11.000 Posts hat Donald Trump innerhalb von vier Jahren während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident auf X, damals noch Twitter, veröffentlicht. Inzwischen hat der 79-Jährige mit Truth Social seine eigene Plattform und dort allein an einem einzigen Tag im vergangenen Jahr 160 Beiträge abgesetzt. "Das kann man meinungsfreudig nennen", sagt Richard David Precht zu diesen erstaunlichen Zahlen gleich zu Beginn des Podcasts "Lanz + Precht".

"Ich habe glaube ich keine 160 Meinungen über mein Leben", scherzt der Schriftsteller in dem Zusammenhang. "Da hat einer verstanden, dass man damit Politik machen kann", meint Markus Lanz. Der ZDF-Moderator erklärt, dass schon ein einziger Satz mit einem entsprechenden Keyword reiche, um die Aufmerksamkeit der Gesellschaft zu lenken.

"Aber du kannst doch jede unbegrenzte Sauerei machen, wenn sie ein paar Tage später - weil du inzwischen andere Sauereien gemacht hast oder Blödsinn von dir gegeben hast - wieder vergessen ist. Das ist doch eine ganz andere Art von Politik", fasst Richard David Precht zusammen und bringt Lanz zum Lachen: "Das ist sozusagen der untrennbare Zusammenhang von Aufmerksamkeit und Demenz."

"Moderne Kunst": Precht überrascht mit kurioser Trump-Aussage

Laut Markus Lanz haue Donald Trump einfach irgendwelche Wörter raus, wie Grönland, Venezuela oder Zölle, um zu testen, was funktioniert und dieses Thema dann weiter aufzugreifen, während der Rest einfach hinten herunterfalle. Damit sorge der US-Präsident absichtlich für "permanente Irritation", so der Polittalker, der anfügt: "Und dieses ständig Irritieren ist etwas, was dann tatsächlich Politik ersetzt." Seiner Meinung nach gehe es gar nicht mehr um Lösungen, sondern eben nur noch um kontinuierliche Irritation.

Richard David Precht sieht das ähnlich und bemüht einen kurios anmutenden Vergleich: "Eigentlich hat Donald Trump als Politiker die Rolle übernommen, die früher der modernen Kunst zukam." Er führt aus: "Durch ständige Provokationen Aufmerksamkeit zu generieren und damit auf die Gesellschaft einzuwirken." Laut dem Podcaster sei die Politik dadurch nicht mehr durch die Kunst kritisierbar. "Wie willst du denn Provokationen provozieren?"

Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt es unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im YouTube-Kanal des ZDF.

Quelle: teleschau – der mediendienst