2009 gründeten Prinz William und Prinz Harry eine Wohltätigkeitsstiftung. In einem Video befragt Catherine Middleton, damals Freundin von William, die beiden Brüder zu der Stiftung. Und zu ihrem Verhältnis. Catherine fragt: "Ihr habt eine unglaublich enge Beziehung?" Und William antwortet ausführlich. Erst lächelt er und scherzt: "Ja, meistens jedenfalls." Dann sagt er voller Ernst und Aufrichtigkeit: "Die Umstände haben uns zusammengeschweißt. Wir sind durch das, was wir gemeinsam durchgemacht haben, verbunden."

Die Szene ist auch nochmals in der neuen ARD-Dokumentation "William - Schicksalsjahre eines Thronfolgers" zu sehen. Sie geht dramaturgisch beinahe unter. Dabei ist sie solch ein wichtiger Baustein. Vor allem für die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden Brüdern, dem Kronprinzen William (43) und dem in Ungnade gefallenen Prinzen Harry (41). Denn früher passte kein Blatt Papier zwischen die beiden - jetzt trennen sie Gräben. Viele Royal-Fans und auch die Doku-Macher Claire Walding und Andreas Fauser fragen sich: Kann es überhaupt eine Versöhnung zwischen den beiden geben?

William wurde "Prinz Charming", Harry zu "Prinz Party"

Klar: William ist der Thronfolger. Nach dem Tod von Königin Elizabeth II. im Jahr 2022 und der Inthronisierung von König Charles (77) wurde manifestiert, was alle seit der Geburt von William wussten: Er würde einst König werden. Und ebenso klar schien die Rolle von Harry: Er war als ewige Nummer zwei hinter William geboren.

In der Kindheit, dank des Dramas um die Ehe zwischen Charles und Diana und dann Dianas tragischem Tod 1997 nicht unbedingt ruhig und behütet zu nennen, waren die Brüder ein Team. Mit der Liebe kam der erste Keil. William verliebte sich in Catherine "Kate" Middleton, studierte und turtelte und verlor den direkten Kontakt zu Harry. Der pubertierte, feierte wilde Partys inklusive des in England verbotenen, aber weit verbreiteten "Underage Drinking".

Als sich Harry die Hörner abgestoßen hatte, wurde ihm mit größerem Alter immer deutlicher bewusst: "Ich bin das fünfte Rad am Wagen." William war mittlerweile glücklich verheirateter Vater und alle Welt schwärmte von "Prinz Charming". Aber Harry fragte sich: "Was ist eigentlich mein Weg, mein Ziel?"

Meghan Markle brachte Prinz Harry neue Orientierung - und Frust für Prinz William

Da lernte Harry im Frühling 2016 die US-Schauspielerin Meghan Markle kennen. Als sie ihre Beziehung öffentlich machten, feierten die englischen Medien: "Ein Paar wie aus einer anderen Galaxie!" Einer feierte nicht: William. Im Gegenteil. Der hatte Bedenken, dass sich die US-Schauspielerin in den royalen Alltag mit seinen festen Traditionen und Vorschriften integrieren könnte. Und er äußerte diese Zweifel auch - bei Harry.

"Warte doch mal ab mit diesem Mädchen", soll William Harry geraten haben - und enttäuschte seinen kleinen Bruder bitter. Statt der freudigen Anteilnahme bekam er vom großen Bruder Mahnungen - wie so oft. Aber Harry war nicht mehr bereit, artig nach der Pfeife des älteren Bruders zu tanzen. Er entschied sich für Meghan. "Wir werden immer ein Team sein", sagte er in einem TV-Interview.

Für Prinz William bedeutete das im Umkehrschluss: Harry war raus aus dem Prinzen-Team.

Der Streit der Prinzen eskaliert: "Die Brüder sind im Krieg"

Das Brüderverhältnis entwickelte sich von schlecht zu katastrophal. Harry und Meghan verlobten sich, heirateten 2018. 2019 verließen sie England, 2020 stiegen sie als "working Royals" aus. Sie wollten mehr Freiheiten. Das Königshaus, da noch vertreten von der Queen, Prinz Charles und Prinz William, war gegen eine "Halb-drin-halb-draußen"-Zwitterlösung. Es kam zum räumlichen Bruch. Dann zum persönlichen.

In mittlerweile berüchtigten Events (Oprah-Winfrey-Interview, Netflix-Serie, Autobiografie) schossen Harry und Meghan aus vollen Rohren gegen das Königshaus und die eigene Familie. Unterstellten Rassismus, Sexismus. In seinem Buch behauptete Harry gar, sein Bruder hätte bei einem Streit die Kontrolle über sich verloren und ihn, den Jüngeren, wütend zu Boden geboxt. Daily Mirror titelte: "Jetzt ist alles vorbei!"

Auch wenn William meist grimmig dem royalen Motto "Nichts erklären, niemals klagen" folgte, so fühlte er sich doch von Harry verraten. Der ehemalige "The Sun"-Reporter Duncan Larcombe sagt in der ARD-Doku: "William machte kein Geheimnis daraus, dass er für Harry und Meghan nur Wut und Verachtung übrig hatte." Er befand sich aber auch im Dilemma. Larcombe: "Er konnte nicht einfach anrufen oder schreiben - weil er befürchtete, dass Harry alles an die Öffentlichkeit bringen würde." William traute Harry nicht und fürchtete neuerliche Indiskretionen. Larcombe: "Die Brüder sind im Krieg."

William und Harry: "Wo Liebe ist, ist auch Hass möglich"

Historikerin Tessa Dunlop erklärt in der Doku: "Wo Liebe ist, ist auch Hass möglich." Aber ob es eine neuerliche Wendung zum Besseren, zu einem liebevollen brüderlichen Verhältnis geben kann?

Königshaus-Expertin Leontine von Schmettow sagt: "Der Graben zwischen den beiden Brüdern ist noch viel tiefer als der zwischen Vater Charles und Sohn Harry." Weder die Beisetzung von Großvater Prinz Philip noch die von Queen Elizabeth oder die Krebsdiagnose von Vater Charles konnte die verfeindeten Brüder zum Treffen, zu einer Aussprache bewegen. Von Schmettow: "Es wird sehr viel länger dauern, wenn überhaupt, bis sich die beiden wieder versöhnen."

Die dreiteilige Doku ist in der ARD Mediathek zu sehen und läuft als 60-minütige Doku am Montag, 1. Juni, 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: teleschau – der mediendienst