Der alpine Wintersport lebt von Emotionen, Erinnerungen und Orten, die für viele mehr sind als nur ein Punkt auf der Landkarte. Manche Skigebiete stehen sinnbildlich für große Momente, sportliche Triumphe und persönliche Erlebnisse im Schnee. Umso schmerzhafter ist es, wenn genau solche Orte langsam von der winterlichen Bildfläche verschwinden. In Bad Gastein wird nun eine Entscheidung Realität, die viele Fans des klassischen Skifahrens hart trifft.

Ende des Skibetriebs am Graukogel

Am Graukogel, einem der traditionsreichsten Berge im Gasteinertal, endet der Winterbetrieb – zumindest vorerst. Der Aufsichtsrat der Gasteiner Bergbahnen hat beschlossen, den Skibetrieb am Graukogel einzustellen. Diese Entscheidung gilt für einen Zeitraum von drei Jahren. Nach der aktuellen Wintersaison werden die Lifte bis einschließlich Winter 2028/29 nicht mehr in Betrieb gehen. Die bekannten Zweier-Sesselbahnen bleiben dann in den Wintermonaten stehen, lediglich der Sommerbetrieb soll weiterhin aufrechterhalten werden. Für Wintersportler, die bewusst Naturschnee und Ruhe abseits des Massentourismus suchen, ist das ein herber Einschnitt.

Ein Skigebiet mit großer Vergangenheit

Der Graukogel ist kein beliebiger Hang. Er ist tief mit der österreichischen Skigeschichte verwoben. Bereits 1958 schrieb der Berg internationale Sportgeschichte, als hier die alpinen Ski-Weltmeisterschaften ausgetragen wurden. Damals war es Toni Sailer, der an diesem Ort zu einer Ikone des Skisports wurde und sich gleich zwei Goldmedaillen – in der Abfahrt und im Riesentorlauf – sicherte. Diese Erfolge machten den Graukogel weltbekannt und prägten seinen Ruf über Jahrzehnte hinweg. Doch sportliche Legenden und historische Bedeutung allein reichen im modernen Skitourismus nicht mehr aus, um einen wirtschaftlich stabilen Betrieb zu sichern.

Gründe für Entscheidung: Wirtschaftliche Realität statt Nostalgie

Die Gründe für die Entscheidung der Bergbahnen sind klar und nüchtern. Der Graukogel verfügt über keine künstliche Beschneiungsanlage. In Zeiten steigender Temperaturen und immer unzuverlässigerer Schneefälle ist ein reines Naturschneegebiet kaum noch wirtschaftlich zu betreiben. In den vergangenen Jahren schrieb das Skigebiet regelmäßig Verluste in Höhe von mehreren hunderttausend Euro pro Saison. Dem hohen finanziellen Aufwand standen schlicht zu geringe Einnahmen gegenüber. Nach Angaben des Vorstands nutzten zuletzt nur noch rund zwei Prozent der Wintergäste im Gasteinertal dieses Skigebiet.

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Schon zuvor wurde deutlich, dass der Betrieb kaum noch tragfähig war. In den vergangenen Wintern liefen die Lifte häufig nur eingeschränkt, teilweise an lediglich vier Tagen pro Woche. Diese Entwicklung ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Problems: Viele kleinere und höher gelegene Skigebiete stehen durch den Klimawandel unter massivem Druck. 

Fokus auf andere Skiberge – und eine offene Zukunft

Die Gasteiner Bergbahnen wollen ihre finanziellen Mittel künftig stärker auf die großen Kerngebiete wie den Stubnerkogel und die Schlossalm konzentrieren. Dort ist der Betrieb durch moderne Infrastruktur und Beschneiung deutlich besser abgesichert. Für den Graukogel bedeutet das jedoch keineswegs das endgültige Aus. Die Schließung ist zunächst auf drei Jahre begrenzt, wie es danach weitergeht, ist offen.

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Eine mögliche Zukunftsvision existiert bereits: Kurfonds und Gemeinde übernehmen weiterhin die Pacht, während der Berg als reines Skitourengebiet genutzt werden könnte. Damit würde der Graukogel zumindest für Tourengeher erhalten bleiben – ganz ohne Liftbetrieb. Eine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Sessellifte soll erst nach dem Jahr 2029 fallen.

Letzte Chance für Wintersportfans

Wer den Graukogel noch einmal im klassischen Winterbetrieb erleben möchte, sollte sich beeilen. Die vorerst letzte Saison startete am 25. Dezember. Der Berg als Ski-Berg befindet sich in einer ungewissen Phase. Und das für einen Berg, der einst zu den großen Bühnen des alpinen Skisports gehörte. Der Abschied erfolgt leise, schrittweise und ohne großes Spektakel, aber mit umso mehr Wehmut für all jene, die den Graukogel als besonderen Ort im Herzen tragen.

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