Die Prädikate und Lobeshymnen, die dem Talkshow-Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt zuerkannt werden, sind geradezu unerschöpflich. Mal wird er ganz zu Recht "Grandseigneur des TV-Talks" genannt, dann schlicht einfach als "TV-Legende" bezeichnet. Mit seinem Charme und Erfindungsgeist kriegt er noch in jeder vielköpfigen Talkrunde die Kurve. Allein sein Lächeln, die Augenfältchen, die neugierige, leicht vorspringende Nase wecken auch bei Ängstlichen in der Runde Vertrauen, die teils ausschweifenden Einführungen in noch so knifflige Themen und Fragestellungen geben Gelegenheit, sich zu akklimatisieren und Fantasie zu wecken. Am 24. Juli wird der beliebte Talk-Gastgeber 70 Jahre alt. Am selben Tag, um 0.00 Uhr, zeigt der NDR Susanne Gliffes Film "Hubertus Meyer-Burckhardt - Ein Porträt".

Eitelkeiten scheinen Hubertus Meyer-Burckhardt fremd - und wenn, dann ironisiert er sie geschickt. Sein eigenes Privatleben hält der Moderator der "NDR Talk Show" eher bedeckt. Und doch erfährt man in der Sendung viel von ihm, beispielsweise, wenn es um Themen wie "Schule" oder "Mode" geht. Schmunzelnd erinnert er sich an die Qualen des Mathematik-Abiturs in Kassel. Dort, wo es ihm einst den Angstschweiß heraustrieb, ist heute ein Restaurant. Die beste Gelegenheit, um noch immer grassierende Existenzängste bei einem guten Gericht und einem Glas Chablis zu vertreiben. Was die Mode betrifft, so verriet er: "Im nächsten Leben werde ich Modeschöpfer in Italien, ich werde schon mittags ein Glas Weißwein trinken."

Dass er außer Talk-Moderator noch so einiges war und ist, Theatermacher, findiger Produzent mit Emmy-Award-Nominierung bei der Polyphon (Studio Hamburg) und Buchautor: geschenkt, bei diesem Plaudertalent. Es zieht Hubertus Meyer-Burckhardt immer wieder in die Ferne, wo es für ihn auch heute noch viel zu lernen gibt. Ernste Themen sind ihm keineswegs fremd, da hakt er nach, egal, ob es ums Tennisspielen für Blinde, um Demenz oder Parkinson geht. Die Tränen lässt er dann gerne andere, wie seine "NDR Talk Show"-Partnerin Barbara Schöneberger, verdrücken.

Mit "Mut" und "Humor" im Sakko

Er selbst machte bekanntlich 2019 eine Krebserkrankung bekannt, glücklicherweise seien die verwachsenen Tumore beide "faul", wie er sagt, soll heißen nicht aggressiv. Auf Anraten seiner zweiten Frau Dorothee Röhrig, mit der er seit 2015 verheiratet ist, hat er sie nach seinen Lieblingsautoren Kafka und Shaw benannt. Die Eigenschaften "Mut" und "Humor" hat Hubertus Meyer-Burckhardt von seiner Oma gelernt, bei der er großteils aufgewachsen ist. "Diese Eigenschaften tragen mich durchs Leben. Ich habe mir die Wörter in jedes meiner Sakkos sticken lassen."

Mit ihrer Hilfe hat Hubertus Meyer-Burckhardt schon manchen steinernen Gast in der NDR-Talkshow zum Leben erweckt. Inzwischen tritt er doch etwas kürzer, hat er doch erkannt, "wie wertvoll unsere knapper werdende Lebenszeit ist". Die Sendung "Zeitreisen" (NDR) gibt er ab, er will die Prioritäten "etwas anders setzen". Talkshow, Ratesendungen, ausgedehnte Lesereisen mit seinen Bestsellern stehen weiter an.

Susanne Gliffe trifft in ihrem Porträt auf einen Mann, der von Fernweh und Sehnsucht geprägt ist, der "das Alleinsein und die Einsamkeit braucht", der wenige enge Freundschaften pflegt und "zum Abschalten einfach mal in den Wald geht". Sie begleitet Meyer-Burckhart in seine zweite Heimat Mallorca und blickt hinter die Kulissen der NDR Talk Show. Den Liebhaber guter Parfüms und schöner Stoffe begleitet sie ins Tuchmachermuseum in Bramsche. Dabei kommen zudem zahlreiche Wegbegleiter und -begleiterinnen zu Wort, wie Giovanni di Lorenzo, Barbara Schöneberger, Iris Berben oder Stefan Hunstein, der Schauspieler und Schulfreund.

In der "NDR Talk Show" am 24. Juli tritt Meyer-Burckhardt nicht auf, sie wird von Barbara Schöneberger und Steven Gätjen moderiert. Gäste sind unter anderem Maite Kelly, der Singer-Songwriter Mattis Brodersen und Mode-Influencer Ben Bernschneider, sowie Ex-Zehnkämpfer Bernd Busemann.

Hubertus Meyer-Burckhardt - Ein Porträt - Fr. 24.07. - NDR: 00.00 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst