Ihren Fundus an MAGA-Fan-Artikeln bewahrt Carter Brown sorgsam auf. So kann sie dem Reporter-Gast aus Deutschland Dinge zeigen, die sie heute selbst befremden. "Für mich war Trump einer, der eine Art Prophezeiung erfüllt", sagt die junge Frau aus Atlanta, Georgia, gegenüber Elmar Theveßen in dessen ZDF-Doku "Amerika unter Trump - Wendet sich die Stimmung?". Sie habe "nicht hinterfragt, was er jeden Tag tat, weil ich dachte, es geht um etwas Größeres".
Heute hat sich Carter Brown von Donald Trump und der "Make America Great Again"-Bewegung ebenso abgewendet wie von der QAnon-Verschwörungserzählung. Was ihr die Augen geöffnet habe, will Theveßen wissen. "Ein traumatisches Gespräch mit einer Person, die mir nahesteht", kommt die Antwort.
Ex-Trump-Fan: "Es war wie im Film 'Die Truman Show'"
Diese Person habe sich als Heuchlerin und Rassistin entpuppt. "Ich begann zu sehen, was die andere Seite längst sieht", berichtet die aus einer evangelikalen Familie stammende Frau vor der Kamera unter Tränen. "Es war das Schlimmste, was ich je durchgemacht habe. Weil ich erkannte, dass viele meiner Überzeugungen nicht der Wirklichkeit entsprachen. Es war, wie Truman aufwacht in dem Film 'Die Truman Show'."
In der berühmten Kinokomödie von 1998 erkennt die von Jim Carrey gespielte Hauptfigur, dass ihr ganzes Leben zum Zweck einer Realityshow inszeniert ist. Die amerikanischen Medien hält Carter Brown auch beim Personenkult um den Präsidenten für entscheidend: "Viele MAGA-Unterstützer haben nur einen bestimmen Satz an Informationen. Sie bauen nur auf Fox News. Und das ist nicht die Realität."
Ihre neuen Erkenntnisse über die Wirklichkeit teilt Carter Brown über die sozialen Medien. Darüber seien Freundschaften zerbrochen. Auch mit Teilen ihrer Familie sei das Zusammenleben kompliziert geworden: "Sie glauben, dass ich unter einer Art spiritueller Täuschung stehe. Das ist hart, weil ich dasselbe von ihnen glaube."
"Wir sehen erste Risse in der MAGA-Bewegung"
Ob die aus der Täuschung erwachte Ex-Trump-Wählerin repräsentativ ist für einen politischen Stimmungsumschwung in den USA? Der Film der ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen und Annette Brieger nährt die Hoffnung. Auch durch einen Besuch bei einer "Leaving MAGA"-Veranstaltung. Den Aussteiger-Verband gründete Rich Logis, der bis 2022 selbst glühender Trump-Anhänger war. Heute ist er überzeugt: "Es verschiebt sich gerade etwas im Land. Viele unpolitische Amerikaner werden aufmerksam. Wir sehen erste Risse in der MAGA-Bewegung."
Ausschlaggebend dafür seien viele kleine und größere Faktoren wie die ungebremsten Preissteigerungen, die Entlassungswelle bei den Behörden und die Epstein-Akten. Wichtig sei es, Zweiflern keine Vorwürfe zu machen. "Die Anhänger von MAGA sind im tiefsten Inneren gute Menschen", sagt Verbands-Gründer Logis. "Sie helfen dir, wenn du am Wegesrand einen Platten hast. Aber sie sind verführt worden."
Die "auslandsjournal"-Doku "Amerika unter Trump" ist am Mittwoch, 24. Juni, 22.15 Uhr, im ZDF zu sehen und schon vorab in der ZDF-Mediathek.
Quelle: teleschau – der mediendienst