Walsdorf. — Papst Gregor I., "der Große" genannt, empfahl seinen Missionaren, mit den Heiden sensibel umzugehen. "Die Göttertempel braucht man nicht zu zerstören, nur die Götzenbilder darin. Man besprenge die Tempel mit Weihwasser, dann errichte man in ihnen christliche Altäre und lege Reliquien in diese. Denn sind die Tempel gut gebaut, dann empfiehlt es sich, sie anstatt für den Dämonenkult für den Dienst des wahren Gottes zu verwenden. Sieht nämlich das Volk, dass man seine heiligen Stätten nicht vernichtet, so wird es umso leichter den Irrtum aus ihren Herzen zu verbannen und in der Erkenntnis und Anbetung an den gewohnten Orten zusammen zu kommen. Und nachdem es viele Stiere als Opfer für die Dämonen schlachtet, mag man ihm auch darin entgegenkommen und nur die Form ändern. Am Kirchweihtage und am Feste von heiligen Märtyrern können sich die Leute um die Kirchen Zelte aus Baumzweigen herstellen und fromm vereint das Festmahl bereiten. Dabei dürfen sie die Tiere nicht dem Teufel opfern, sondern sollen sie zur Ehre Gottes verspeisen und dann dem Spender aller Gaben danken. Lässt man ihnen auf diese Weise einige äußere Freuden, dann werden sie sich umso leichter den inneren Stoß geben."
Zelte aus Baumzweigen gibt es in Walsdorf schon lange nicht mehr, aber die "äußeren Freuden" und ein "fromm vereintes Festmahl" am Kirchweihtag, das ist geblieben. Und einen heiligen Märtyrer hat man auch - den römischen Diakon St. Laurentius. Im "Ochsenstadl" werden zwar keine Ochsen geschlachtet, dafür gibt es aber bereits am Donnerstag ein Warm up für die Party nonstop von Freitag bis Montag; am Samstag Openair und live mit der Gruppe "Ampfire". Am Montagvormittag lädt der Stadl zum Weißwurstfrühstück ein. Das hat Tradition und inzwischen Kultstatus erreicht.
Das Gasthaus "Weißes Lamm" läutet den auf wunderbare Weise verwandelten "Dämonenkult" schon am Dienstag der Kerwa-Woche mit einer Schlachtschüssel ein. Außerdem stehen Rehragout, Rindfleisch mit Kren, Bocksbraten und vieles mehr auf der Agenda. Am Freitag um 18 Uhr stellt die Feuerwehr den Baum auf. Mit Musik geht das viel besser, und dafür sorgt die Aurachtaler Blasmusik. Am Montagabend lassen die "Wolpertinger" die Kerwa ausklingen.
Richtig gefeiert wird am Samstag auch beim Sportverein, mit großem Zelt, Barbetrieb und Kirchweihfeuer. Ab 19 Uhr tritt Patrick Cox auf. Die "Kellaasseln" lösen ihn um 22.30 Uhr ab.
Also - ordentlich was los in Walsdorf. Ganz im Sinn von Gregor dem Großen. Dieter Grams