Auch wenn Donald Trump ein Friedensabkommen mit dem Iran angekündigt hat, bleibt unklar, ob der Iran dieses unterzeichnen wird. Derweil soll die iranische Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in genau dem Land abliefern, das seit Monaten Bomben auf die Heimat wirft. "So wie es ist, ist es einfach nur schmerzhaft für alle", sagte Omid Nouripour im Interview mit MagentaTV. Der Grünen-Politiker mit iranischen Wurzeln sprach von der "schwierigsten Situation, die jemals eine iranische Mannschaft hatte".
Die Mannschaft sei in sich zerrissen und aufgerieben von der Frage, wie man sich zur Politik im Iran positioniere. "Es gibt Spieler, die hasst man, weil sie bei Protesten, wo Leute niedergeschossen wurden, Propaganda des Regimes wiedergegeben haben", erklärte Nouripour. "Es gibt Spieler in der derselben Mannschaft, die haben die Seite der Proteste eingenommen und es gibt viele, die einfach nur kicken wollen."
Nouripour über iranische Hymnen-Problematik: "Dann bekommen sie Höllendruck in der Kabine"
Omid Nouripour beklagte, alles sei "belastet". "Es fängt mit der Flagge an. Die Flagge, die gehisst wird, ist die des Regimes", erklärte der Politiker. Viele iranische Fans würden ebenjene Flagge aber "hassen". Gleichzeitig sei es vonseiten der FIFA untersagt, andere Flaggen zu hissen. Ähnlich schwierig sei es hinsichtlich der iranischen Hymne. "Singen die Spieler mit, werden die Leute sie auspfeifen, weil es die Hymne des Regimes ist. Singen sie nicht mit, bekommen sie Höllendruck in der Kabine", dröselte Nouripour das Dilemma der iranischen Fußballer auf.
Auch die organisatorischen Rahmenbedingungen für die iranische Mannschaft sind erschwert: Sie darf nur an Spieltagen in die USA einreisen. "Die Wettbewerbsverzerrung sehen wir an vielen Stellen", kritisierte Omid Nouripour die FIFA. "Sie verspricht Dinge, die sie nicht hält, das ist skandalös." Dass obendrein Donald Trump eng mit FIFA-Präsident Gianni Infantino verbandelt sei, mache die Sache nicht leichter, so Nouripour: "Ich hoffe, dass wir irgendwie dahinkommen, dass der Fußball für sich stehen kann und nicht die Politik die ganze Zeit versucht reinzuzimmern."
Eine sportliche Einschätzung über die Chancen der iranischen Mannschaft abzugeben, fiel dem Grünen-Politiker entsprechend schwer: "Eigentlich ist die Mannschaft eine Wundertüte. Ich habe keine Ahnung, was die leisten können." Nach einer "komplett zerrupften Vorbereitung" wäre der Einzug ins Achtelfinale "gigantisch". Der Druck auf die Mannschaft könne zweierlei bewirken: "Es kann dazu führen, dass sie beim ersten Druck auseinanderfallen. Es kann aber auch sein, dass sie so eingeschweißt sind, dass sie die Gruppe überstehen."
Quelle: teleschau – der mediendienst