Für viele Menschen hat die Corona-Pandemie schwerwiegende Folgen. Auch den Kunst- und Kulturschaffenden aus ganz Deutschland wird die aktuelle Situation nach und nach zum Verhängnis.

So ergeht es auch dem Zirkus "Corona". Seit September 2020 ist der Zirkus in Lisberg im Landkreis Bamberg zum Stillstand gezwungen. Keine Auftritte sind aktuell möglich. Das bedeutet auch: keine Einnahmen. Zirkusbetreiber Sergio Schmidt, hat mit inFranken.de über die aktuelle Lage gesprochen.

Zirkus im Kreis Bamberg gestrandet: So kam es zum Namen "Corona"

Wie der 34-Jährige erzählt, sei der Name des Zirkus schon 2019 festgelegt worden. "Mein jüngster, jetzt 7-jähriger Sohn, wollte unbedingt wie der Zirkus Krone heißen. Da er das aber nicht so gut aussprechen konnte, wurde es dann irgendwas Ähnliches, in dem Fall "Corona" (spanisch für Krone). 

Nachdem die Pandemie aufgekommen war, haben Schmidt und seine Frau Janin Köllner auch darüber nachgedacht, den Zirkus-Namen wieder zu ändern. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch Banner, Stoffe und Werbeschilder schon bedruckt. Es hätte Schmidt zu viel Geld gekostet, das alles noch einmal zu ändern. "Also haben wir beschlossen, in den sauren Apfel zu beißen."

Probleme bezüglich des Namens und der momentanen Pandemie gab es zum Glück nicht, erzählt Sergio Schmidt weiter. Die Leute nehmen es, so Schmidt, eher mit Humor und sagen so etwas wie "Corona ist jetzt auch bei uns angekommen", wenn der Zirkus in der Stadt ist. Der Name "Zirkus Corona" soll nun bleiben. "Wir wollen mit unserem Zirkus das ganze Negative der Pandemie wieder wettmachen", erklärt der Zirkusbetreiber den Entschluss.

Zirkus Corona im Kreis Bamberg: So ergeht es dem Zirkus 

"Die aktuelle Situation sieht so aus, dass es uns gesundheitlich zum Glück gut geht. Wir haben aber mit den Finanzen zu kämpfen", erzählt Sergio Schmidt. Im August 2020 konnten er und sein Zirkus einige Auftritte geben, seit September fehlen jedoch jegliche Einnahmen. Versicherungen für Fahrzeuge, Reparaturen oder eine Abnahme des Zeltes vom TÜV könnten deshalb nicht bezahlt werden. Schlimm sei es für den Vater vor allem gewesen, seinen drei Kindern (7, 10 und 12 Jahre) zu Weihnachten nicht einmal ein Geschenk besorgen zu können, da das Geld "hinten und vorne nicht reicht."

Glücklicherweise, so Schmidt, stellte Lisbergs Bürgermeister Michael Bergrab den Festplatz für den Zirkus zur Verfügung. Auch den Tieren fehle es an nichts: "Unseren Tieren geht es zum Glück gut. Dieter Laufer vom Weingut über uns hat uns eine Fläche zur Verfügung gestellt, auf der wir unsere Tiere laufen lassen dürfen. Letzte Woche haben sich auch mehrere Bauern zusammen getan und uns Heu und Stroh gebracht, sodass wir jetzt Futter-Vorräte bis Anfang März haben", erzählt der Zirkusinhaber.

Alternativen zu den Auftritten habe der Zirkus aber momentan nicht und daher auch keine kurzfristige Perspektive auf Einnahmen. Das bereite große Sorgen für die Zukunft. "Wir wissen nicht, wie es weiter gehen soll, weil keiner weiß, wie lange wir hier noch stehen müssen und keine Veranstaltungen geben dürfen."

Gestrandeter Zirkus in Lisberg: Auch die Familie kommt kaum über die Runden

"Von der Regierung haben wir von der Corona-Soforthilfe noch keinen Cent bekommen. Die Begründung dafür war: Wir können keine Zahlen aus dem Vorjahr vorzeigen. Aber wie sollen wir Zahlen nachweisen, wenn wir Neuanfänger sind?", fragt sich Sergio Schmidt. 2020 hätte er mit seinem neu gegründeten Zirkus "Corona" seine erste Saison gehabt, erklärt er.

Ungewohnt sei es auch, nicht auf eigenen Beinen stehen zu können, wie er es mit seiner Frau Janin Köllner aus einer acht Generationen alten Zirkus-Familie gewohnt sei. Köllner stammt aus dem bekannten Zirkus Renz. "Wir bekommen zwar vom Jobcenter die Grundsicherung. Das reicht aber gerade so, um Lebensmittel zu kaufen." Schmidts Bitte an die Bundesregierung sei es daher, die Schaustellerei, wenn auch mit begrenzter Zuschauerzahl wieder zuzulassen. Denn nicht nur er vermisse die leuchtenden Augen der Kinder, die die Vorstellungen besuchen.

"Mein größter Wunsch ist es, weiter machen zu dürfen. Wir sind ja ein neu gegründetes Unternehmen und hätten 2020 unsere erste volle Saison gehabt und jetzt daran zu denken, wieder aufzugeben zu müssen, wo es mit uns noch gar nicht richtig angefangen hat, bricht mir das Herz.  Ich hoffe, dass wir auch wieder auf Tour gehen, unser eigenes Geld verdienen und andere Menschen mit unserem Programm glücklich machen können. Das ist mein und auch der Wunsch meiner Frau und unseren Kindern", so Sergio Schmidt.

Der Zirkus "Corona" ist auf Spenden angewiesen

"Unsere Bitte an die Bürgerinnen und Bürger ist es - so peinlich es uns auch ist - uns nicht zu vergessen. Wir sind leider auf finanzielle Spenden angewiesen, damit wir diese schwierige Zeit überstehen können", klärt der Zirkusdirektor auf. Auch über Sachspenden wie Karotten oder auch Eisenmaterial zur Reparatur der Tierwägen freue er sich sehr.

Trotz allem Grund zur Besorgnis gibt Schmidt sich kämpferisch: "Natürlich wissen wir, dass es vielen Menschen leider auch so geht, wie uns und das tut mir im Herzen weh, weil ich weiß, wie es ist. Aber wir sind Kämpfer und wir kämpfen weiter und irgendwann wird es auch weiter gehen." Dazu sei es aber auch wichtig, dass die Gemeinden ihre Festplätze regelmäßig und zu einem fairen Preis Schaustellern zur Verfügung stellen.

So können Sie dem Zirkus helfen

Menschen, die etwas spenden möchten, können dies über die Kontonummer DE43100100100037385130 (Inh. Janin Köllner) tun. Auch Sachspenden, die gebracht oder abgeholt werden dürfen, können mit Sergio Schmidt unter der Telefonnummer 01704909361 abgesprochen werden. Schmidt freue sich schon darauf, "unser Zirkuszelt wieder aufzubauen und den Leuten wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern." Bis dahin wird der Zirkus "Corona" noch in Lisberg bleiben.