"Männer stecken in der Krise." Diese These stellt Markus Lanz in der neuen Folge seines Podcasts "Lanz + Precht" im Gespräch mit Richard David Precht auf. Precht relativiert zunächst: "Da muss man immer vorsichtig sein: Alle Männer sind sicherlich nicht in einer Krise." Gleichzeitig "stimmt es natürlich, dass es in den liberalen Demokratien des Westens ein Identitätsproblem gibt vieler Männer", so Precht.
Dieses Identitätsproblem bestünde seiner Meinung nach darin, "dass das alte Männlichkeitsbild, was man in den Jahrhunderten davor kultiviert hat, nicht mehr in die heutige Zeit passt, und ein gutes neues ist irgendwie nicht da". Das habe laut Precht "eine ziemliche Orientierungskrise" bei vielen Männern zufolge. Denn inzwischen würden "die Maßstäbe dafür, wie Männer zu sein haben", nicht mehr nur von Männern, sondern "verstärkt von Frauen" aufgestellt.
Precht stellt klar: "Es ist nicht so, dass wir heute in der Gesellschaft mehr toxische Männlichkeit haben als in früheren Gesellschaften oder in früheren Jahrzehnten. Wir haben eher weniger. Aber was sich verändert hat, ist die Erwartungshaltung der Frauen und das Selbstbewusstsein der Frauen, dass es keine toxische Männlichkeit geben sollte." Er fügt an: "Gerade, weil die Gesellschaft nicht mehr so männlich dominiert ist wie in früheren Zeiten, stören sich die Frauen von heute an den Überbleibseln von dem, was als Männlichkeitskultur früher gegolten hat."
"Das ist das Dämlichste, was man überhaupt machen kann"
Markus Lanz sieht das ähnlich und bemängelt: "Es gibt, glaube ich, keine Bevölkerungsgruppe, von der ich sagen würde, dass man sie so pauschal dermaßen in Grund und Boden rammen kann, wie man das derzeit pauschal mit Männern machen kann. Und da gibt es auch keinen Widerspruch." Der ZDF-Moderator wolle damit nicht sagen, dass das alle Frauen machen würden. Er wisse, "dass das vielen Frauen sehr unangenehm aufstößt, was passiert".
Aber: "Wenn man jemanden oder eine ganze Gruppe von Menschen so pauschal einfach verurteilt, dann erfüllt das doch jede Form von Diskriminierung", so Lanz. "Ausgerechnet das, wogegen diese Leute, die so reden, immer vorgeben zu sein." Precht ist der Überzeugung, dass die allermeisten Frauen nicht das gleiche Bild wie "radikale Feministinnen" vertreten würden, "aber, das ist die Krux an der Geschichte, es traut sich keiner, radikalen Feministinnen zu widersprechen".
Der Schriftsteller meint: "Leg dich mit radikalen Feministinnen an und du erntest den Shitstorm des Jahrhunderts und keiner wird dir beispringen." Lanz befürchtet: "So wie wir jetzt wahrscheinlich auch." Das glaubt Precht jedoch nicht. Denn: "Wir haben ja noch nichts Böses gesagt und haben auch nicht vor, etwas Böses zu sagen, und ich denke auch gar nichts Böses." Er ergänzt, dass heutzutage Aussagen über Männer in der Öffentlichkeit getätigt werden könnten, die "ganz klar diskriminierend" sind, "ohne dass das Konsequenzen hat", während die gleichen Aussagen über Frauen "ganz massive Konsequenzen" zur Folge hätten.
Precht findet: "Die Krux für mich darin besteht: Warum machen wir überhaupt pauschale Aussagen über Geschlechter? Ich finde, das bereits ist das Dämlichste, was man überhaupt machen kann." Lanz stimmt zu: "Ich dachte, wir hätten das hinter uns."
Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt es unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im YouTube-Kanal des ZDF.
Quelle: teleschau – der mediendienst