Update vom 18. Mai 2026: Bulgarien gewinnt ESC zum ersten Mal – Deutschland auf Platz 23
Bulgarien hat mit dem Lied "Bangaranga" den 70. Eurovision Song Contest gewonnen. Die Sängerin Dara bekam die meisten Punkte, wie in der Liveshow in Wien bekanntgegeben wurde. Deutschland landete mit der Sängerin Sarah Engels in der Nacht zum Sonntag abgehängt auf dem 23. Platz von 25 Finalisten. Sämtliche Punkte kamen dabei von den Jurys aus einer Handvoll Ländern - vom TV-Publikum bekam der Beitrag keinen einzigen. Israel wurde Zweiter, es folgten Rumänien, Australien und Italien sowie Finnland.
Für Bulgarien war es der erste ESC-Sieg überhaupt. Seit 2005 nimmt das südosteuropäische Land an dem Wettbewerb teil. Häufig qualifizierte es sich nicht für das Finale.
Diesmal lag der Beitrag des kleinen Balkanstaats aber sowohl bei den Jurys als auch beim Publikum vorn. "Bangaranga", eine Mischung aus Balkan-Beats, K-Pop und Club-Sounds gepaart mit einem ikonischen Tanz entwickelte eine Sogwirkung.
Sängerin Darina Nikolaewa Jotowa (27) alias Dara, sagte, ihr Ehemann habe noch am Vortag mit ihr gewettet, dass sie gewinnen werde. "Ich fühle mich wundervoll. Ich kann nicht verstehen, was passiert. Meine Arbeit ist, auf der Bühne zu sein, das Lied vorzutragen, mein Herz zu öffnen, Licht und Liebe auszustrahlen", sagte sie dem bulgarischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen.
Deutschlands Starterin Sarah Engels war mit der Startnummer 2 ins Rennen gegangen, was vielen bereits als schlechtes Omen gegolten hatte. Noch nie hatte ein Beitrag von Platz 2 den Wettbewerb gewonnen. Allerdings waren ihr auch bei den Buchmachern seit Wochen praktisch keine Chance auf eine vordere Platzierung eingeräumt worden.
Schorn über Engels' Auftritt: "Was haben wir alles abgebrannt"
Die 33-Jährige versuchte, die schlechten Vorzeichen mit maximaler Energie zu kontern. Ein reduziertes Intro gab ihrem Song "Fire" zunächst mehr emotionale Tiefe, danach folgte eine aufwendige Choreographie mit sehr viel Pyrotechnik. "Was haben wir alles abgebrannt", bemerkte ESC-Kommentator Thorsten Schorn. "Jetzt geht der Spritpreis wieder hoch." Nur: Es half nichts.
Schlechte Stimmung wollte Engels angesichts des Ergebnisses jedoch nicht aufkommen lassen. "Wir haben alles gemacht, was in unserer Macht steht, und alles andere entscheiden dann die Sterne", sagte sie. Während der ernüchternden Punktevergabe habe sie Süßigkeiten gegessen. "Ich habe richtig reingehauen."
ESC-Kommentator Schorn bemühte sich vor dem deutschen TV-Publikum um Schadensbegrenzung. 0 Punkte vom Publikum – das bedeute nicht, dass gar niemand für Deutschland gestimmt habe. Nur nicht genug, um in die Punkteränge zu rutschen. "Natürlich haben Menschen für Sarah Engels angerufen", sagte Schorn. "Und natürlich hat sie für Begeisterung gesorgt."
"Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht"
Das Lied war in einem vom Südwestrundfunk (SWR) verantworteten Vorentscheid zum deutschen Beitrag gekürt worden. Der Sender hat innerhalb der ARD erstmals wieder die Federführung für den ESC übernommen. Zuvor lag die Verantwortung fast 30 Jahre lang beim Norddeutschen Rundfunk (NDR).
Engels habe mit großer Leidenschaft, hoher Professionalität und enormer Bühnenpräsenz einen "überzeugenden Auftritt" hingelegt, erklärte SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler. "Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht über die Platzierung, auch wenn für uns diese eine Zahl nicht im Fokus stand."
In der vorangegangenen NDR-Zeit hatte einerseits der Sieg mit Lena Meyer-Landrut ("Satellite") im Jahr 2010 - unter aktiver Beteiligung von Stefan Raab - gelegen. Andererseits landete Deutschland in den letzten elf Jahren auch siebenmal auf dem letzten oder vorletzten Platz. Diesmal war es nun der drittletzte.
Boykotte wegen Israel
Wie bereits in den Vorjahren war die ESC-Teilnahme Israels von politischen Spannungen begleitet. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten das Großereignis diesmal sogar, weil sie das Vorgehen Israels im Gazastreifen verurteilen. Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Massaker der islamistischen Hamas und anderer Terroristen in Israel am 7. Oktober 2023.
Während des Auftritts des israelischen Sängers Noam Bettan hatte es im ESC-Halbfinale vereinzelt Zwischenrufe gegeben. Daher lag für das Finale die Erwartung nahe, dass es ähnliche Reaktionen geben könnte. Aber größere Störaktionen waren zunächst nicht bemerkbar. Bettan konnte souverän seinen Song "Michelle" vortragen. Das Lied hatte einen dreisprachigen Text: Teile waren auf Hebräisch und auf Englisch, der Großteil jedoch auf Französisch. Als Israel viele Punkte des Publikums erhielt, waren allerdings Rufe in der Halle zu hören.
Bei einem großen Public Viewing vor dem Wiener Burgtheater waren während der Schnelldurchlauf-Präsentationen der Songs ebenfalls deutliche Buh-Rufe zu hören, als der israelische Beitrag über den Schirm flimmerte. In der Nähe der Veranstaltungshalle wurden zudem 14 propalästinensische Aktivisten festgenommen. Sie hatten nach Angaben der Polizei eine nicht angemeldete Versammlung abgehalten und gegen das Vermummungsverbot verstoßen.
Österreichische Show wirkte etwas behäbig
Drinnen inszenierte Wien sich gewohnt nostalgisch. Passend zu Österreichs Hauptstadt war der sogenannte Green Room, in dem die Teilnehmer während der Show ihren Punkten entgegen bangten, im Stil eines plüschigen roten Wiener Kaffeehauses gestaltet.
Das Host-Duo war bemüht locker. Die "Let's Dance"-Moderatorin Victoria Swarovski und der Schauspieler Michael Ostrowski blieben aber in den Augen vieler weit weniger lustig als letztes Jahr in Basel Sandra Studer und Hazel Brugger. Als "Professor Eurovision" etwa dozierte Swarovski in Hörsaal-Einspielern akademisch und arg zahlenlastig ESC-Expertise.
Während Vorjahressieger JJ seinen Siegersong von 2025 performte und ein neues Lied vorstellte, blieb der andere noch lebende österreichische ESC-Sieger dieser Ausgabe fern. Tom Neuwirth alias Conchita Wurst (Sieg 2014) hatte im Januar mitgeteilt, sich aus dieser Welt lösen zu wollen und nicht mehr an Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem ESC teilzunehmen.
Dafür gab es zum 70. Jubiläum aber ein Wiedersehen mit vielen anderen früheren Teilnehmern, darunter Lordi, Max Mutzke oder auch Cesár Sampson. Im ersten Halbfinale am Dienstag war zum Beispiel auch Vicky Leandros aufgetreten.
Ursprungsmeldung vom 17. Mai 2026: "Tödliche" Startnummer für Sarah Engels Auftritt beim heutigen ESC-Finale
In Wien kämpfen am Samstag 25 Lieder und ihre Interpreten um den Sieg beim 70. Eurovision Song Contest (ab 21.00 Uhr live im Ersten). Für Deutschland mit der Startnummer 2 geht die Sängerin Sarah Engels mit der Dance-Nummer "Fire" ins Rennen. Fünf Länder, darunter Spanien, boykottieren den Song Contest 2026 aus Protest gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen und gegen die ESC-Teilnahme Israels. Spanien gehört zu den sogenannten fünf Big-Five-Ländern, die für das Finale gesetzt sind.
Laut Buchmachern hat die Kölnerin Engels (33) wenig Chancen auf den Sieg. 2025 war Deutschland auf Platz 15 gelandet, im Jahr davor auf dem 12. Platz. Als großer Favorit gilt diesmal Finnland. Das Siegerlied steht nach der traditionell komplizierten Punktevergabe gegen 1.00 Uhr nachts fest. Vergangenes Jahr in Basel gewann der österreichische Countertenor JJ die weltweit größte Musikshow. Deshalb tragen Österreich und seine Rundfunkanstalt ORF diesmal die Show aus. Moderiert wird sie von der "Let's Dance"-Moderatorin Victoria Swarovski und dem Schauspieler Michael Ostrowski.
Die deutsche Kandidatin und ihr "tödlicher" Startplatz
Für Engels lief es bislang gut in Wien - ihr Auftritt außer Konkurrenz im Halbfinale wurde allenthalben gelobt. Souverän ließ sie sich bei ihrer aufwendigen Choreographie rücklings in die Arme ihrer Tänzerinnen fallen. Der Song "Fire" wurde mit einem ruhigeren Intro auf Emotion getrimmt.
Als aber ihr Startplatz bekanntgegeben wurde, rumorte es in der ESC-Community. Der Grund: Die Deutsche muss als Zweite ran - und die Startnummer 2 gilt unter ESC-Nerds als "tödlich". Die Geschichte gibt ihnen recht. Noch nie habe jemand, der dort gesungen habe, den ESC gewonnen, sagte der ESC-Experte Lukas Heinser der Deutschen Presse-Agentur. Gleiches gelte allerdings etwa auch für die Startnummer 16.
Erklärungen für den angeblichen Fluch gibt es einige. Etwa, dass die Aufmerksamkeit des Publikums nach dem ersten Beitrag, der als fulminanter "Eisbrecher" fungiere, beim zweiten Lied absacke. Unter dem Strich sei die Startplatz-Deutung aber viel Kaffeesatzleserei, schreibt Experte Heinser in seinem Nachschlagewerk "ESC – Das kleinste Buch zum größten Musikereignis".
