Je unsicherer die Zeiten, desto größer das Bedürfnis nach Vertrautem, nach Geborgenheit und heiler Welt. Das haben Film- und Serienmacher natürlich längst erkannt, und so ist es wenig verwunderlich, dass Netflix sich an das Reboot einer der wohl beliebtesten US-Familienserien der 70er- und 80er-Jahre heranwagte: "Unsere kleine Farm" ist abrufbar ab Donnerstag, 9. Juli. Die Messlatte liegt hoch, denn das Original brachte es auf über 200 Episoden in neun Staffeln.

Michael Landon ("Bonanza") verkörperte damals nicht nur das Oberhaupt der Familie Ingalls, den fleißigen Farmer Charles, sondern fungierte bald auch als Showrunner, Produzent und Regisseur der sehr freien Adaption der autobiografischen Romane von Laura Ingalls Wilder. Die achtteilige erste Staffel des Reboots basiert auf Band drei, "Little House on the Prairie", in welchem Ingalls sich an die beschwerliche Reise der Familie mit dem Planwagen von Wisconsin nach Kansas um 1870 erinnert, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Historischer Hintergrund ist der sogenannte "Homestead Act", nach dem jeder ein Stück unbesiedeltes Land für sich beanspruchen und bewirtschaften durfte. Doch unbewohnt war das Land freilich nicht, es war "Indianerland", das Zuhause amerikanischer Ureinwohner, die in der Folge enteignet und vertrieben wurden. Das sei nicht fair, befand die kleine Laura (Melissa Gilbert) schon im Pilotfilm der Originalserie 1974.

Im Reboot nimmt dieses dunkle Kapitel der US-Geschichte mehr Platz ein. "Es kann nicht sein, dass Fremde einfach so in mein Haus marschieren", empört sich Neuankömmling Charles an einer Stelle. Das sähen die Eingeborenen genauso, erwidert sein Nachbar Mitchell (Meegwun Fairbrother), selbst zur Hälfte indigen. Laut Julie O'Keefe, die als Beraterin zu dem sensiblen Thema fungierte, habe man früh entschieden, beide Seiten zu erzählen: die Hoffnungen der Siedler auf neue Möglichkeiten und die desaströsen Folgen der Westexpansion für die Indigenen.

Die Familie ist das Kernthema

Kern von "Unsere kleine Farm" aber sind, damals wie heute, die Ingalls. Für Showrunnerin Rebecca Sonnenshine ist die Serie nichts weniger als "eine Liebesgeschichte über eine Familie". Anders als früher ist sie im Reboot zu Beginn noch vierköpfig - Vater Charles (Luke Bracey), Mutter Caroline (Crosby Fitzgerald) und die Töchter Mary (Skywalker Hughes) und Laura (Alice Halsey). In der Originalserie war die kleine Carrie bereits auf der Welt, später folgte noch Schwester Grace.

"Unsere kleine Farm" erzählt vom Aufwachsen der Geschwister und dem Zurechtfinden der Familie in der neuen Welt. Von Liebe und Freundschaften. Von Glück und Leid, vom (Über)leben in der damaligen Zeit als Farmer, von Gefahren durch wilde Tiere, Unwetter und Feuer. Das geriet damals oft reichlich pathetisch, selbst für amerikanische Verhältnisse. Und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen treffen die Geschichten bis heute einen Nerv. Und dass die Emotionen auch in der modernen Neuauflage nicht zu kurz kommen, das versprachen schon die ersten Ausschnitte.

Wer sich allerdings auf ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren von einst, Lauras Erzfeindin Nellie Oleson etwa, freut, muss sich bis zur bereits bestätigten zweiten Staffel gedulden. Erst dann geht es für die Familie Ingalls weiter nach Minnesota und zum bekannten Städtchen Walnut Grove.

Quelle: teleschau – der mediendienst