"Wenn man zum Essen nicht pünktlich war, hat man nichts mehr zum Essen bekommen und dann durfte man sich auch nicht dazusetzen", führt er aus. Bei dieser Eigenart blieb es nicht. So habe seine Großmutter ihm die Gabel in den Ellenbogen gerammt, wenn er diese auf dem Tisch hatte. "Und die steckte dann auch im Ellenbogen." Diese Geschichte erntet Raunen im Publikum und große Augen von Fischer. 

Politikerkarriere gefährdete Charakter - zweite Chance in den USA 

Auch die Plagiatsaffäre wird in der Talkshow zum Thema. Nach seinem politischen Rücktritt ging er nach Amerika. "Ich bin jetzt rückblickend für diese eine richtig große Niederlage im Leben dankbar", sagt er. In dieser Zeit habe er zwar Panikattacken und Depressionen erlitten, aber auch die Chance bekommen, aus dem politischen Leben zurückzutreten, das seine Seele und seinen Charakter gefährdet habe, betont der Unternehmer und Buchautor.  

In den USA, wo er unter anderem als Vorstand der Technologiefirma Augustus Intelligence tätig war, habe er eine zweite Chance erhalten. Seine Lehre: "Im Scheitern kann auch eine Kraft liegen."