Stublang. Es ist ein Kuriosum in Stublang: Es ist weder eine richtige Kirchweih, noch ist Sebastian ein Patron der Stublanger Filialkirche. Im Gegensatz dazu hat sich die Verehrung des heiligen Sebastian über Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag so lebendig erhalten, dass er heute bisweilen sogar als Kirchenpatron bezeichnet wird. In der alten Stublanger Kapelle wurde das Jahr über mehrere besonders feierliche Gottesdienste gefeiert: am Fest des heiligen Sebastian (20. Januar), am Fest des Heiligen Gumbertus (15. Juli) und am Kirchweihfest. Später kam noch der Gedenktag für den Heiligen Nikolaus dazu.
Für die Sebastianifeier gab es im 18. Jahrhundert besondere Regelungen. Die große Verehrung des heiligen Sebastian in Stublang hing sicherlich mit der Möglichkeit für die Gläubigen zusammen, an diesem Tag einen Ablass zu erhalten.
1782 gewährte die Bamberger Bistumsleitung der neuen Stublanger Kirche einen solchen Ablass, den es möglicherweise schon in der alten Kapelle gab. Nur für die Feier dieses Sebastianitages wurden jährlich zahlreiche Hostien und eigens weiße Kerzen gekauft. Auch wenn heute der mit diesem Festtag verbundene Ablass keine Rolle mehr spielt, begehen die Stublanger den Sebastianitag noch immer sehr feierlich mit einem Festgottesdienst.
Die Feierlichkeiten zu "Sebastiani" beginnen am Sonntag, 18. Januar, um 8.45 Uhr, mit einer Kirchenparade. Dazu treffen sich die Ortsvereine mit einer Fahnenabordnung am Gemeindehaus. Die Fahne der Krieger- und Soldatenkameradschaft von Stublang ziert eine Darstellung des heiligen Sebastian. Entlang der Döritz geht es dann zur Kirche, wo um 9 Uhr der Festgottesdienst beginnt. An diesem Ehrentag holt die Kirchenverwaltung ganz besondere Liedzettel heraus. "Dich zu loben, dich zu preisen, heiliger Sebastian, unsere Pflichten zu erweisen wallen wir auf dieser Bahn. Alle fallen dir zu Füßen, flehen deine Fürbitt'an, heiliger Sebastian", singen die Stublanger dann für den beliebten Heiligen. Fünf Strophen hat das Preislied, das in keinem Gotteslob zu finden ist.
Ebenso Tradition wie das Lied ist, dass eigens für diesen Ehrentag Professor Johannes Stöhr aus Köln in den Lautergrund kommt und Gottesdienst hält. Der Gast aus dem Rheinland war früher Dozent an der Universität Bamberg und pflegt seit über 40 Jahren eine freundschaftliche Beziehung zu Stublang.
Bereits am Samstag trifft die Geistlichkeit in Bad Staffelstein mit dem Zug ein. Bei Familie Neupert in Stublang bezieht er anschließend Quartier. Stublang ist bei Einheimischen sowie bei den Urlaubsgästen bekannt und geschätzt für seine Gastfreundschaft. Die beiden Gastwirtschaften werden sich sicherlich am Festtag nicht lumpen lassen und die Gäste aus nah und fern mit Leckereien verwöhnen.
Das einzige, historisch nachweisbare Datum, das als Zeugnis für den heiligen Sebastian herangezogen werden kann, ist sein Gedenktag im römischen Heiligenkalender. Seit 354 feiert die Kirche das Fest dieses Märtyrers. Der Legende nach soll er im südfranzösischen Narbonne geboren, aber im italienischen Mailand aufgewachsen sein. Seine Stellung als kaiserlicher Offizier erlaubte es ihm, seine christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen zu besuchen, zu trösten und zu ermutigen. Bei diesem Tun wurde er jedoch schließlich verhaftet und nun selbst zum Tode verurteilt. Wahrscheinlich starb er während der diokletianischen Verfolgung um 300. Die für den Heiligen typische Darstellung zeigt einen unbekleideten jungen Mann, von Pfeilen durchbohrt und an einem Baumstamm gebunden. Von den Soldaten, Gärtnern, Steinmetzen und den Sterbenden wird er als Schutzheiliger verehrt. Vor allem in Pestzeiten wurde er als Nothelfer angerufen. Gerd Klemenz