Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) trägt nun wieder einen Doktortitel. Nachdem ihm sein erster Doktortitel aberkannt wurde, hat der Ex-Minister erneut den Doktorgrad erlangt. Martin Heidingsfelder hat Guttenbergs Dissertation bereits in seine Software aufgenommen - 2011 hat der Plagiatsjäger bereits den Betrug bei Guttenbergs erster Arbeit aufgedeckt.

"Ich habe mir die Arbeit kurz angesehen, jedoch habe ich es noch nicht geschafft, mal genauer hinzuschauen", erzählt Heidingsfelder im Gespräch mit inFranken.de. "Nicht wie 2011, wo ich sowas noch in meiner Freizeit gemacht habe." Damals hatte der Gutachter in Guttenbergs erster Doktorarbeit zahlreiche Plagiate entdeckt.

Erster Zitierfehler bereits nach fünf Minuten gefunden

"Vielleicht gucke ich mir das nochmal an, wenn ich mal die Zeit finde - aber so wichtig ist der ja jetzt auch nicht mehr. Bestimmt macht er das auch nur, um noch einen Vornamen dazuzubekommen", witzelt der Plagiatsjäger. "Den ersten Zitierfehler hatte ich aber schon nach fünf Minuten gefunden."

Gravierend sei der Fehler jedoch nicht. "Wahrscheinlich hat er einfach die Jahreszahl verwechselt", meint Heidingsfelder. Ernsthafte Plagiate in Guttenbergs neuer Doktorarbeit erwartet er nicht: "Normalerweise lässt man sowas beim zweiten Mal dann nicht mehr zu."

"Eigentlich bin ich ja fast ein bisschen sauer, dass Herr zu Guttenberg das nicht von mir hat checken lassen. Dass er als Franke nicht die lokale Wirtschaft unterstützt, sondern einfach nach Southampton abhaut", meint Heidingsfelder mit einem Augenzwinkern. An der Universität von Southampton hatte Guttenberg schon im Jahr 2018 seine Dissertation eingereicht.

Plagiatsjäger aus Nürnberg: Guttenberg hat sich "disqualifiziert"

Insgesamt sieht Heidingsfelder Guttenbergs neuen Doktortitel kritisch - vor allem für die Wissenschaft: "Er hat sich aus dem wissenschaftlichen Betrieb disqualifiziert." Durch den Plagiats-Skandal 2011 sei Guttenberg unwürdig, akademische Doktorwürden zu tragen.

Mit der Plagiatsaffäre 2011 sei er akademisch schlichtweg nicht mehr vertrauenswürdig: "Auf der einen Seite muss man ihm zwar dankbar sein, was er für die saubere Wissenschaft getan hat, allerdings ist er auch mit einer neuen Doktorarbeit nicht in den wissenschaftlichen Kreis aufzunehmen."