In der Montagsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" sorgte ein rätselhaftes Prunkschild für große Augen: Horst Lichter wusste zunächst nicht, worum es sich handelte. Doch Colmar Schulte-Goltz sprach von einem "Familienschatz" mit Verbindung zu einem französischen König. Im Händlerraum blieb die Begeisterung verhalten.

"Wo habt ihr das Ding gefunden?", wunderte sich Lichter, der mit dem ungewöhnlichen Objekt von Chiara und Joachim aus Kassel und Fuldatal nichts anfangen konnte. Das Schild stammte zwar vom Schwiegervater des Verkäufers, doch der räumte offen ein: "Eigentlich haben wir gar keine Verwendung dafür." Was genau dahintersteckte, wusste nur der Experte.

Colmar Schulte-Goltz bezeichnete das Erbstück sogar als "Familienschatz". Der Grund: Es stehe in Verbindung mit einem französischen König. Das Prunkschild zeigte ein Motiv, dessen Original einst König Heinrich II. gehörte. Horst Lichter reagierte überrascht: "Das hier?" - und auch das Vater-Tochter-Duo verfolgte die Erklärung sichtlich angespannt.

Dann relativierte der Experte seine Aussage: Nicht das gezeigte Stück selbst, sondern lediglich die Vorlage gehörte König Heinrich II.. "Ach so", reagierte Lichter und scherzte, Chiara habe bereits nach Luft geschnappt, während er sich schon fragte, ob die Händler genug Geld dabei hätten. Doch es handelte sich lediglich um eine Kopie.

Vorlage von "Familienschatz" steht im Louvre

Das originale Schild aus der Zeit Heinrichs II. wurde um 1550 von renommierten Kunsthandwerkern gefertigt. Im Zentrum war eine detailreiche Kampfszene zu sehen, die die Eroberung der Stadt Bonifacio darstellte. Laut Experte befand sich das Original lange im Besitz der französischen Krone und wurde seit dem 19. Jahrhundert im Louvre ausgestellt.

Vor allem während der Industrialisierung wurden derartige Stücke häufig und in großer Zahl reproduziert. Ziel war es, auch Privatleuten die Möglichkeit zu geben, sich mit solchen Prunk-Objekten auszustatten. Bei dem vorliegenden Schild handelte es sich um einen Guss aus galvanisiertem Weißblech nach historischem Vorbild - vermutlich von 1880.

"Das ist aber keine böswillige Täuschung?", hakte Lichter vorsichtshalber nach - schließlich dürfte das Stück sonst gar nicht in den Händlerraum. Doch der Experte gab sofort Entwarnung: Es handle sich nicht um Betrug, sondern vielmehr um eine Hommage an frühere Handwerkskunst, die im Zuge der Industrialisierung als Serienprodukt gefertigt wurde.

Gewünscht wurden 80 Euro. Trotz vorhandener Vergleichsstücke schätzte der Experte den Wert aber höher auf 150 bis 200 Euro ein. Die Verkäuferin zeigte sich erfreut, während Lichter noch wissen wollte, was das Original kosten würde? Laut Schulte-Goltz "unbezahlbar" - vermutlich jedoch im sechsstelligen Bereich.

"Jetzt kannst du dich immer selbst verteidigen, Waldi"

"Cool", staunte Liza Kielon, als die Kopie auf der Händlertheke landete. Julian Schmitz-Avila erkannte jedoch sofort anhand der Rückseite, dass es sich nicht um kein Original handelte, sondern um eine Arbeit aus dem 19. Jahrhundert. "Das ist wirklich gut gemacht", räumte er ein - auf ein Gebot verzichtet er aber lieber.

Als Kind hätte sich Schmitz-Avila wohl noch über das Schild gefreut, doch "aus dem Kind ist ein kluger Kaufmann geworden". Deshalb reichte er die Replik augenzwinkernd an Walter Lehnertz weiter - schließlich "zieht Waldi öfter in die Schlacht". Ganz in seinem Stil bot der Händler daraufhin seine bekannten 80 Euro.

Selbst die Information, dass sich das Originalschild im Louvre befand, sorgte nicht für mehr Gebote. "Aber 80 Euro sind in Ordnung", erklärte die Verkäuferin. "Die Schlacht kann beginnen", freute sich Händler Lehnertz über sein Schild und Händlerin Kielon nickte schmunzelnd: "Jetzt kannst du dich immer selbst verteidigen, Waldi."

Als weiteres Objekt der Sendung wurde eine limitierte Uhr von Sinn in Kooperation mit Mazda (2004, 888 Stück) von Experte Detlev Kümmel auf 2.000 bis 2.500 Euro geschätzt. Trotz des Wunschpreises von 2.500 bis 3.000 Euro wurde der Chronograph an Fabian Kahl für 1.700 Euro verkauft.

Hädndler Fabian Kahl zahlt für Kakadu 240 Euro

Ein Kakadu der Großherzoglichen Majolika-Manufaktur Karlsruhe datierte Colmar Schulte-Goltz den Entwurf nach 1911 von Emil Pottner. Gewünscht wurden 50 bis 100 Euro für das ehemalige Wichtelgeschenk. Doch der Experte schätzte 280 bis 390 Euro und Händler Fabian Kahl zahlte 240 Euro.

Detlev Kümmel datierte fünf Schulrollkarten, die mit Siebdruck auf Leinenstoff vom Verlag Hagemann in Düsseldorf gefertigt worden waren, ab 1956 bis in die 1970er Jahre. Gewünscht wurden 150 Euro, Kümmel taxierte 150 bis 250 Euro, doch Händlerin Liza Kielon zahlte nur 100 Euro - denn nur die älteren Exemplare waren sammelwürdig.

Ein Art-déco-Collier datierte Wendela Horz um 1920. Für den feinen Schmuck aus Platin und Silber mit Brillanten (0,2 Karat) wünschte sich die Verkäuferin 800 bis 1.000 Euro. Horz schätzte den Wert nur auf 600 bis 700 Euro. Julian Schmitz-Avila zahlte am Ende sogar 900 Euro für "den Evergreen".

Quelle: teleschau – der mediendienst