Ab Freitag fließt statt dem Verkehr auf der Hauptstraße hauptsächlich das Bier. Zumindest bis Donnerstag. Denn in diesem Zeitraum feiern die Kirchehrenbacher ihre Kirchweih. Die über 2300 Einwohner am Fuße des Walberla haben dann die Wahl zwischen leckerem Essen und kühlem Bier an den Imbissbuden, im Festzelt oder in den Gasthäusern. Zudem wird das Brauchtum gepflegt und mehrere Bands halten die Besucher mit Livemusik fünf Tage bei Laune.
Auftakt war am Donnerstag um 19 Uhr im Gasthaus "Sonne", wo die Kerwa respektive ein Fass Bier, das im Vorjahr in einem Sarg versenkt wurde, wieder hervorgeholt wird. Am Freitag zapft Bürgermeisterin Anja Gebhardt auf dem Marktplatz das erste Fass Bier an. Dieses Spektakel, das für 18.30 Uhr anberaumt ist, ist der Auftakt zu fünf Tagen Feierlaune. Die Band "X-Large" aus Pretzfeld sorgt für Stimmung.

 


Ein Kraftakt

Am Samstag wartet dann der Kraftakt auf die "Ehrabocha Kerwasburschen", die um 16.30 Uhr, unterstützt von den "Ehrabocha Musikanten", damit anfangen werden, den Baum aufzustellen. In die Senkrechte gehievt wird das Wahrzeichen einer jeden Kirchweih auf dem Platz neben dem Frischemarkt Lochner gegenüber der Pfarrkirche. Nach getaner Arbeit gibt es wieder Musik, diesmal mit "Calimeros".
Am Sonntag startet der Kerwa-Alltag mit dem geschichtsträchtigen Kirchweihgottesdienst um 10 Uhr, bevor es um 15.30 Uhr losgeht, die "Madla" auf die Kirchweih zu holen. Im Volksmund heißt das "Madla zsamspieln". Dann sind die Kerwasburschen unterwegs, um die Kirchweih mit mehr weiblichem Charme zu versehen. Highlight des Sonntags um 17.30 Uhr ist das "Betzen raustanzen" der jungen Burschen mit den Mädchen.

 

 


Wenn der Wecker klingelt

Zu den Klängen der "Ehrabocher Musikanten" wird ein Blumenstrauß so lange von Paar zu Paar weiter gereicht, bis der Wecker klingelt. Wer dann den Blumenstrauß in Händen hält, hat den Betzen gewonnen. Nach diesem Höhepunkt des Brauchtums lässt man den Abend mit Unterhaltungsmusik von den "Ehrabocher Musikanten" ausklingen.
Am Montag ziehen die Kerwasburschen schon früh ab 9 Uhr um die Häuser. Beim "Küchla zamspielen" sicherten sie sich gebackene Leckereien, die es nur zur Kirchweih gab. Heute sind die Burschen auch für eine finanzielle Spende dankbar. Ein weiterer Glanzpunkt in Sachen Brauchtum ist das "Göga daschlong" um 17.30 Uhr. Ein Bursch muss mit einem langen Stock und verbundenen Augen versuchen, einen umgedrehten Blumentopf zu treffen. Eine Mords-Gaudi, bei der anschließend weiter gefeiert wird.

 

Für die Musik zum Ausklang sorgen die "Gseea Wepsn".


Erst aus-, dann eingraben

Die Vorbereitungen für die nächste Kerwa startet dann am Donnerstag, wenn die "Kerwa" beim Gasthaus Sponsel wieder eingegraben wird - mit viel Wehmut und nicht weniger Bier.
Die Anfänge der Pfarrei Kirchehrenbach liegen ebenso im Dunkeln wie der Bau des ersten Gotteshauses. Jedenfalls existiert zu Beginn des 12. Jahrhunderts bereits eine Kirche, deren Bartholomäuspatrozinium aber kaum über das elfte Jahrhundert hinausreichen dürfte. Die örtliche Überlieferung berichtet von der Weihe eines Marienaltares am Tage des heiligen Barnabas (11. Juni) durch Bischof Otto von Bamberg, zu dessen Begleitern auf der ersten Missionsreise nach Pommern anno 1124 auch der Priester Werinher von Erenbach gehört. Etwa zur gleichen Zeit stiftete Friedrich II.

von Leutenbach für sich und seine Frau Mechthild einen Jahrtag in diesem Gotteshaus. Dass Kirchehrenbach seit dem Ende des 12. Jahrhunderts eine Pfarrei ist, geht aus einer um 1195 ausgefertigten Urkunde hervor. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts muss dann das Gotteshaus neu gebaut oder erweitert worden sein. Andreas Hofbauer