Wladimir Putin hat kürzlich Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg vorgeschlagen. Dass die deutsche Regierung das Angebot sofort abgelehnt habe, ohne einen Gegenvorschlag zu machen, kann Richard David Precht nicht nachvollziehen. Im Podcast "Lanz + Precht" äußert er eine "Befürchtung" - und sorgt damit bei Markus Lanz für Fassungslosigkeit.
"Ich war ein bisschen sehr bestürzt, wie wir darauf reagiert haben", sagt Richard David Precht im Podcast über den vermeintlichen Annäherungsversuch des russischen Präsidenten. Gerhard Schröder gilt seit vielen Jahren als Freund und Vertrauter Putins. Vom Ukraine-Krieg distanzierte sich der ehemalige Aufsichtsratschef des russischen Ölkonzerns Rosneft dennoch. Dass der Ex-Kanzler angesichts seiner Vita als Vermittler zurückgewiesen werde, könne der Schriftsteller zwar verstehen, "aber was man machen muss, wenn man Schröder ablehnt, ist, einen Gegenvorschlag machen", so Precht.
Angela Merkel käme dem 61-Jährige beispielsweise in den Sinn - "oder das Dreamteam Merkel-Schröder". Precht irritiere allerdings, dass die Regierung von Anfang an überzeugt sei, es handele sich bei Putins Vorschlag nur um einen Trick. "Ich persönlich halte das für sehr unwahrscheinlich, dass das ein Trick ist", verweist er auf die mangelnde Bewegung im Ukraine-Krieg seit Wochen. "Insofern ist die Voraussetzung jetzt für eine diplomatische Offensive oder für ein Gespräch so günstig, wie sie seit Beginn des Krieges noch nicht war."
Richard David Precht hat einen "Aufrüstungswahn" erkannt
"Deswegen ist für mich völlig unverständlich, wieso man das mal eben so vom Tisch wischt. Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass man das deswegen vom Tisch wischt, weil man das vielleicht gar nicht möchte", äußert Precht die Vermutung, dass die deutsche Regierung aktuell gar nicht an einem Ende des Ukraine-Krieges interessiert sei.
"Ich mache mir da immer sehr viele Sorgen drüber. Ich denke da immer: Haben wir uns so an den Krieg gewöhnt? Haben wir da nach über vier Jahren uns damit abgefunden, dass da Krieg ist? Sehen wir da inzwischen auch die vermeintlich guten Seiten, dass dieser Krieg eine gigantische Waffen-Messe ist? Sind wir so sehr in unserem Aufrüstungswahn, dass wir Angst haben, dass uns durch einen Friedensprozess der Feind abhandenkommen könnte und es dann sehr schwierig wird, weiter in diesem Turbomaß aufzurüsten?" Das seien die beunruhigenden Fragen, die sich Precht derzeit stelle.
Da schaltet sich Markus Lanz ein. "Du formulierst das als Frage. Ich würde sonst sagen, das ist wahnsinnig zynisch, so etwas zu sagen", reagiert der ZDF-Moderator mit Entsetzen und könne sich nicht vorstellen, dass sich irgendein europäischer Politiker an den Krieg gewöhnt habe oder diesen sogar wollen würde. Anders als Precht sei Lanz überzeugt, dass die Entscheidungen rund um den Ukraine-Krieg nicht leichtfertig getroffen würden.
Angela Merkel, "die, glaube ich, Putin lesen kann wie wenige andere", könne sich der Polit-Talker aber ebenfalls gut als Gesprächspartnerin für den russischen Präsidenten vorstellen. Lanz bleibt hoffnungsvoll: "Es wäre so wünschenswert, dass das endlich zu Ende geht."
Quelle: teleschau – der mediendienst