Der WEISSE RING, Deutschlands größte Opferhilfeorganisation, verstärkt sein Engagement im Bereich der Kriminalprävention. In einigen Landesverbänden koordinieren Präventionsbeauftragte die Präventionsarbeit und helfen bei der Umsetzung von Projekten. Darüber hinaus spielt das Thema eine immer wichtigere Rolle bei den ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Mitarbeitern vor Ort. Sie klären vermehrt auf, wie man Straftaten vorbeugen kann. Der WEISSE RING flankiert dieses Engagement durch weitere Fortbildungs-, Informations- und Beratungsangebote, die die Mitarbeiter jederzeit wahrnehmen können.
„Vorbeugung ist der beste Opferschutz und ein integraler Bestandteil unserer Opferhilfe“, sagte Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des WEISSEN RINGS, am Rande des 20. Deutschen Präventionstages. Es gehe darum, Impulse zu setzen, um Menschen im Ernstfall zum richtigen Handeln zu bewegen. „Wer einschreitet, kann Verbrechen im besten Fall nicht nur unterbinden, sondern sogar verhindern“, so Biwer. In erster Linie gehe es um Empathie-Vermittlung: Dem Einzelnen klarmachen, dass das eigene Verhalten zählt und eine Situation komplett ändern kann.
Der WEISSE RING klärt bereits mit verschiedensten Projekten und Aktionen auch in Oberfranken in den Landkreisen Kulmbach, Kronach, Lichtenfels und Coburg über Kriminalprävention auf. Beispielhaft dafür stehen hier die vom WEISSEN RING unter Federführung des Außenstellenleiters Alfons Hrubesch produzierten Präventionsfilme „SEELENNARBEN“ zu den Themen „Sexueller Missbrauch, Häusliche Gewalt und K. o.-Tropfen) sowie „ESCAPE THE FATE“ zum Thema Mobbing und Cybermobbing, die inzwischen an über 20 Schulen in Oberfranken im Einsatz sind, um Straftaten zu verhüten. Zur Stärkung der Medienkompetenz werden vom WEISSEN RING gemeinsam mit Referenten der Polizei und weiteren Spezialisten sogenannte „Medienscouts“ an Schulen ausgebildet, die das erworbene Wissen in die Schulklassen einbringen. Sie sprechen mit Schülern über Medienkompetenz und vermitteln ihnen, wie junge Menschen die Fallstricke im Internet richtig wahrnehmen und im Rahmen ihrer persönlichen Fähigkeiten reagieren sollen, ohne selbst zum Täter oder zum Opfer zu werden.
Der WEISSE RING kooperiert vor Ort und auf Bundesebene eng mit der Polizei und anderen Akteuren, um auf das Thema Kriminalprävention aufmerksam zu machen, beispielsweise mit dem von und für Jugendliche betriebenen Online-Beratungsportal juuuport.de und mit der Konstanzer Puppenbühne. „Das gemeinsame Merkmal aller kriminalpräventiven Projekte des WEISSEN RINGS ist die Opferperspektive“, stellte Biwer heraus. Denn gerade hier bestehe Nachholbedarf. Zu oft werde das Thema am Täter festgemacht. Zu häufig sei er Dreh- und Angelpunkt bei der Aufarbeitung einer Straftat, aber auch bei allen durchgeführten Präventionsmaßnahmen. Opfer hätten auf diese Weise oft das Gefühl, erneut zum Opfer zu werden. „Hier muss gegengesteuert werden“, betonte Biwer. „Die Opferperspektive muss bei der Aufarbeitung von Straftaten, aber auch eben bereits davor, in der Prävention von Kriminalität, verankert werden.“
Am prominent besetzten Forums-Stand machte der WEISSE RING auf das Thema Kriminalprävention aufmerksam – mit Unterstützung des Schauspielers und WEISSER RING-Botschafters Marek Erhardt, der mit Schülern über Zivilcourage und Empathie für Kriminalitätsopfer diskutierte. Trickzauberer machten auf die Gefahren des Taschendiebstahls aufmerksam und zeigten, wie kreative Kriminalprävention aussehen kann. Markus Regele, deutscher Hochschulmeister im Boxen, trainierte mit Jugendlichen am Boxsack. Junge Menschen sollten lernen, ihren Blick zum Thema Gewalt zu schulen und ihre Kräfte verantwortungsvoll einzusetzen.

Zum Bild:
Für den WEISSEN RING auf dem 20. Deutschen Präventionstag in Frankfurt im Einsatz (v.l.): Marek Erhardt, Schauspieler und Botschafter des WEISSEN RINGS, Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin