Am vergangenen Wochenende sorgte Marie-Agnes Strack-Zimmermann beim FDP-Parteitag für eine Überraschung: Kurzfristig bewarb sie sich um den Parteivorsitz, unterlag am Ende jedoch Wolfgang Kubicki. Er erhielt knapp 60 Prozent der Stimmen. Nach dem Votum stichelte Kubicki öffentlich gegen seine Parteikollegin. Gegenüber der "Bild" sagte der FDP-Chef: "Marie-Agnes, Du hast nur 40 Prozent - und jetzt weißt Du, wo der Hammer hängt. Wenn Du die FDP in die Bedeutungslosigkeit führen willst, dann mach genauso weiter." Bei "Markus Lanz" zeigte sich Strack-Zimmermann am Dienstagabend dennoch selbstbewusst. Aus Brüssel zugeschaltet erklärte sie, dass sie Kubicki mit ihrer Kandidatur durchaus "überrascht habe". Gleichzeitig betonte sie: "Meine spontane Kandidatur kam natürlich nicht völlig aus der hohlen Hand."

Sie habe, so Strack-Zimmermann, "von sehr vielen" Parteikollegen gehört, dass sie "eine Wahl haben" wollten. "Das habe ich dann eben (...) übernommen", so die FDP-Politikerin. Markus Lanz blieb skeptisch, vor allem wegen ihrer Rede beim Parteitag: "Sie sagen, es war spontan. (...) Ich habe diese Rede gehört, die war so geschliffen. Niemals schreibt man so etwas spontan!" Strack-Zimmermann konterte: "Ich habe das nicht lange vorbereitet, aber ich freue mich, dass Ihnen die Rede gefallen hat." Lanz stellte sofort klar: "Das habe ich damit nicht gesagt." Die FDP-Politikerin reagierte mit Humor: "Ach so, schade." Und legte nach: "Wenn man einen (...) individuellen Kompass hat, dann reichen 24 Stunden, eine solche Rede zu schreiben."

Karl Lauterbach wettert gegen die FDP: "Das ist einfach der unseriöse Charakter dieser Partei"

Doch Lanz bohrte weiter und fragte nach dem Umgang mit ihrem Konkurrenten: "Haben Sie Wolfgang Kubicki vorab darüber informiert, dass Sie antreten werden?" Strack-Zimmermann antwortete: "Nein, ich habe außer denen, die ich ins Vertrauen gezogen habe, überhaupt keinen informiert." Für Lanz war das kaum zu fassen: "Nichts? Das heißt, Sie kennen sich so lange (...) und Sie reden nicht vorher einen Satz darüber, dass Sie plötzlich mit der Kandidatur um die Ecke kommen?" Strack-Zimmermann blieb kurz angebunden: "Nein! Ich kam um die Ecke." Kubicki sei darüber "nicht wirklich amüsiert" gewesen, erklärte sie, denn: "Er ist davon ausgegangen, dass er in einem Rutsch gewählt wird".

In der Diskussion grätschte daraufhin SPD-Politiker Karl Lauterbach dazwischen - und teilte hart aus: "Der Zirkus (...) erinnert mich an das Lügengerede von Christian Lindner, als wir all die Zeit gedacht haben, wir machen weiter in der Koalition." Er schob nach: "Das ist einfach der unseriöse Charakter dieser Partei. (...) Jetzt sind sie nicht in der Regierung und streiten untereinander, aber genau diesen Zirkus haben wir in der Ampel all die Zeit erlebt." Lauterbach ging noch weiter: "In der jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Zeit brauchen wir so eine halbseidene Partei wie die FDP zumindest in der Regierung nicht." Während Lanz mit einem lauten "Wow" reagierte, platzte Strack-Zimmermann der Kragen: "Hören Sie sich eigentlich reden? Was Sie sich gerade hier erlauben, finde ich völlig überflüssig!"

Karl Lauterbach: "Die Brandmauer schützt die Demokratie bei uns"

Sie ergänzte: "Ich bin sichtlich irritiert darüber, was Sie für ein Demokratieverständnis haben." Lauterbach versuchte, die Debatte zu entschärfen: "Ich hätte mich ja sogar gefreut, wenn Sie gewonnen hätten. Es geht hier nur um den Stil!" Strack-Zimmermann blieb jedoch unversöhnlich: "Ihr Kompass ist inzwischen auch irgendwo verloren gegangen. Ich bedauere das, Herr Lauterbach." Auch die strategische Ausrichtung der FDP wurde bei "Markus Lanz" zum Streitpunkt. Lanz fragte provokant: "Blinzelt man in Richtung AfD?"

Strack-Zimmermann antwortete zunächst ausweichend und meinte, in den etablierten Parteien sei "die Mitte nach rechts gerutscht". Für sie gebe es dabei jedoch eine klare Grenze: "Wenn Sie anfangen, Entscheidungen aufzusetzen in der Annahme, dass die AfD möglicherweise die Mehrheit herstellen könnte, dann ist das für mich persönlich (...) ein No-Go." Genau diese Sorge sei "der Auslöser" ihrer Kandidatur gewesen. "Es gibt einfach Sachen, da bin ich hochsensibel", sagte sie. Lanz wollte es genauer wissen: "Haben Sie Sorge, dass die FDP mit Wolfgang Kubicki mit der AfD gemeinsame Sache macht?"

Strack-Zimmermann wich aus: "Ich habe kandidiert, damit alle (...) nicht mal mit der AfD kokettieren, sondern dass wir ein liberales Angebot machen." Lanz fragte unbeeindruckt weiter: "Also Sie haben diese Sorge?" Die Antwort fiel nun deutlicher aus: "Ich hatte diese Sorge, deswegen habe ich kandidiert." Lanz blieb jedoch hartnäckig: "Sie halten es für möglich, dass Wolfgang Kubicki die Brandmauer schleift und gemeinsame Sache mit der AfD macht?" Strack-Zimmermann verneinte schließlich: "Nein, denn er hat bei seiner Rede darauf hingewiesen - mit ihm wird es nie eine Mehrheit geben. (...) Insofern ist mein Vertrauen jetzt wiederhergestellt." Journalist Robin Alexander sah dennoch ein Risiko und ordnete ein: "Ich nehme Kubicki ab, dass er das gar nicht will. Kubicki ist ja kein Rechter. Er will nicht der AfD in den Sattel helfen. Er glaubt aber, dass er eine Rhetorik braucht, die anders ist, als die bisherige Rhetorik." Lauterbach warnte abschließend, Kubicki spiele mit seiner Wortwahl "mit dem Feuer", denn: "Die Brandmauer schützt die Demokratie bei uns."

Quelle: teleschau – der mediendienst