Diese Nachricht mussten Fans der Netflix-Adaption von "Avatar - Der Herr der Elemente" erst einmal verdauen: Der Streaming Anbieter setzte den Rotstift an und strich eine ganze Folge aus der zweiten Staffel. Die Fortsetzung der Realverfilmung der beliebten Nickeloden-Zeichentrickserie geht am 25. Juni nur noch mit sieben statt der geplanten acht Episoden an den Start. Doch die Sparmaßnahme entpuppt sich als kreativer Vorteil. Die Geschichte wird kompakter erzählt, verliert dadurch aber nichts von ihrer emotionalen Wucht - im Gegenteil.
Die Zeiten bleiben unruhig: Avatar Aang (Gordon Cormier) und seine Freunde Katara (Kiawentiio) und Sokka (Ian Ousley) müssen nach den aufregenden Ereignissen der ersten Staffel weiterhin versuchen, die aus den Fugen geratene Welt zu retten. Ihre Reise führt die kindlichen Weltretter in der zweiten Staffel tief ins Erdkönigreich, in die geheimnisvolle Metropole Ba Sing Se. Dort hofft Luftbändiger Aang auf Unterstützung im Kampf gegen die Feuernation, lernt aber vor allem, wie schmutzig Politik sein kann.
Straffer erzählt
Ohnehin ist die Mission nicht einfacher geworden. Die Feuernation wird durch die Ankunft eines Kometen stärker. Feuerlord Ozai (Daniel Dae Kim) hofft, die anderen Königreiche nun endgültig erobern zu können. Helfen soll ihm dabei auch seine unbarmherzige Tochter Azula (Elizabeth Yu): Die gefährlichste Gegenspielerin Aangs rückt immer stärker in den Mittelpunkt.
Die Aussichten sind also düster, doch immerhin bekommen Aang und seine Freunde Unterstützung. Staffel zwei erweitert den Figurenkosmos um einen der beliebtesten Charaktere der Serie: Toph Beifong (Miya Cech), die blinde Meisterin des Erdbändigens, bringt Aang nicht nur ihre Kunst bei, sondern zofft sich mit ihm genauso herrlich wie im Original.
Überhaupt ist zu beobachten, dass die Macher trotz des strafferen Erzähltempos beliebte Elemente des Zeichentrickoriginals bewahrt haben. So wurden viele Szenen der Kultfolge "Geschichten von Ba Sing Se", in denen ruhige Alltagsmomente der Helden gezeigt wurden, auf mehrere Episoden verteilt. Die Figuren haben durch diesen Kniff mehr Raum, ohne dass der Fluss der Haupthandlung ausgebremst wird. Und trotzdem bleibt Zeit für berührende Momente, etwa die starke Szene, in der General Iroh (Paul Sun-Hyung Lee) seines verstorbenen Sohnes gedenkt.
Auch die komplexen inneren Konflikte Zukos (Dallas Liu) werden ausführlich beleuchtet. Das ist entscheidend, um die Zerrissenheit des vom eigenen Vater verbannten Feuerprinzen zu verstehen. Gerade hier beweist "Avatar", dass spektakuläre Action und differenziertes Charakterdrama kein Widerspruch sein müssen.
Aufwachsen in Zeiten des Krieges
Bei allem Fantasy-Spektakel vergessen die Serienmacher nie, was das Original so besonders machte: die Fähigkeit, das Gute in der Welt mit kindlicher Neugier zu entdecken, ohne die Augen vor ihrer Grausamkeit zu verschließen. Wie schon die Zeichentrickserie beschäftigt sich auch die Realverfilmung mit Verlust, Tod und Trauer.
Der allgegenwärtige Krieg und das imperialistische Großmachtstreben der Feuernation verleihen der Geschichte dabei eine beklemmende Aktualität. Obwohl der humorvollen Art der Originalserie in der zweiten Netflix-Staffel besser Rechnung getragen wird, müssen weiterhin schwierige moralische Fragen beantwortet werden. Welche Opfer sind gerechtfertigt? Wie weit darf man gehen, um einen Krieg zu beenden?
Dass die Figuren darauf keine einfachen Antworten finden, Fehler machen und ihre Überzeugungen hinterfragen, macht "Avatar" bemerkenswert menschlich - und gerade deshalb so hoffnungsvoll. Die Serie erzählt viel Wahres über das Aufwachsen, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen.
Die dritte und abschließende Staffel wurde bereits abgedreht und soll Anfang 2027 erscheinen. Zum Glück fällt das Warten diesmal bedeutend kürzer aus.
Quelle: teleschau – der mediendienst