Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) hat die Vorhaben der schwarz-roten Koalition zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung bemängelt. "Die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, bringt nur zusätzliche Bürokratie", sagte sie dem Radiosender Antenne Bayern. Lediglich etwa ein Prozent der Krankschreibungen erfolge telefonisch.
"Das heißt, der Gewinn ist relativ überschaubar." Die Führungsriege der schwarz-roten Koalition in Berlin hatte in dieser Woche angesichts hoher Fehlzeiten strengere Regelungen beschlossen. Die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen ohne Praxisbesuch soll abgeschafft werden.
"System aufbürden": Gerlach schießt gegen Krankschreibungspläne der Koalition
Zudem soll die verpflichtende Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag als gesetzliche Regel eingeführt werden - statt wie bisher am vierten Tag. In Unternehmen sollen abweichende Regelungen getroffen werden können. Union und SPD erhoffen sich durch weniger Krankheitstage Impulse für die schwächelnde Wirtschaft.
Auch CSU-Chef Markus Söder hatte dem Beschluss zugestimmt. Gerlach kritisierte ebenfalls die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag. Es bedürfe eines Konzepts "mit Maß und Ziel", das die Praxen nicht überlaste. "Zukünftig kommt ohnehin mehr auf die Hausärzte zu, dort werden mehr Leute einen Termin benötigen. Jetzt ein System noch aufzubürden, das noch mehr Wandel in die Praxen bringt und noch mehr Patientinnen und Patienten, halte ich für falsch."
Auch von der Ärzteschaft wurde der Beschluss der Koalitionsspitzen massiv kritisiert. Sie befürchten, dass die Arztpraxen künftig noch überlasteter sind als bisher oder dass sich kranke Menschen zur Arbeit schleppen, weil sie keinen Termin für eine Untersuchung bekommen konnten.
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