Mit seiner Einschätzung in der Montagsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" lag Horst Lichter diesmal daneben. Was für ihn wie eine gewöhnliche Deko-Dose aussah, entpuppte sich als historische Braut-Schachtel fürs Heimatmuseum. Der Verkäufer wollte das Familienerbstück dennoch endlich loswerden und ein Händler zahlte großzügig ...
"Sowas habe ich auch zuhause", war Lichter beim ersten Anblick der Schachtel überzeugt. Doch damit lag er leider daneben. Denn Sven Deutschmanek stellte klar, dass die unscheinbare Dose mit moderner Deko aus dem Kaufhaus nichts gemein hat. Tatsächlich handelte es sich um eine historische Schachtel von beachtlichem Alter.
Jahrzehntelang hing die alte Schachtel im Elternhaus von Ulli aus Rehburg-Loccum und seinem Bruder Christoph aus Hannover. "Wir haben sie immer für eine Hut-Schachtel gehalten", so Ulli. Erst bei einer Recherche erfuhren die Brüder: Es handelte sich um eine Braut-Schachtel. "Braut-Schachtel?", fragte Lichter erstaunt nach.
Besonders ins Herz geschlossen hatte Ulli den Wandschmuck nie. "Schon als Kind habe ich die Schachtel nicht gemocht, weil das Bild so primitiv ist", erzählte er. Deutschmanek nickte, denn die Gesichter waren durchaus schlicht dargestellt. Dabei verwies die abgebildete Frau und ihre Brautkrone aber auf die Funktion: Eine Braut-Hut-Schachtel.
"Bares für Rares"-Experte: "Das ist ein museales Stück fürs Heimatmuseum"
Solche Braut-Schachteln für Brautkrone und Schleier gab es seit dem 16. Jahrhundert vor allem in Süd- und Norddeutschland sowie in Österreich, erklärte Deutschmanek. Das Exemplar der beiden Brüder war laut Aufschrift auf das Jahr 1822 datiert. Als der Experte das Alter verriet, konnte Lichter seine Überraschung kaum verbergen und rief: "Oh!"
Die Bemalung mit Kreidefarben stammte vermutlich von einem Dorfmaler, der das Stück einst auf Bestellung anfertigte. Laut Deutschmanek befand sich die Spanholz-Schachtel in einem sehr guten Zustand. Selbst den geflickten Riss im Inneren fand der Experte nicht weiter schlimm, denn "das ist ein museales Stück fürs Heimatmuseum".
Ulli und Christoph hofften auf 250 bis 300 Euro. Deutschmanek schätzte ebenfalls 200 bis 300 Euro, obwohl solche Braut-Schachteln heutzutage längst nicht mehr so begehrt waren wie früher. Dennoch handelte es sich um eine "richtige Antiquität". Auch Lichter war zufrieden und griff mit einem "Na siehst du" zur Händlerkarte.
Im Händlerraum sorgte die historische Schachtel sofort für Interesse. Fabian Kahl und Christian Vechtel versuchten den in Schnörkelschrift verfassten Sinnspruch zu entziffern und lasen: "Lieb du mich allein oder lass es gar sein." Daniel Meyer war indes vom guten Erhaltungszustand beeindruckt und nannte die Schachtel "ein echtes Sammlerstück".
Hermes-Figur wird für 720 Euro verkauft
Während Meyer die Braut-Schachtel als "wunderschön gemalt" lobte, blieb Verkäufer Ulli eher nüchtern. Eine besondere Beziehung zu dem Erbstück hatte er nie, erzählte er auch den Händlern. "Ich freue mich am meisten darauf, wenn ich die alte Schachtel los bin", erklärte er. Als Kind habe er das Objekt sogar zweckentfremdet und darauf getrommelt.
Auch bei Kahl weckte die historische Schachtel Erinnerungen an seine Kindheit. Er bot 120 Euro. Vechtel legte mit 200 Euro nach und erklärte, dass solche Schachteln vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren beliebte Dekorationsobjekte gewesen seien. Zudem habe er bereits einen potenziellen Käufer im Kopf, verriet der Händler.
Danach erhöhte Markus Wildhagen auf 250 Euro und mahnte: "Das kannst du dir direkt aus dem Kopf schlagen". Sein Spruch zeigte Wirkung, denn Vechtel zog sich zurück. Dafür lieferten sich Wildhagen und Kahl einen Schlagabtausch. Als die 350-Euro-Marke erreicht war, sprach Kahl von einer "Hausnummer". Doch ans Aufgeben dachte er trotzdem nicht. Am Ende stieg Wildhagen aus und Kahl sicherte sich das Objekt für 360 Euro. "Ich finde die wirklich schön", freute sich der Händler über seine Spandose. Auch die beiden Verkäufer waren mit dem Ergebnis hochzufrieden. Sie verließen den Händlerraum mit mehr als ihrem Wunschpreis in der Tasche und die ungeliebte Schachtel waren sie ebenfalls los.
Als weiteres Objekt der Sendung wurde eine um 1900 entstandene Hermes-Figur von Bianca Berding auf 700 bis 900 Euro geschätzt. Offenbar wurde die Bronze- und Eisenstatuette nach antikem Vorbild von Barbedienne produziert. Gewünscht wurden zwar 1.500 Euro, doch am Ende wurde die Figur für 720 Euro an Markus Wildhagen verkauft. Deutschmanek datierte die alte Fotokamera Rolleicord IV von Franke & Heidecke aus Braunschweig zwischen 1953 und 1958. Der Wunschpreis lag bei 100 bis 150 Euro. Doch der Experte schätzte sogar auf 250 bis 350 Euro. Händler Christian Vechtel zahlte 320 Euro.
Eine Mappe mit Möbel-Detailzeichnungen "Moderne Möbel-Neuheiten" datierte Bianca Berding um 1890. Für die Schnittmuster vom Tischlermeister Lorenz wünschte sich der Verkäufer 150 bis 200 Euro. Berding schätzte 120 bis 150 Euro. Daniel Meyer zahlte 150 Euro.
Quelle: teleschau – der mediendienst