"Die internationale Krisenlage ist so dramatisch, dass man eigentlich gar nicht weiß, wo man zuerst hingucken soll", sagt Journalistin Kristina Dunz. Das bestätigt auch die mehrteilige ZDF-Doku "Die Diplomaten - Inside Auswärtiges Amt". Es geht in die USA, in die Ukraine, nach Syrien, auch die deutschen Botschaften in Fidschi und Sri Lanka sind den Machern einen Blick wert. Und doch sticht in der Doku-Reihe die Rolle eines Mannes heraus: Steffen Seibert.

"Botschafter in Israel zu sein, ist sicher einer der schwierigsten Botschafter-Jobs, die Deutschland zu vergeben hat", weiß ZDF-Korrespondent Andreas Kynast. Auch Paul Ronzheimer weist auf die enorme Herausforderung hin, der sich der frühere Regierungssprecher seit 2022 stellen muss: "Es ist wahrscheinlich die schwierigste Situation für Diplomaten, eine Position einzunehmen, einfach aufgrund unserer Geschichte", glaubt der "Bild"-Journalist.

"Manches muss man sehen, weil es einen dann noch mal anders anpackt, als wenn man es einfach in seinen Akten liest", erklärt Seibert selbst im Film. Gemeinsam mit dem ZDF-Kamerateam und der stellvertretenden Leiterin des Vertretungsbüros Ramallah, Ulrike Borrmann, besucht er Silwan, einen vorwiegend von Palästinensern bewohnten Stadtteil Ostjerusalems.

"Wir werden ihnen sagen, was wir gesehen haben"

Dort werden die Auswirkungen von Israels vielfach kritisierter Siedlungspolitik überdeutlich. Während Seibert und Borrmann sich ein Bild von der Lage vor Ort machen, treten drei israelische Gerichtsvollzieher ins Bild. "Die Strafverfolgungs- und Vollstreckungsbehörde hat gerade Räumungsbefehle verteilt", erklärt die israelische Menschenrechtsaktivistin Amy Cohen, die die deutschen Diplomaten begleitet. "Mehr als 150 Menschen haben diese Räumungsbefehle jetzt erhalten. Das bedeutet, dass sie 20 Tage Zeit haben, um ihre Häuser zu räumen."

Wenig später bekommt die Gruppe erneut "Besuch", wie Borrmann feststellt. "Wir waren im Gespräch, als eine jüdische Familie in die Straße gekommen ist, um in ein Haus einzuziehen, aus dem vorher Palästinenser geräumt worden sind", erklärt sie. Es sei "schmerzhaft", wie viel "Ohnmacht" und "Hilflosigkeit" sie in derartigen Momenten verspüre, offenbart die Diplomatin.

Auch die Worte des Sprechers und Vorstehers der Nachbarschaft, Zuhair Rajabi, rühren die deutschen Gäste sichtlich. "Ich werde bis zum Ende kämpfen, für meine Kinder, für meine Enkel", sagt der unter Tränen. "Das gibt einem manchmal das Gefühl, völlig nutzlos sein", schüttelt Steffen Seibert den Kopf und umarmt Rajabi. "Diese Menschen nehmen sich Zeit, teilen ihre Hoffnungen, ihre Emotionen." Er verspricht: "Wir werden mit Berlin sprechen. Wir werden es unserem Minister und unseren israelischen Partnern vorlegen. Wir werden ihnen sagen, was wir gesehen haben, wie falsch es ist, wie unnötig es ist."

"Es ist so schwer, damit zu leben"

"Ob das hilft?", fragt sich Seibert. "Ich weiß es nicht. Aber um ganz ehrlich zu sein: Bislang hat es nicht viel genützt." Auch für Borrmann ist die Situation schwer erträglich. "Wir machen denen Hoffnungen, wenn wir hierherkommen, und wir können am Ende nichts machen. Das wissen wir doch", raunt sie Seibert zu. Der nickt - und gesteht: "Es ist so schwer, damit zu leben."

Erst vor wenigen Tagen hatte der 65-Jährige mit seiner wiederholten Kritik an der Gewalt durch Siedler den Ärger des israelischen Außenministers auf sich gezogen. "Botschafter Seibert fällt es sehr schwer, Angriffe auf Israelis zu verurteilen, ohne dabei die Palästinenser zu erwähnen", hatte Gideon Sa'ar dem obersten deutschen Vertreter in Israel auf X vorgeworfen. Es sei "gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter sein Amt antreten wird - einer, der die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland stärken" werde.

Zu sehen gibt es "Die Diplomaten - Inside Auswärtiges Amt" im Streamingportal des ZDF.

Quelle: teleschau – der mediendienst