Vor 16 Jahren beging man - nach der Wiedererrichtung der Tanzlinde nach den Originalplänen - zum ersten Mal nach langer Pause wieder eine Lindenkirchweih. Dabei hielt man sich einerseits an die überlieferten Traditionen und Bräuche, andererseits brachte man auch neue Ideen bei der Entwicklung eines Kerwabrauchtums mit ein. Seit diesem Zeitpunkt besteht auch wieder eine Kerwajugend, die im vorgeschriebenen Outfit am ersten Tag der Kerwa das Zepter übernimmt und das Brauchtum der Peestner Kerwa aufrecht erhält und weiter entwickelt. 13 Bum und elf Madla haben sich in diesem Jahr zusammengefunden, um die Peestner Kerwa zu begehen.


Neuer Programmablauf

Im letzten Jahr gab es einige Anpassungen und Änderungen bei der Durchführung der Lindenkerwa in Peesten: Die Kerwa startete erstmals nicht mehr am Donnerstag, sondern erst am Freitag. Dafür entfiel die Kerwapause am Samstag. Aufgrund der großen Nachfrage hatte man sich dazu entschlossen, auch den Samstag zum Kerwatag zu machen. Sonntag und Montag fanden wie bisher statt. Eine weitere Änderung gab es bezüglich des Zeltes, das vorher direkt neben dem Dorfhaus aufgebaut worden war. Seit der letztjährigen Kerwa steht nun ein größeres Zelt auf der Festwiese in der Nähe des Dorfhauses. Im Dorfhaus selbst findet keine Bewirtung mehr statt.
Da die genannten Änderungen auf durchwegs positive Ressonanz gestoßen sind, heißt es auch heuer: Kerwastart am Freitag, Festbetrieb am Samstag, neues Zelt, keine Bewirtung im Dorfhaus.


Kerwajugend und Lindenkinder, Brauchtum

Los geht die Kerwa am Freitag, wenn zum ersten Mal die Rufe der Kerwabum und -madla ertönen: "Wer hot Kerwa? Mir hom Kerwa! Wer hot Krapfn? Mir hom Krapfn! Wer hot Durscht? Mir hom Durscht! Und wos für an Durscht? An Saudurscht!".
Ein Vertreter des Förderkreises Tanzlinde übergibt dann den Goldenen Schlüssel der Tanzlinde an die Kerwabum. Diese sind nun, bis zum Ende der Kerwa, dafür verantwortlich, auf den Schlüssel aufzupassen und als Repräsentanten der Kerwa aufzutreten. Nach der Übergabe zeigen sie erstmals ihre eigens einstudierten Kerwatänze auf der Peestner Tanzlinde, die für die Festtage wieder extra fein herausgeputzt worden ist. Ein weiteres Mal zeigen sie ihre Tanzkünste dann am Sonntagnachmittag auf und vor der Linde. Auch der Nachwuchs der Kerwajugend ist stets dabei und passt ganz genau auf, was die Großen so machen, denn in den nächsten Jahren kommen sie dann zum Zug. Noch aber sind sie die Lindenkinder, und die Kerwabürschla mit ihren Madla und haben ihre eigenen Tänze, die auch sie den Kerwabesuchern am Sonntag vorführen werden.
Eine schöne Tradition ist auch das Rumspielen der Kerwa am Montag, womit bereits am Morgen begonnen wird. Dabei ziehen die Bum und Madla von Haus zu Haus, spielen Musik, tanzen mit den Leuten und lassen jeden einen kräftigen Schluck aus dem Kerwasprenger nehmen. Es kommt manchmal vor, dass die Bum unaufmerksam sind und den Goldenen Schlüssel unbeaufsichtigt lassen. Genau dann ist die richtige Zeit für all diejenigen, die eine zünftige Brotzeit und Freibier erhalten wollen. Das nämlich müssen die Kerwabum berappen, sollte ihnen der Schlüssel abhandenkommen.


Filmaufnahmen von ARTE

Immer wieder werden in Fachzeitschriften Artikel über die Peestner Linde veröffentlich, auch wurden schon Dreharbeiten für Fernsehberichte durchgeführt. Zu einer besonderen Ehre kommt die alte Peestner Dame nun durch den Fernsehsender ARTE, der in diesem Jahr Filmaufnahmen machen wird. Sowohl die Auf- und Umbauarbeiten, als auch das Fest selbst werden zum Inhalt der Reportage. ARTE ist ein Kulturkanal, der seine Beiträge europaweit in verschiedenen Sprachen sendet.