ESC und Politik: 2026 Boykott mehrerer Länder – wegen Teilnahme Israels
Politische Spannungen, die den Eurovision Song Contest seit einigen Jahren begleiten, erreichen in Wien eine neue Dimension. Die Debatte um die Teilnahme Israels hat das Teilnehmerfeld gespalten.
Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottieren das Großereignis, weil sie das Vorgehen Israels im Gazastreifen verurteilen – und nicht an einem Wettbewerb teilnehmen wollen, bei dem Israel vertreten ist. Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Massaker der islamistischen Hamas und anderer Terroristen in Israel am 7. Oktober 2023.
Deutschland – und Gastgeber Österreich – hatten dagegen nie Zweifel aufkommen lassen, dass sie teilnehmen werden und Israel willkommen ist. Deutschlands Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat sogar angekündigt, beim ESC dabei zu sein. Er sei sehr froh, dass Israel singen dürfe und fahre deshalb nach Wien, um sich auch den israelischen Sänger anzuhören. Bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft in Wien machte er ein Selfie mit Engels.
Demonstrationen und Sicherheitsvorkehrungen
In Wien wurden mehrere Demonstrationen angemeldet, meist aus dem propalästinensischen Umfeld. Die Polizei rechnet auch mit spontanen Blockade- und Störaktionen. Rund um den Austragungsort des ESC-Finales, die Wiener Stadthalle, sind solche Aktionen allerdings kaum möglich. Die Absperrungen sind weiträumig, Platzverbote können jederzeit ausgesprochen werden.
Die Stadthalle, das sogenannte ESC-Village vor dem Rathaus oder auch Österreichs größte Diskothek im Prater, wo die After-Show-Partys steigen, sind nur nach Sicherheits-Checks zugänglich. Taschen sind nicht erlaubt. 16.000 Menschen, die mit dem Event zu tun haben, wurden von der Polizei überprüft. Im Umkreis der Veranstaltungsorte herrscht zudem ein Drohnen-Flugverbot.
Die Favoriten
Glaubt man den Wettanbietern, gibt es seit Wochen so etwas wie einen Favoriten: Finnland. Es schickt ein Duo ins Rennen. Klassikmusikerin Linda Lampenius spielt Geige, der 20 Jahre jüngere Popstar Pete Parkkonen singt dazu vor einem brennenden Beichtstuhl. Würde das Duo tatsächlich gewinnen, wäre es der erste finnische Sieg seit Lordi. Die kultige Monster-Band hatte 2006 mit Gruselkostümen und dem Song "Hard Rock Hallelujah" halb Europa geschockt.
"Finnland schickt einen wirklich starken Beitrag - und das auch noch in Landessprache", sagte ESC-Kommentator Thorsten Schorn der Deutschen Presse-Agentur. "Die Frage ist nur, ob zum dritten Mal in Folge ein Song mit Klassikelementen gewinnen kann."
Der Titel "Liekinheitin" heißt übersetzt Flammenwerfer - und konkurriert damit pyrotechnisch direkt mit dem deutschen Beitrag "Fire" von Engels. Bei den Probedurchläufen loderten Flammen hier und dort. "Allein diese beiden Songs machen die Hallenheizung überflüssig", sagte Schorn.
Als weitere Favoriten werden auch Australien, Griechenland, Israel, Dänemark, Frankreich, Italien und Bulgarien gehandelt - und Rumänien. Das Land schickt den wohl umstrittensten Beitrag nach Wien. Sängerin Alexandra Căpitănescu präsentiert den Fetisch-Song "Choke me", also "Würg mich".
Mit dem Sieg sei es heutzutage so eine Sache, wurde der deutsche ESC-Altmeister Ralph Siegel ("Ein bisschen Frieden") vergangene Woche von der "Welt am Sonntag" zitiert: "Jetzt hören Sie die Songs Wochen, teilweise Monate vorher. Diese Vor-Promotion führt den Wettbewerb eigentlich ad absurdum." Fangruppen und Wettbüros entschieden quasi vorab. "Früher haben die Leute den Song erst am Abend erlebt und dann entschieden. Heute sind sie schon vorher beeinflusst."
Die Regeln
Für den ESC 2026 wurden die Regeln angepasst. Neu war etwa, dass in den Halbfinalen (bei denen insgesamt zehn Länder rausgewählt wurden, darunter San Marino mit Senhit und Weltstar Boy George) über das Weiterkommen nicht mehr allein das Publikum entschied. Die Hälfte der Punkte vergaben wieder die nationalen Jurys – ein Regelwerk, das zuletzt nur im Finale gegolten hatte.
Außerdem: Die maximale Anzahl der Stimmen des Publikums via App, SMS und Anruf wurde von 20 auf 10 reduziert. Damit reagierte die Europäische Rundfunkunion (EBU) auf das Ergebnis des ESC 2025. Vor einem Jahr hatte die israelische Sängerin Yuval Raphael dank eines überwältigenden Publikums-Votings Platz zwei errungen. Es gab Vermutungen, dass dem Ergebnis eine strategische Mobilisierung der Zuschauer und Zuschauerinnen zugunsten Israels zugrunde lag.