Am Wochenende feiert die ehemalige Bergwerksgemeinde Stockheim ihre beliebte Pifferkirchweih. Der Festgottesdienst findet am Sonntag, 29. Juli, um 8.45 Uhr statt. Um 8.30 Uhr formieren sich Bergmannskapelle und Vereine zur Kirchenparade. Den Gottesdienst zelebriert Pfarrer Hans-Michael Dinkel zusammen mit Diakon Wolfgang Fehn. Die musikalische Umrahmung obliegt der Bergmannskapelle Stockheim.
Das Gotteshaus in seiner jetzigen Größe wurde zwischen 1933 und 1935 unter großen Opfern der Bevölkerung in einer politisch sehr schwierigen Zeit erbaut. Der Erweiterungsbau entstand nach den Plänen von Professor Fritz Fuchsenberger, der das Gotteshaus im rechten Winkel an die Südseite der alten Kapelle anfügte. Selbst die Steine der ehemaligen Kohlenwäsche auf der Zeche St. Katharina, und zwar 90 000 an der Zahl, fanden bei dem Vorhaben Verwendung. Das Reinigen der Steine besorgten vor allem die Frauen. Und die arbeitslosen Männer leisteten zahlreiche Arbeitseinsätze zur Ehre Gottes. Auch trugen die Bauern aus Neukenroth und Posseck durch Holzspenden und Spanndienste zum "glücklichen Ende" bei. Bei einer 75-prozentigen Arbeitslosigkeit muss die Realisierung des Kirchenbaues unter der Rubrik "bemerkenswert" abgehandelt werden.
Umso mehr war die Einweihung am 16. Mai 1935 durch Erzbischof Dr. Jakobus Ritter von Hauck ein großartiger Tag für die Stockheimer, die nun voller Stolz auf ihr Werk schauen konnten. Der Erzbischof sprach seinen besonderen Dank Kuratus Johannes Heckel aus, der im baulichen Finale die Hauptlast trug. Die seinerzeitige Pontifikalmesse wurde vom katholischen Kirchenchor unter der Stabführung von Fritz Weißerth sowie durch den Schülerchor mit Hauptlehrer Max Fischer umrahmt.
Man dachte schon nach der Gründung der Kuratie, sie erfolgte am 19. Dezember 1915, an eine Erweiterung der Kapelle, denn seit 1877 verdoppelte sich die Bevölkerung von 500 auf über 1000 Bürger. Der Grund: Die einst mächtige Glasindustrie sorgte für einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Unter Kuratus Johannes Neder wurde 1928 eine Sakristei an die Kapelle angebaut, um dadurch ein wenig mehr Platz für die Gläubigen zu bekommen. Kuratus Robert Grieb, der nach dem frühen Tod von Kuratus Karl Limpert im März 1933 die Leitung der Stockheimer Kuratie übernommen hatte, brachte neuen Schwung in den angepeilten Kirchenbau.
Ein wichtiges Datum in der Stockheimer Kirchengeschichte ist der 25. Juli 1715. Die St. Wolfgangs-Kapelle ist durch den damaligen Weihbischof Dr. Joh. Werner Schnatz von Bamberg konsekriert worden.
Wer sich heute die ehemalige Wolfgangskapelle, die ja in den Jahren 1933 bis 1935 zu einer stattlichen Kirche erweitert wurde, betrachtet, dem werden ob der verschiedenen Jahreszahlen am Eingang und der Empore so manche Rätsel aufgegeben. So findet sich auf einem volutenartigen barocken Kragstein über dem Haupteingang die Jahreszahl 1707. Diese Jahreszahl, so Manfred Ziereis, der sich intensiv mit der kirchlichen Entwicklung befasst hatte, ist das Jahr des Baubeginns. Vorher tat eine Schlosskapelle, vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet, ihre Dienste.
Gerd Fleischmann