Kaum war die neue Bundesregierung im Mai 2025 gewählt, trat Markus Söder vor die Presse. Die anstehende Arbeit der Koalition sei "die letzte Patrone der Demokratie", nahm der bayrische Ministerpräsident die Regierung in die Pflicht. "Ich habe die Überzeugung bis heute", unterstrich Söder nun im Podcast "Politik mit Anne Will". "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Lage viel ernster ist, als die meisten glauben."

"Ich möchte nicht, wie in der Weimarer Zeit, die sein, die am Ende aus Schlappheit, Müdigkeit, Ängstlichkeit und mangelnder Kreativität den Schlüssel abgeben für diese Demokratie", betonte Söder seine politische Agenda und seine Warnung vor entgegengesetzten Kräften, etwa vonseiten der AfD. "Das mache ich nicht, da kämpfe ich dagegen."

"Angstbotschaft": Journalistin kreidet Markus Söder "martialische Sprache" an

Journalistin Melanie Amann (Funke-Mediengruppe) fand indes keinen Gefallen an Söders Rhetorik und der "Angstbotschaft", die er damals in die Welt gesetzt habe: "Mir ist die Sprache zu martialisch." Sie skizzierte eine Folge dieser Aussage, die sich nach ihrer Einschätzung nach entfalten würde: "Sie geben der AfD mit so einer Aussage eine gewaltige Macht in die Hand über uns alle." Man müsse sich aber bewusst sein, dass vor einer möglichen Regierung der AfD noch immer eine Wahl und ein Wahlkampf stehe.

"Ich erwarte von einer Partei wie der ihren, dass sie sich eine Strategie überlegen, wie sie die Leute von sich überzeugen", nahm Amann Söder und dessen Partei CSU in die Pflicht. "Es fehlt das, was die AfD meisterhaft macht, nämlich eine Vision erstellen, wofür sie stehen", stellte die Journalistin fest. Der falsche Ansatz sei es, den Menschen wiederholt zu erklären, wie schlecht die AfD für Deutschland sei, appellierte Amann an Politiker; "Verschwendet doch nicht kostbare Sendezeit und Lebenszeit!"

Laut Markus Söder stehen "die Wölfe vor der Tür"

Markus Söder ließ sich jedoch nicht von seiner Sicht auf die Dinge abbringen. "Ich finde, die Wölfe stehen vor der Tür. Ich finde, Sie unterschätzen das fundamental, was derzeit los ist", widersprach er den Ausführungen Amanns. "Ich glaube, dass wir in Deutschland uns nicht so sehr die Sorgen machen müssen, ob jetzt Politiker untereinander in der Regierung sich besser oder schlechter verstehen. Die Lage ist schlecht und wir müssen die Realität ändern, dann können wir auch die Demokratie retten, davon bin ich fest überzeugt."

Nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa stehe vor einer ungewissen Zukunft, meinte Söder: "Wir sind uns gar nicht über die Tiefenwirkung bewusst." Als Beispiel nannte er die Münchner Sicherheitskonferenz. "Dort hat J.D. Vance für Kanzler Friedrich Merz eine halbe Stunde Zeit gehabt, für AfD-Chefin Alice anderthalb Stunden."

Quelle: teleschau – der mediendienst