Mit Michelangelo Antonioni, zugleich ihr langjähriger Lebensgefährte, drehte sie ihre berühmtesten Filme, wie "Rote Wüste" (1964) oder "Die Nacht" (1961). Für Monica Vitti, die 1931 als Maria Luisa Ceciarelli in Rom geboren wurde, war der um vieles ältere Antonioni alles: "Vater, Mutter und Freund". Filme kreierten sie zusammen, "Rote Wüste" war "ein Teil von mir", wie sie sagte. Im Porträt von Katja Duregger (Erstsendung) kommt Monica Vitti in früheren Interviews zu Wort, glücklicherweise aber auch in charakteristischen Filmszenen, mal wildkatzenhaft aufbrausend mit dem italienisch gerollten "r" wie in "Drramma", mal erotisch schmachtend am Telefon. Wahrscheinlich konnte Liebe niemand so glaubhaft kommunizieren wie sie - die prägnante Nase, die blonden Haare, leicht gesenkte Augenlider halfen dabei.

Sie wollte anders sein als die Mutter, die sich vom Vater betrügen ließ, wollte unabhängig sein und autonom. Obwohl ausgebildet an der Schauspielakademie, sagte sie über die Schauspielerei: "Es ist, wie wenn man isst, geht oder schläft - und dann sagt jemand: Mein Gott, wie gut sie schlafen!" - Auch später machte sie ihre Filme in Zusammenarbeit mit langjährigen wechselnden Lebenspartnern, gewann mit ihnen zusammen Preise auf Festivals wie Venedig oder Berlin.

Partnerinnen in italienischen Komödien, wie Claudia Cardinale, hatten es mitunter nicht leicht. Sie nahm kein Blatt vor den Mund, konnte hochfahrend sein. "Ich muss meine Arbeit verteidigen", sagt sie in einem der früheren Interviews im Porträt, das einer mit Empathie gemachten archäologischen Arbeit gleicht. Irgendwann hält die vielfach preisgekürte Schauspielerin ein verbranntes Telefon aus dem früheren römischen Appartement in den Händen. Was für ein Symbol für die Erinnerungen ihres Lebens. Am Ende lebte sie in 20-jähriger Demenz in Einsamkeit, von Nachbarn und Freunden bis zu ihrem Tod 2022 respektvoll gemieden. Dass viele ihrer Filme noch zu entdecken wären, glaubt man durchaus nach diesem tollen Porträt.

Monica Vitti, die Königin des italienischen Films - Mo. 29.06. - ARTE: 22.15 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst