Richtig viel geboten ist am verkaufsoffenen Martini-Sonntag am 8. November nicht nur in den Geschäften, Cafés und Bistros, sondern auch in einigen leerstehenden Verkaufsläden. Dort hält für drei Tage die Kunst Einzug - unter anderem stellen die Künstler Brigitte Klussmeier, Melinda Hillion und Christian Schmöger in ihrer "Pop-up-Galerie im Leerstand" aus.


Kunst im Leerstand

In der Kaiserstraße 17 präsentiert Brigitte Klußmeier ihre Skulpturen und Plastiken aus Ton. Seit 2011 ist das Modellieren mit Ton ihre große Leidenschaft und ihr großes Interesse an den Menschen inspiriert sie bei ihren Arbeiten. Unter dem Motto "Leben - Lieben - Lachen" vermitteln ihre "dicken Mädels" einen Eindruck von schön sein, glücklich sein, mit Freude leicht leben. Sie wirken einerseits sehr robust, andererseits trotzdem grazil und anmutig - und so drückt Brigitte Klussmeier ihre Freude am Leben und die Liebe zur Sinnlichkeit aus - auch wenn die Figuren äußerlich von der Norm abweichen und bewusst überzeichnet dargestellt werden.
Melinda Hillion wurde in Frankreich geboren - war aber schon überall auf der Welt zu Hause. Inzwischen lebt sie in Mainstockheim im Ebracher Hof, arbeitet dort an ihren Werken der Porzellan- und Acrylmalerei und stellt diese am Martini-Sonntag in der Oberen Kirchgasse 20 aus. Darunter werden sicher auch einige Stücke aus ihrer Installationsreihe "Wir sind keine Roboter" und "Eat more art" sein.


Installation und Architektur

Von der Bretagne aus ging es für Melinda Hillion nach Marokko und an die Elfenbeinküste, nach Kalifornien und Dänemark. Zurück in La Trinité-sur-Mer arbeitete sie mit anderen Künstlern in einer Galerie und versuchte, die Kunst auch Kindern näherzubringen. Zwischen 2004 und 2006 entstand das in Frankreich vielbeachtete Projekt "Achtung Dialog" in der Bretagne. Zusammen mit Peter Brandner aus Mainstockheim verwandelte sie einen ehemaligen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg mit Skulpturen und Malerei in einen Kunstraum - und ähnliches wird ihr sicher am 8. November in der Oberen Kirchgasse 20 gelingen.
Christian Schmögers Motivation: "Es ist immer eine faszinierende Erfahrung, welche hochwertigen Architekturen leer und ungenutzt brachliegen, und der Gedanke, dass diese Gebäude eines Tages auch spurlos verschwinden könnten, ist ein starkes Motiv, sie und die besondere Stimmung zu dokumentieren." Seine Fotografien werden am Martini-Sonntag in der Oberen Kirchgasse 21 bis 23 zu sehen sein.
Und sie haben längst nichts mehr mit schnöder Dokumentation von Bauwerken zu tun, wie Schmöger sie 2014 und 2015 für die BIma ausgeführt hat. Der Architekt nahm mit seinen Bildern schon an verschiedenen Wettbewerben teil, unternahm Exkursionen ins Baltikum, nach Polen, Russland und Rumänien sowie in die USA. 2015 gab es erste Ausstellungen in Bochum und Schweinfurt. "Architekt ist man ja nicht nur während der Bürozeit, sondern eigentlich immer", erklärt Christian Schmöger. "In verlassenen und aufgegebenen Gebäuden herrscht eine ganz eigene, einmalige Stimmung - die Zeit in so einem Gebäude bleibt einfach stehen, keine Nutzung und Einrichtung lenkt von der Architektur ab, die man so direkt und pur erleben kann."


Schlendern und schlemmen

Die Pop-Up-Galerien sind am Freitag, 6. November, von 19 bis 21 Uhr sowie am Samstag und Sonntag, 7. und 8. November, von 13 bis 18 Uhr geöffnet - ebenso wie die Geschäfte in der Innenstadt, aber auch in den Gewerbegebieten am Lochweg oder auch am Goldberg. Da findet garantiert ein jeder Besucher nicht nur seinen passenden Wintermantel - dafür war ja der Martini-Sonntag vor vielen Jahrzehnten einmal gedacht - sondern auch noch vieles mehr.
In den Gaststätten warten die Wirtsleute darauf, ihre Spezialitäten anzubieten und die Gäste nach allen Regeln der kulinarischen Kunst zu verwöhnen. ljr