Viele hatten nicht so recht daran geglaubt: «Im Geiste des Dialogs» sollte das Weltwirtschaftsforum stehen. Ein hehrer, aber illusorischer Wunsch, dachte man erst. Doch ausgerechnet US-Präsident Donald Trump sorgte am Ende dafür, dass es genau so kam. Was bleibt von diesem geopolitischsten Weltwirtschaftsforum seit vielen Jahren?

1. Alles dreht sich nur um einen

Davos 2026 bedeutet Trump-Show - und der US-Präsident nutzt diese Bühne so richtig aus. Nicht nur mit seiner viel beachteten Rede, für die sogar die Reichen und Mächtigen in einer riesigen Menschenmasse Schlange stehen. Sondern vor allem, als er einen Tag später erneut die große Halle im Kongresszentrum kapert, die den Top-Gästen des Weltwirtschaftsforums vorbehalten ist. 

Kurzerhand wird das WEF-Logo überdeckt, vor ähnlich blauer Wand steht hinter dem Rednerpult plötzlich «Board of Peace». Trump gründet mit großem Pomp seinen «Friedensrat», sitzt mit am Tisch, als ein gutes Dutzend Staaten ihre Mitgliedschaftserklärung unterzeichnen - nicht wenige davon autoritär regiert. 

Zwischendurch hält der US-Präsident Hof im Kongresszentrum, stellt sich immer wieder spontan Fragen der Journalisten. Es wird in diesen Tagen kaum eine Schalte, kaum ein Gespräch gegeben haben, in dem sein Name nicht fiel. 

Gut an kommt Trump aber nicht. Viele Teilnehmer verglichen ihn mit einem Bully. Der US-Präsident sei ein «Imperialist», schimpfte ein internationaler Top-Banker - und sein Kollege ergänzte, es habe eine große antiamerikanische Stimmung gegeben. Auch Applaus bekam er schonmal mehr. 

2. Wie schnell sich ein Blatt wenden kann

Das sah man am denkwürdigen Mittwoch. Da fordert Trump in seiner Rede erst «unverzügliche Verhandlungen» über eine Übernahme Grönlands durch die USA. Keine sechs Stunden später hat er mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte bereits eine Rahmenvereinbarung getroffen - in der von einer Übernahme der weltgrößten Insel nach Angaben informierter Kreise keine Rede mehr ist. 

Wie kommt es zu dieser überraschenden Kehrtwende? Beobachter sind der Meinung, dass die zentralen Punkte der Vereinbarung - stärkere Militärpräsenz der USA auf Grönland und die Kontrolle von Investitionen auf der Insel - keine ganz neuen Ideen sind. Vermutlich hätten die Amerikaner diese auch ohne die große Drohkulisse durchsetzen können. Vizekanzler Lars Klingbeil führt Trumps Einlenken auch auf eine innenpolitische Diskussion zurück, die in den USA losgegangen sei. Doch vor allem habe es einen anderen Grund.

3. Gegendruck zeigt Wirkung

Oft tun sich die Europäer schwer, den richtigen Ton gegenüber Trump anzuschlagen. Schmeichelt man ihm oder zeigt man Härte? Beim US-Präsidenten ist der Grat schmal. Dieses Mal aber, so analysiert Klingbeil später, seien die Europäer «sehr klar gewesen». Grönland steht nicht zum Verkauf, so die eindeutige Botschaft. Beobachter meinen: Als klar war, dass Gegenmaßnahmen gegen seine Zolldrohungen durchaus auf dem Tisch sind, habe Trump eingelenkt. 

In Davos legten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der französische Präsident Emmanuel Macron und vor allem der Kanadier Mark Carney vor. Später drohte Bundeskanzler Friedrich Merz Trump vorsorglich sogar nochmal mit Gegenmaßnahmen für den Fall, dass dieser es sich mit den Zöllen doch noch anders überlegen würde. «Wenn sie umgesetzt würden, wäre Europas Antwort geschlossen, ruhig, angemessen und stark», sagte er. 

4. Weltwirtschaftsforum ohne Wirtschaftsschlagzeile

Natürlich, im Kongresszentrum drehte sich fast jedes Gespräch um Trump. Die großen Journalistentrauben bildeten sich um ihn und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, die in den verwinkelten Gängen den Friedensprozess im russischen Angriffskrieg voranbringen wollten. 

Aber das ist nur die eine Seite des Weltwirtschaftsforums. Denn nicht jeder Teilnehmer des WEF hat überhaupt Zugang ins Kongresszentrum. Die andere Seite, die spielt sich auf der Promenade ab, der zentralen Davoser Straße. Dort haben Unternehmen kleine Firmenzentralen aufgebaut, Entwickler stellen neue Produkte vor, in provisorischen Zimmerchen werden Deals abgeschlossen. Und hier, so berichten Teilnehmer, war Trump eher Smalltalk-Thema - und dann ging es vor allem um neue Anwendungen Künstlicher Intelligenz. An die Öffentlichkeit drang davon wenig.

5. Was sonst noch fehlte

Natürlich ging es beim WEF schon immer auch um Geopolitik, Kriege und Konflikte. Doch üblicherweise erhielten auch Themen wie Klimawandel, Gesundheitsversorgung, humanitäre Hilfe, Zukunftsvisionen und Diversität ihren Raum. Nun sei all das untergegangen, kritisiert etwa der Präsident der Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC), David Miliband. Davos werde seiner Rolle als Forum für diese zentralen Fragen derzeit nur eingeschränkt gerecht. Es gibt recht viele Teilnehmer, die sich die alten Zeiten des WEF zurückwünschen.