"Wir sind im Graubereich angekommen." Per Mertesacker sagte es. Deutschland, die neue graue Maus des internationalen Fußballsports? Da ist schon was dran. Die großen Zeiten von Deutschland sind auf jeden Fall vorbei. Zunächst hatte Paraguay keinen allzu großen Respekt. Und laut England-Legende Gary Lineker zählen auch die Schiedsrichter die "Nagelsmänner" offensichtlich nicht mehr zu den "Großen". Denn die seien - wie etwa Argentinien und Superstar Messi - bislang angeblich mit fragwürdigen Referee-Entscheidungen "unterstützt" worden. Deutschland (diesmal) nicht. Jonathan Tahs vermeintlicher Siegtreffer wurde zurückgenommen. "Vollskandal", urteilt Trainer Julian Nagelsmann und sprach damit allen Experten aus der Seele.

Dann setzte es - drei verschossenen Elfmetern sei Dank - auch noch die erste deutsche Pleite in einem Elfmeterschießen bei einer WM. Nichts ist mehr wie früher. Da war vielleicht sonst nicht alles besser, die Deutschen im Fußball aber schon. Zumindest erfolgreicher. Bei Ex-Trainer Christian Streich setzte die Wehmut ein. Und die Sorge um die Zukunft des deutschen Fußballs.

"Es ist schade für die junge Generation, die nachkommt", meinte Streich. Er war, bevor er Jugendtrainer wurde, auch mal als junger Kicker unterwegs. Und er habe "den Genuss" gehabt, damals zu erleben, wie Deutschland Europameister (1972) und Weltmeister (1974) wurde. "Wir haben diese Spieler angehimmelt und immer gekickt" - quasi auf den Spuren der großen Vorbilder. "Jetzt freuen sich die Jungen so auf diese WM und dann ist so früh Schluss - das tut ein bisschen weh."

Mertesacker sorgte sich ebenfalls um den Fußball - allerdings aus anderem Blickwinkel.

Drei enttäuschende WM-Turniere - das wird Folgen für den Fußballnachwuchs haben.

Früher wurden die deutschen Kicker wegen ihrer Erfolge angehimmelt. Jetzt, nach der neuerlichen Enttäuschung, fragte Mertesacker: "Warum werden die jetzt angehimmelt? Die haben Millionen Follower", meinte er fast spöttisch. "Die haben schon in jungen Jahren viele finanzielle Mittel. Es ist alles anders. Es sind auf deutscher Ebene nicht mehr die Erfolge. Es sind jetzt andere Dinge, da sind sie die großen Vorbilder. Ich würde mir wünschen, dass es in eine andere Richtung geht." Eine Anspielung auf Social Media und darauf, dass die Kicker heutzutage eben nicht nur Stars aufgrund ihres Hauptberufs sind, sondern noch nebenbei als Influencer idolisiert werden.

Social Media als Erfolgskiller und indirekte Bremse für den Fußballnachwuchs? Nicht aus Sicht des Nachwuchses in den Jugendbereichen der Vereine, meinte Streich. "Die Kids warten auf diese Spiele. WM ist das Größte. Man muss schauen, dass man so arbeitet, dass da wieder Spieler nachkommen."

Friederike Kromp, aktive Trainerin bei Werder Bremen, sah die Zukunft eher getrübt. "Weltmeisterschaften haben einen großen Impact auf Anmeldezahlen im Jugendbereich - aber auch im Negativen." Das dritte Mal hintereinander bei einer WM versagt - laut Kromp werde das "Folgen haben".

Julian Nagelsmann will weitermachen - Manuel Neuer sicher nicht

Die Zukunft des deutschen Fußballs - wie es kurzfristig weitergehen könnte, deutete Trainer Julian Nagelsmann an. Nämlich mit ihm. Im Interview nach dem Spiel meinte er: "Ich stehe zur Verfügung. Wenn der DFB will, mach ich die EM 2028." Ein Rücktritt seinerseits aus dem bis 2028 laufenden Vertrag sei "ausgeschlossen. Ich bin keiner, der wegläuft."

Für Manuel Neuer, den aus dem Ruhestand zurückgekehrten Keeper, dürfte es das unwiderruflich letzte Spiel für Deutschland gewesen sein. Im ZDF-Studio wurden etliche Augen feucht, als Fritzy Kromp meinte: "Für ihn tut's mir extrem leid." Christoph Kramer setzte emotional noch einen drauf und zur abschließenden Huldigung des Weggefährten von 2014 an: "Danke, Manu, für das, was du all die Jahre für Deutschland gemacht hast. Du warst all die Jahre der beste Torwart der Welt. Im Namen von Deutschland: Danke."

Quelle: teleschau – der mediendienst