1967 ging "Aktenzeichen XY ... ungelöst" erstmals auf Sendung. Heute ist die Fahndungs-Reihe aus dem ZDF-Programm kaum noch wegzudenken. Nach Spin-offs wie "XY gelöst" und "XY History" erweitert der Sender den "XY"-Kosmos nun um ein weiteres Format. In "XY Spuren des Verbrechens" spricht Moderatorin Helene Reiner mit Expertinnen und Experten über vergangene Fälle aus der Fahndungssendung. Aktuell fanden die Dreharbeiten in München statt.

In dem neuen Ableger steht das Danach im Mittelpunkt: "Viele Geschichten sind noch nicht zu Ende erzählt", erklärte ZDF-Redakteur Matthias Rode die Idee hinter dem Projekt nach Drehschluss in München.

Die gute Laune am letzten Drehtag konnte auch ein kleiner Stromausfall nicht mindern. Ein letztes Mal sprach Reiner in die Kamera, dann waren alle sechs Folgen des neuen Formats im Kasten. "Unser Fokus liegt klar auf Aufklärung und Einordnung", beschreibt die Moderatorin in einem ZDF-Interview den Ansatz. Auch am Set bekräftigte sie: Man wolle "Verbrechen nicht nur zeigen, sondern auch verstehen, damit wir besser mit ihnen umgehen können". Es solle kein Entertainment sein, "sondern Journalismus", machte Produzent Ulrich Bentele klar.

Kriminaloberkommissar und Pressesprecher des LKA Bayern, Fabian Puchelt, kennt das "Aktenzeichen XY ... ungelöst"-Publikum aus der Livesendung und dem "XY Update". Er steht Reiner in allen Folgen zur Seite und gibt Einblicke in die Ermittlungsarbeit der Polizei - und will dabei mit dem ein oder anderen "Tatort"-Klischee aufräumen. Neben dem Polizisten kommen unter anderem eine Staatsanwältin, eine Psychologin und ein psychiatrischer Forensiker zu Wort. Auch Angehörige und Opfer erzählen ihre Geschichten.

"Zu hören, wie sehr diese Erfahrung sein Leben bis heute prägt, war sehr eindrücklich"

Eben jenen Geschichten widmet sich "XY Spuren des Verbrechens" jeweils monothematisch. So beleuchtet die zuletzt abgedrehte Folge Morde an Prostituierten. Eine andere widmet sich Femiziden - einem Thema, das ihr persönlich besonders nahegehe, erklärte Reiner nach den Dreharbeiten. Ebenso wie die Begegnung mit dem Entführungsopfer Achim H.: "Zu hören, wie sehr diese Erfahrung sein Leben bis heute prägt, war sehr eindrücklich", erzählte sie im Sender-Interview. Der damals 31-Jährige wurde im September 1993 eine Woche lang in einer Holzkiste gefangen gehalten. Der Fall wurde im Dezember desselben Jahres bei "Aktenzeichen XY ... ungelöst" vorgestellt.

Anders als in der Fahndungssendung werden die jeweiligen Fälle jedoch nicht von Schauspielerinnen und Schauspielern nachgestellt. Das "XY"-Archivmaterial wird durch Animationen im Stil einer Graphic Novel ergänzt. ZDF-Redakteur Rode begründete diese Entscheidung mit einem teilweise neuen Ermittlungsstand und dem Opferschutz.

Gleichzeitig wolle man damit eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Dafür scheint "die Mutter aller True-Crime-Formate", wie Reiner "Aktenzeichen XY ... ungelöst" nennt, kein ungeeignetes Mittel zu sein: Die neueste Ausgabe sicherte sich am 18. März unter anderem gegen Heidi Klums "Germany's Next Topmodel" den Quotensieg sogar beim jungen Publikum (14- bis 49-Jährige). Die Freude darüber war auch einen Tag später am Set von "XY Spuren des Verbrechens" noch groß.

Ob das neue Format an den Erfolg des ZDF-Dauerbrenners anknüpfen kann, wird sich zeigen. Wenn genügend Menschen einschalten, sind weitere Folgen durchaus möglich: "Wir haben noch weitere Ideen", erklärte Rode.

Die erste Folge von "XY Spuren des Verbrechens" ist am Mittwoch, 6. Mai, um 19.25 Uhr im ZDF und am selben Tag bereits ab 10 Uhr in der Mediathek zu sehen. Im Anschluss geht es wöchentlich weiter.

Quelle: teleschau – der mediendienst