Die Weihe der Trebgaster Johanneskirche jährt sich am 24. August zum 266. Mal. Bevor der Autor dieser Seite auf das aktuelle Kirchweihgeschehen an diesem Wochenende hinweist, möchte er an ein Kunstwerk erinnern, das heuer 500 Jahre alt wird. Es ist die aus einem Stück gehauene spätgotische Steinkanzel, die erstmals in der 1522 vollendeten Kirche aufgestellt wurde.
Als diese gotische Kirche 1740 niedergerissen und das Gotteshaus in seiner gegenwärtigen Gestalt aufgebaut wurde, war für dieses Juwel kein Platz mehr. Es wurde im Beinhaus, der heutigen Rochuskapelle, aufbewahrt. Im Frühjahr 1885 wurde die Steinkanzel dort wieder entdeckt, als der damalige Pfarrer Dorfmüller das Beinhaus von Schutt und Schmutz reinigen ließ. Der frühere Bauamtmann Bauer aus Bayreuth erkannte ihren Wert und ließ die Kanzel, deren Unterbau verloren war, in einem Anbau der Holzlege des Pfarrers wieder aufbauen. 1906 wies man ihr den ihr gebührenden ursprünglichen Platz in der Kirche zu, wo sie - allerdings nur bei Beerdigungen - als Predigtplatz diente. Bei der Kirchenrenovierung 1966 wurde die Kanzel wieder aus der Kirche entfernt und zwischenzeitlich in der Leichenhalle aufgebaut. Seit ihrer gründlichen Renovierung steht sie nun - mit einem neuen Unterbau versehen - wieder in der Rochuskapelle (Archiv).
Die Reliefs, Plastiken und Symbole der Kanzel legen ein einmaliges Zeugnis von der künstlerischen Qualität des heimischen Steinhauerhandwerks im Mittelalter ab. Die Initialen AW deuten darauf hin, dass sie von dem Kulmbacher Steinmetz Adam Wagner geschaffen worden sein könnte. Die Kanzelbrüstung und Treppenwange sind reich verziert und mit Figuren geschmückt, die teilweise auf Tierfratzen stehen: Sie bilden - neben zwei unbekannten Figuren - die Heiligen Sebastian, Leonhard, Wolfgang, Laurentius, Georg, und Christophorus ab (Pfarrer Helmut Münzer).
Gefeiert wird in der örtlichen Gastronomie bereits ab Donnerstag, wobei das Angebot keine lukullischen Wünsche offen lässt. Im Landgasthof Friedrich und im TSV-Sportheim ist man ab heute bis zum Montag für den leiblichen Kirchweih-Marathon gerüstet (Angebote und Bewirtungszeiten siehe auf der Seite unten). Die Dorfschänke bleibt aus gesundheitlichen Gründen geschlossen.
Das "Kirchenkonzert zur Kirchweih" hat sich am Samstagabend fest etabliert. Um 19 Uhr erwartet die Besucher in der Johanneskirche mit dem bekannten Blechbläser-Ensemble "Bavarian Brass" ein außergewöhnliches Musikerlebnis, das seine Anziehungskraft sicher nicht verfehlen wird.
Der Kirchweih-Sonntag gestaltet sich im Wesentlichen nach einem bestimmten Ritual, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit: Nach dem Festgottesdienst marschiert der Festzug mit den Abordnungen der Vereine in ihren Vereinstrachten und -uniformen mit den anderen Kirchenbesuchern hinunter ins Dorf, vorneweg die Aktiven des Musikvereins Stadtsteinach. Der Bürgermeister eröffnet mit einem Schluck aus dem Sprenger die Kerwa auf dem Marktplatz. Die Versorgung mit der "flüssigen Nahrung" übernehmen in bewährter Weise die Mitglieder der Soldatenkameradschaft und des TSV.
Die Trebgaster freuen sich auf viele Gäste, getreu ihrem Motto: "In Trebgast wird der Gast großgeschrieben."


Verkehrsregelung

Die Kulmbacher Straße wird von Sonntag, 7 Uhr, bis Montag, 2 Uhr, vom Marktplatz bis zur Sparkasse für den motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Lindau und Fohlenhof und umgekehrt.
Dieter Hübner