Zwischen 400.000 und 450.000 getötete Soldaten soll Russland seit Beginn des Ukraine-Krieges verzeichnen. Das ergab eine Studie des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) in Washington Anfang Juli. Dem gegenüber stünden zwischen 125.000 und 150.000 getötete ukrainische Streitkräfte. Wie die neue Doku "Putins Kanonenfutter - Wie Ausländer an die Front gelockt werden" der "Die Spur"-Reihe des ZDF jetzt zeigt, füllt Wladimir Putin die Lücken auf russischer Seite immer mehr mit Männern aus dem Ausland. Deren Einsatz an der Front endet meist schnell ...

In dem Film von ZDF-Reporter Arndt Ginzel begibt sich der Journalist zu einem geheimen Stützpunkt in der Ukraine. Er bekommt einen Front-Abschnitt gezeigt, an dem immer wieder ausländische Kämpfer auf der Seite Russlands getötet werden. Ein ukrainischer Soldat berichtet: "Sie hatten keine Ausrüstung, keine Schutzwesten, keine Helme, nichts. Nur Gewehre und einfache, zivile Kleidung. Sie hatten überhaupt null Ahnung."

Inder berichtet von Ausländern an der russischen Front: "Der halbe Körper ist weggeflogen"

Auch der ukrainische Militär-Geheimdienst meldet sich in der ZDF-Doku zu Wort. Im Jahr 2024 habe die Anwerbung Russlands von Kenianern begonnen, "2025 wurde das ganze systematisch", erzählt ein anonymer Mitarbeiter. Laut dem Geheimdienst Kenias sollen sich rund 1.000 Kenianer in der russischen Armee befinden. Diese hatte mit einer Sammel-WhatsApp-Nachricht für die Jobs als Soldaten geworben. Das Angebot: eine einmalige Bonuszahlung von umgerechnet 10.500 Euro und ein monatliches Gehalt von 1.840 Euro. Für viele Kenianer in dem von starker Armut geprägten Land Anreiz genug.

"Viele Männer dürften gewusst haben, wohin die Reise geht", sagt ZDF-Reporter Arndt Ginzel. Das sieht bei einigen ausländischen Soldaten in Russlands Armee offenbar gänzlich anders aus. Im Frühjahr 2024 ging ein Video viral, in dem sieben Inder erklären, unfreiwillig an die Front geschickt zu werden. Sie waren eigentlich nur als Touristen in Russland, wurden dann wegen vermeintlicher Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht verhaftet. Ihre Wahl: Vertrag mit der Armee oder Gefängnis.

Arndt Ginzel schafft es, mit einem der Inder an der Front Kontakt aufzunehmen. Dieser erzählt in der ZDF-Doku: "Mit uns waren auch welche aus Kamerun hier. Bevor wir gekommen sind, waren auch noch zwei andere Inder hier. Einer hat einen Treffer abbekommen, der halbe Körper ist weggeflogen. Und einer hat eine Fußverletzung."

Inzwischen konnte der Inder auf Druck der indischen Regierung Russland verlassen. Der ZDF-Reporter trifft ihn persönlich in seiner Heimat. Der Krieg hat tiefe Spuren hinterlassen. "Wenn ich alleine bin, kommen mir die alten Gedanken wieder in den Kopf. Nachts wache ich auf und weiß nicht, wo ich bin. Ich träume von Drohnenangriffen und dass eine Bombe fällt", verrät er. Über seine Erlebnisse an der Front darf er nicht berichten. Als Bedingung für seine Rückkehr musste er in Russland eine Schweigeerklärung unterzeichnen.

"Es zeigt sich ein deutliches Muster"

In Indien spricht Arndt Ginzel mit einem weiteren Mann, der seinen Aussagen nach für einen normalen Job in Russland angeworben wurde. Als sich herausstellte, dass eine Tätigkeit beim Militär gemeint sei, wollte er zurück. Doch die Abreise wurde ihm verweigert. Er berichtet von Misshandlungen und fügt an: "Es gab die Regel: Wenn jemand zu fliehen versucht, wird auf ihn geschossen." Das galt auch für russische Soldaten.

"Es zeigt sich ein deutliches Muster. Dubiose Visa und Job-Vermittler spielen offenbar eine zentrale Rolle. Dokumente und Aussagen von Überlebenden deuten darauf hin: Diese Männer reisten nicht als Soldaten nach Russland. Sie folgten einfach Versprechungen und gerieten dabei in die Militär-Maschinerie - unter Druck und oft ohne klare Aufklärung", fasst Arndt Ginzel seine Erkenntnisse zusammen. Und weiter: "Die Suche nach neuen Kämpfern reicht längst über Indien hinaus. Soldaten kommen aus Nepal, Sri Lanka, Kuba und aus Afrika." Auf ZDF-Anfrage antwortet die russische Regierung dazu nur knapp: "Zu den Rekrutierungen liegen keine Informationen vor."

Die komplette "Die Spur"-Doku "Putins Kanonenfutter - Wie Ausländer an die Front gelockt werden" wird am Mittwoch, 22. Juli, um 23.30 Uhr im ZDF ausgestrahlt und ist bereits jetzt in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst