Möglicherweise war das Krankenhauspersonal, das Jacqueline Stallone am 6. Juli 1946 bei der Geburt ihres ersten Sohnes betreute, nicht qualifiziert genug. Der Einsatz der Geburtszange erwies sich jedenfalls als folgenschwer. Der kleine Sylvester litt fortan unter einer einseitigen Gesichtslähmung, die ihm nicht nur die Hänseleien seiner Spielkameraden, sondern auch die Ablehnung der Eltern einbrachte. "Ich weiß, was es heißt, ein ungeliebtes Kind zu sein", resümierte der Action-Star Jahre später, als er mit Triefauge und Hängemund bereits mehrere Millionen Dollar verdiente. Insofern wusste er, was er tat, als er 1987 als Hauptdarsteller und Co-Autor einen Vater-Sohn-Konflikt zum Gegenstand des Kinofilms "Over the Top" (Mittwoch, 8. Juli, 20.15 Uhr, Kabel Eins) machte.
Stallone spielt Lincoln Hawk, der auf der Straße zu Hause ist. Als rastloser Streuner hat er seine Lebensphilosophie zum Beruf, das LKW-Fahren zu seinem Hobby erklärt. Zehn Jahre hat er seine Frau Christina (Susan Blakely) und den gemeinsamen Sohn Michael (David Mendenhall) nicht gesehen. Nun, da die Mutter seines Sprosses im Sterben liegt, besinnt sich Lincoln auf seine Verantwortung. Doch Michael, der von seinem Daddy auf eine Spritztour mit einem zerbeulten Brummi eingeladen wird, nimmt seinem Vater so manches übel, hält ihn für einen Versager und Drückeberger.
Erfolg an den Kinokassen
Mit Letzterem hat der zwölfjährige Junge gar nicht so Unrecht, zumal sich Lincoln als armdrückendes Bizeps-Talent ein paar Dollar dazu verdient. Während ihres gemeinsamen Kurztrips kommen sich Vater und Sohn trotz aller Vorurteile allmählich näher. Doch die Harmonie währt nicht lange. Der steinreiche Opa (Robert Loggia) des kleinen Michael versucht, dem missratenen Schwiegersohn das liebgewonnene Kind zu entreißen.
Obwohl Kritiker bemängelten, dass der "Vater-Sohn-Konflikt der Kraftmeierei untergeordnet und die Leistungsgesellschaft idealisiert" sei, ließ "Over the Top" die Kinokassen klingeln. Die Stallone-Fans zeigten sich begeistert von der rührenden Geschichte, bei der sich Regisseur Menahem Golan der medienwirksamen Botschaft des ersten Rocky-Films erinnerte und die gute alte Mär vom benachteiligten Underdog, der sich an die Spitze boxt, ein wenig abgewandelt erzählte.
Quelle: teleschau – der mediendienst