Am kommenden Wochenende beginnt für die Hirschfelder die "fünfte Jahreszeit". Vom 3. bis 9. Oktober feiert das Dorf seine traditionelle Trachtenkirchweih.

Auch in diesem Jahr werden sieben Zechpaare und vier Kellner unter der Federführung von Dominik Wicklein und Michelle Fröba auf dem Festplatz in der Dorfmitte feiern.

Seit Monaten sind die Jugendlichen im Einsatz, um wieder ein attraktives Programm (siehe Anzeige) auf die Beine zu stellen, das Tanzen zu üben und um altes Brauchtum zu pflegen.

Wie lange die Tradition gefeiert wird, steht nicht genau fest. In den Annalen ist aber zu lesen, dass schon am 5. Oktober 1806 die Hirschfelder Kirchweih gefeiert haben. Damals durchstreiften zwei Kompanien Napoleons das Dorf und aßen den Bewohnern den Kirchweihbraten weg. Im Jahre 1818 wurde auch der "Plohn" bezogen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Hirschfelder ihre Kirchweih wieder aufleben lassen. Der Plan befand sich am Feuerwehrhaus. Genau wie heute wurde auch damals ein Baum aufgestellt. Das Ortsbild von Hirschfeld war bis in die 80er Jahre von Gänsen geprägt. In den beiden Gastwirtschaften waren der Gänsebraten und -pfeffer der Renner. Am abendlichen Tanz spielte die Musik in der Gastwirtschaft Förtsch, genannt "Güntersch", auf.

Mittlerweile wird am Festplatz auf der ehemaligen Bullenwiese am Anger der Plan bezogen und im Zelt gefeiert. Die Vorbereitungen haben sich seit damals sehr gewandelt, manches ist jedoch gleich geblieben.

Schon Wochen vorher haben die Zechmädels im Wald Fichtenstreu gesammelt und damit den vier Meter hohen Torbogen gebunden. Die Jungs suchen derweil eine rund 35 Meter hohe Fichte aus, die gefällt und grob entrindet wird. Etwa "Fichtenbüschla" werden im Wald geholt und für den Tanzplan und die Häuser der Madla vorbereitet.

Aus vielen Rollen Krepp-Papier werden über 5000 Fähnchen geschnitten, die als "Buschschmuck" verwendet werden.

Ein besonderes Erlebnis ist es, wenn der "Zechbam" am Samstag in den frühen Morgenstunden geholt wird. Bis zum Mittag muss dieser von den restlichen Rinden befreit und mit Glasscherben blank geschliffen werden. Danach wird er mit einem Kranz und einer geschmückten Baumkrone versehen und mit vereinten Kräften aufgestellt. Dabei zittern die Helfer, ob auch alles gut geht. Erst im Anschluss können die beiden Festzelte aufgestellt und eingerichtet werden. Dabei hilft fast die komplette Dorfgemeinschaft mit und unterstützt die Zechgemeinschaft wo es nur geht.

Die Höhepunkte der Kirchweih sind der Kirchweihgottesdienst und der Festumzug am Kirchweihsonntag und -montag. Aber auch sonst wird kräftig gefeiert. Zum dritten Mal wurde heuer die Stadtkapelle Teuschnitz für den Tanz am Sonntag verpflichtet. Am Dienstag um Mitternacht wird dann die Kirchweih begraben.

Derzeit zählt Hirschfeld rund 450 Einwohner. Rund 180 Beschäftigte stehen vor allem im produzierenden Gewerbe in Arbeit. Beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" wurde 2017 die Bronzemedaille geholt.

Natürlich ist während der Festtage auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Von Mittwoch an bis Freitag gibt es bei Sandras Schlemmertopf abwechselnd Schlachtschüssel, Schnitzel, Bratwürste, Chicken etc. Am Freitagabend findet ab 17 Uhr ein Schlachtschüsselessen im Sportheim statt. Während der Festtage gibt es am Festplatz natürlich auch Kaffee, Kuchen und Torten, Steaks und Bratwürste sowie Pizza. Bierspezialitäten liefert die Kaiserhöfer Brauerei aus Kronach.

Die Hirschfelder Zecher sowie die gesamte Bevölkerung freuen sich nun auf ihre Kirchweih und heißen alle Besucher recht herzlich willkommen.

Veronika Schadeck