Acht Jahre ist es her, dass Mark Forster zuletzt in Grootbos war. Damals saß er als Gastgeber auf der "Sing meinen Song"-Couch. Trotzdem war er ein bisschen nervös, als sich in der vierten Tauschkonzert-Folge alles um ihn drehte. "Seit ein paar Jahren bin ich ein bisschen näher am Wasser gebaut. Da habe ich ein bisschen Sorge. Ich bin nämlich ein ugly cryer", gab er zu. "Und ich hoffe ich mache nicht zu viele Witze in ernsten Situationen ..."
Wie immer wurde zwischen den Songs ein bisschen geplaudert. Forster sprach über seine polnischen Wurzeln, die dazu geführt hätten, dass er schon früh seinen Horizont erweitert habe, über sein Stadionkonzert in Kaiserslautern, das "ein Wahnsinns-Moment" war, und er verriet, dass es ihm mit seiner Musik nicht darum ginge, jedem zu gefallen, sondern dass er heute vor allem seinem Gefühl folge. Aber viel gab Forster, der sein Privatleben bekanntlich gerne unter Verschluss hält, nicht preis. Und so stahl ihm Deine Cousine glatt die Show.
Die Punk-Rockerin schrieb den Song "Wenn du mich vergisst" auf ihre eigene Familiengeschichte um. "Meine Mama hat eine schwere Krankheit und ist seit vielen Jahren ein Pflegefall. Mein Papa pflegt sie zu Hause", erzählte sie unter Tränen. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag sei sie erkrankt. "Unser Familienleben war ab dem Zeitpunkt schlagartig anders. Das Härteste für mich ist, dass das alles passiert ist in der Zeit, wo ich gerade gesagt habe: 'Jetzt kommt mein Leben'."
"Die Eindringlichkeit ihrer Performance war crazy!"
Sie sei gerade nach Hamburg gezogen, um sich ihrem Traum von der Musikkarriere zu widmen. "Ich habe viele Jahre, die ich noch hätte mit ihr haben können, mit meiner Karriere verbracht." Durch ihre Krankheit und die Medikamente leide Ihre Mutter an Halluzinationen und Alzheimer. "Ich nehme seit 18 Jahren Abschied von meiner Mama. Und man nicht weiß, wann der Tag ist, wo es wirklich kein Zurück gibt", sagte sie. "Ich hab schon seit vielen Jahren darüber nachgedacht, da ein Lied drüber zu schreiben, aber ich habe nie die richtigen Worte dafür gefunden."
Forsters Song umzuschreiben, habe sie "krass gequält, aber am Ende war es auch ein befreiendes Gefühl." Als Deine Cousine nach diesen bewegenden Ausführungen die Bühne betrat, kamen nicht nur Johannes Oerding, dem Grafen und Alina Süggeler die Tränen - auch der Himmel fing plötzlich an zu weinen, und Deine Cousine sang im Regen. "Das sah aus wie ein Film", fand Tream anschließend, während Mark Forster meinte: "Die Eindringlichkeit ihrer Performance war crazy!"
Der erste Song des Abends war "Übermorgen". Wer den wohl singen könnte, wollte Oerding wissen. "Ich hab' so ein Giovanni-Gefühl, weil ich glaube, dass du dich in den Lyrics wiederfinden könntest", mutmaßte Forster. "Hast du etwa wieder aus Versehen laut gesungen?", lachte Oerding. Aber nein, Forster hatte einfach gut geraten. Mit seiner Neuinterpretation im Stil des italienischen Musikers Jovanotti brachte Zarrella alle zum Tanzen.
"Sing meinen Song": Tream singt für seine große Liebe
Bewegend wurde es zuvor schon beim Auftritt von Alina Süggeler von Frida Gold. Sie hatte sich den Song "Unser Haus" ausgesucht, "weil er eine aktuelle Lebenssituation von mir beschreibt". Ihre Kindheit sei nicht leicht gewesen, in ihrem Zuhause wurde viel gestritten. "Aber wir sind jetzt über Umwege in so eine Erbschaftsfolge reingeraten und haben dieses Haus final für uns zurückerobern können. Meine Geschwister und ich leben jetzt darin und bauen es Stein für Stein wieder auf."
Sichtlich gerührt schloss Mark Forster bei ihrem Auftritt die Augen, der Graf war den Tränen nahe, und Süggeler selbst hatte hörbar einen dicken Kloß im Hals. "Das gehört jetzt euch das Lied, dir und deinen Geschwistern. Ich möchte euch das gerne schenken", sagte Forster danach. "Ich find das richtig toll, was du machst. Schon die ganzen Wochen."
Auch Schlager-Rapper Tream schien sich komplett öffnen zu wollen: Er gab "194 Länder" zum Besten - einen Song, in dem es darum geht, ständig unterwegs zu sein, aber eigentlich den Partner zu vermissen. "Ich habe ja gesagt ich will da nicht so drauf eingehen, auf die Liebe meines Lebens. Aber musikalisch ist die Kunst frei, oder?", sagt er, bevor er auf die Bühne ging. Doch schon bei den ersten Zeilen wurde klar: In seiner Version des Songs ging es um Weißbier! Schallendes Gelächter auf der Couch. "Wir haben sehr viel geweint die letzten Wochen. Jetzt dürfen wir mal lachen!", fand Tream.
Mark Forster: Dieser Kollege ist seine "absolute Entdeckung"
Natürlich durfte auch Mark Forster selbst ans Mikro: Er stellte ein neues Lied mit dem pragmatischen Titel "Ein Lied" vor und hob damit nicht nur die Stimmung an, sondern vertrieb auch die Regenwolken. Gastgeber Johannes Oerding derweil sang "Bist Du okay" und verwandelte das Stück in eine reduzierte Klavierballade mit Happy End. Und der Graf von Unheilig begeisterte Mark Forster mit seiner Interpretation von "Daheim".
"Der Graf ist für mich bisher die absolute Entdeckung", gestand Forster "Als Mensch und als Künstler. Das ist ein Wahnsinns-Typ." Die Protea für den Song des Abends allerdings konnte nur an eine gehen: Deine Cousine. "Ich werde mit einer Mischung aus beseelt und traurig ins Bett gehen", sagte sie. "Und das ist schön."
Quelle: teleschau – der mediendienst