FIFA-Präsident Gianni Infantino steht rund um die aktuell laufende Fußballweltmeisterschaft in den USA unter Druck. Kritisiert werden vor allem die teils extremen Ticketpreise. Dazu kommen juristische Probleme: In gleich drei US-Bundesstaaten laufen Ermittlungen gegen den Weltverband wegen möglicher Verstöße gegen das Verbraucherschutzrecht sowie irreführender Ticketvergabepraktiken.
Am Donnerstagabend diskutierte Markus Lanz mit seinen Gästen über den Preis-Wahnsinn rund um die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Journalist Markus Feldenkirchen reagierte empört und schilderte ein System, in dem die Preise aus dem Ruder laufen und "keine Grenzen mehr" kennen würden. Die Ticketpreise seien "nach oben nicht gedeckelt". Stattdessen regle "die Nachfrage (...) die Preise", so Feldenkirchen. Das Ergebnis sei entsprechend drastisch: Viele Tickets lägen inzwischen in "vier- bis fünfstelligen Bereichen".
Besonders beim Finale sei es absurd, so Feldenkirchen. Ein Ticket für das Endspiel werde "für über eine Million, eins wohl für elf Millionen gehandelt". Markus Lanz wollte das zunächst nicht glauben und fuhr dazwischen: "Quatsch!" Feldenkirchen blieb dabei und wurde grundsätzlich: "Es ist der absolute Wahnsinn und es hat nichts mehr mit dem zu tun, wo der Fußball einmal herkommt. Und ich glaube, dass Herr Infantino und manche andere das komplett vergessen haben, dass sie da gerade über die Preispolitik den Fußball weit von seinem Ursprung entfernen."
Journalist bilanziert nach Wucherpreisen bei WM: "Das ist nicht mehr mein Sport"
Sein Fazit als Fan fiel hart aus: "Da kann ich auch als begeisterter Fußballfan sagen: Das ist nicht mehr mein Sport!" Sportjournalist Thomas Kistner konnte dem nur beipflichten. Er legte noch eine schärfere These nach. Er behauptete sogar, die FIFA habe mittlerweile "den Schwarzmarkt übernommen". Lanz reagierte darauf amüsiert: "Das ist irre!" Markus Feldenkirchen sprach daraufhin die steigenden Kosten rund um die Weltmeisterschaft an. Er ordnete ein: "Das ist auf jeden Fall die teuerste WM aller Zeiten für Fans. Sie haben die weiten Wege über drei Kontinente, da haben sie Flugkosten. Fliegen ist zurzeit auch nicht billiger geworden."
Und selbst vor Ort summiere sich alles weiter: Parken koste teils bis zu 200 Dollar, dazu kämen Hotelpreise, die während des Turniers "bis zu 300 Prozent teurer" seien. Das Gesamtpaket sei mit Fan-Kultur kaum noch in Einklang zu bringen, so Feldenkirchen: "Das hat nichts mehr damit zu tun, wie sich ein normaler Fußballfan ein Turnier vorstellt". USA-Expertin Annett Meiritz brachte eine weitere Perspektive in die Diskussion: Ihrer Einschätzung nach gehe die Preisstrategie nicht auf. Der Grund: "In vielen Städten wie Philadelphia sind die Hotelbuchungen (...) 75 Prozent noch frei." Meiritz machte deutlich, dass es selbst für leidenschaftliche Anhänger irgendwann "einen Kipppunkt" gebe.
Markus Lanz über Chancen der DFB-Elf: "Ich habe uns mindestens im Finale gesehen"
Lanz wollte es jedoch konkret wissen: "Was für ein Umsatz wird da erwartet? Was springt am Ende für die FIFA dabei raus?" Thomas Kistner antwortete mit spürbarer Skepsis: "Da sind nur noch Zahlen im Raum, wie man sie aus einem Donald-Duck-Comic kennt. (...) Trump hat mal von 50 Milliarden, die die WM innerhalb der USA erlösen würde als Mehrwert (...) fantasiert." Verlässliche Grundlagen sehe er jedoch nicht: "Wir reden hier ins Blaue hinein."
Zum Schluss versuchte Lanz, die Stimmung zu drehen und den Blick wieder aufs Sportliche zu lenken. In Bezug auf die deutsche Nationalmannschaft fragte er: "Wie weit werden wir kommen?" Kistner dämpfte sofort die Erwartungen: "Ich glaube, sie sind im Achtelfinale draußen." Lanz hielt dagegen und konterte optimistisch: "Ich habe uns mindestens im Finale gesehen! (...) Ich bitte da wirklich um ein bisschen mehr Optimismus an dem Punkt!"
Quelle: teleschau – der mediendienst