In der an schrägen Typen nicht gerade armen Sitcom "The Big Bang Theory" war er ein besonderes Exemplar eines Nerds: Stuart Bloom, genannt "Stu" (gespielt von Kevin Sussman). Der Kumpel von Sheldon, Leonard, Howard und Rajesh war nicht so annähernd so brillant, mit den geistigen Überfliegern hatte der Comicladenbesitzer dennoch einiges gemein. Etwa seine Einsamkeit, denn beim anderen Geschlecht konnte der Sonderling noch weniger landen als die Einsteins, Hawkings und Armstrongs in der Clique.
Einen Stein im Brett hatte Stu dafür bei den Zuschauern. Weshalb die Macher des am 24. Juli bei HBO Max startenden Ablegers "Stuart Fails to Save the Universe", "Big Bang"-Schöpfer Chuck Lorre und Bill Prady, dann auch den logischen Schritt gemacht und ihm eine eigene Serie gewidmet haben. Stu im Mittelpunkt eines "Universums", das er dazu noch "retten" muss, das hätte der bescheiden-hemdsärmelige Hänfling in "Big Bang" nicht einmal zu träumen gewagt.
Nicht nur der Titel, auch das Genre, in der die Erzählung eingebettet ist, zeigt, wie schräg Stus neues Abenteuer zu werden verspricht. "Stuart Fails to Save the Universe" firmiert nicht allein als Komödie, die Serie bedient sich auch ausgiebig Science-Fiction- und Zeitreise- und Fantasy-Elementen. Auch das ist ein Spektakel: Stu in einer Sci-Fi-Geschichte, das hätte den "Star Wars"-Fan in "The Big Bang Theory" von seinen bunten Kuschelsocken gehauen.
Stuart bringt das Universum durcheinander
Ob sich Stu allerdings zu vergleichbarem Heldendasein aufschwingen wird wie Luke Skywalker, Han Solo und andere Weltenretter aus der "Krieg der Sterne"-Oper, dürfte allerdings fraglich sein. Auch hier scheint der Titel schon manches zu erzählen: Stus Licht bleibt unter dem Scheffel. Bei der Rettung des Universums "versagt" er offenbar - wenn man auch einen Nerd wie ihn nicht unterschätzen sollte. Sicher aber ist: Er scheitert nicht darin, in eben diesem Universum für reichlich Chaos zu sorgen.
Denn Stu. geistig und motorisch schon immer etwas träge, passiert in "Stuart Fails to Save the Universe" ein Missgeschick: Blöderweise hat er ein von seinen Genie-Kumpels Sheldon und Leonard entwickeltes High-Tech-Gerät demoliert. Die Folgen wiegen etwas schwerer als, sagen wir bei einer defekten Kaffeemaschine. Durch den Fauxpas gerät das Zeit- und Raumkontinuum durcheinander, und bald stehen Stu und alle anderen Lebewesen im Universum jeweils vor ihrer zweiten Version.
Dieser Doppler-Effekt, pardon dieser Verdopplungseffekt, vervielfacht auch den wohl größten Reiz von "Stuart Fails to Save the Universe". Die Sitcom bietet nicht nur ein Wiedersehen mit einigen schrägen Typen, die in "Big Bang Theory" neben Sheldon, Leonard, Penny und Co. zu kurz gekommen waren, sondern liefert Kripke (John Ross Bowie). Kibbler (Brian Posehn), Denise (Lauren Lapkus) oder Wil Wheaton (Wil Wheaton) gleich im Doppelpack. Was wollen Fans schräger Comedy-Kost mehr!
Das führt zu eine logischen Frage: Werden die Hauptcharaktere von "Big Bang" in "Stuart Fails to Save the Universe" möglicherweise als Nebenfiguren auftauchen? Und mit ihnen folglich ihre Darsteller: Jim Parsons, Kaley Cuoco, Simon Helberg und gar Johnny Galecki, der sich von der Schauspielerei eigentlich zurückgezogen hat? Wir leben in der Zeit eines sakrosankten, überaus gefährlichen Tabus: des Spoilers. Die Macher werden sich hüten, dahingehend auch nur im Ansatz etwas zu verraten. Rechnen damit sollte man aber immer.
Quelle: teleschau – der mediendienst