Am Ende hätten sowohl Alexander Dobrindt als auch Sandra Maischberger zufriedener sein können. Der CSU-Politiker, weil er von der Talkmasterin ganz schön in die Ecke gedrängt wurde, die Moderatorin, weil sie zu ihren Fragen wenige Informationen erhielt. Die Zuschauer jedenfalls erlebten am Mittwochabend in der ARD ein eifriges Wortgefecht.

Maischberger beginnt den Talk mit Dobrindt mit der Asylpolitik. Ob er wegen des Krieges im Iran eine Flüchtlingswelle in Europa erwarte wie 2015, fragt sie den Innenminister. "Momentan beobachten wir noch kein Entstehen einer Migrationsbewegung aus dem Iran hinaus", antwortet Dobrindt.

Wieso er dann die Kontrollen an den deutschen Grenzen noch einmal bis September verlängert habe, möchte Maischberger wissen. "Wir haben diese Grenzkontrollen auch deswegen verlängert, weil sie ein eindeutiges Signal sind, dass die Migrationspolitik in Deutschland sich verändert hat", sagt Dobrindt. Das Signal sei in der ganzen Welt verstanden worden. Und immerhin gebe es weiterhin Zurückweisungen an den Grenzen.

"Mit Verlaub, Herr Innenminister: Sie weichen aus"

Schwammiger wird es, als Maischberger auf eine Abstimmung im Europaparlament zu sprechen kommt. Dabei geht es um die Verschärfung des Asylrechts und die Unterbringung von abgelehnten Asylbewerbern in Drittländern. Die sollen dort in Camps leben. Auch Frauen und Kinder. Vor der Abstimmung hatte die konservative EVP, zu der auch die Unionsparteien gehörten, angeblich mit der AfD verhandelt, namentlich der Stellvertreter von EVP-Chef Manfred Weber von der CSU.

Was Dobrindt denn davon halte, fragt Maischberger. Dobrindt drückt sich zunächst, weist darauf hin, dass für eine Mehrheit im EU-Parlament die AfD nicht nötig gewesen sei. Und überhaupt: Er wisse von nichts, sagt Dobrindt. Wie es denn mit der Brandmauer in Europa stehe, will Maischberger wissen. Die Brandmauer stehe, in Deutschland, antwortet Dobrindt. Dazu braucht er eine ziemlich lange Zeit und sehr viele Sätze.

"Mit Verlaub, Herr Innenminister: Sie weichen aus", konstatiert Sandra Maischberger. Die hatte schon während der nicht enden wollenden Ausführungen Dobrindts hörbar geseufzt. "Sie reden über Deutschland, wir über Europa." Dobrindt setzt erneut zu einer ausführlichen Erläuterung an, überlegt es sich dann aber anders. Eine Zusammenarbeit mit der AfD "darf es nicht geben, und wenn es sie gäbe, muss sie abgestellt werden", antwortet der Minister ein wenig brüsk.

Dobrindt sagt viel und doch wenig

Als Maischberger dann auf Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zu sprechen kommt, bleibt es schwammig. Dieser hatte drei Buchhandlungen von dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen, was zu heftiger Kritik aus dem Kulturbereich führt. Dobrindt müsste eigentlich mehr wissen. Aber er sagt wortreich - nichts. So sieht das dann aus:

"Was er gemacht hat ist, dass er offensichtlich bei einem Verdacht, der dadurch begründet war, dass er bei einem Buchladen erkannt hat, dass dieser Buchladen als Markenzeichen den Spruch 'Deutschland verrecke' führt" - "'Bitte' steht da", wirft Maischberger ein, "an der Mauer steht: 'Deutschland verrecke bitte'." - "Das macht es natürlich viel besser", antwortet Dobrindt ironisch. "Da hatte er einen Verdacht. Und dann hat er ein sogenanntes Haber-Verfahren benutzt, das nach einer ehemaligen Kollegin benannt ist, die vor Jahren irgendwann mal genau für solche Zwecke dieses Verfahren eingeführt hat, das ein Ressort beim Verfassungsschutz fragen kann: Habt Ihr da Erkenntnisse? Das, was dann da zurückgemeldet wird, ist eben Teil des Verfahrens, ob es einen Treffer gibt oder nicht. Aber es werden keine Inhalte zurückgespielt."

Wortreich beantwortet Dobrindt dann auch die Frage, ob man denn am Ende erfahren werde, was den Buchhandlungen eigentlich vorgeworfen werde. Das hätte Dobrindt aber auch mit einem Wort sagen können: "Vielleicht." Dann darf er gehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst