Das Date mit dem Collegestudenten erfand Olive (Emma Stone) eigentlich nur, um das Wochenende nicht mit der selbst für kalifornische Verhältnisse schrägen Familie ihrer besten Freundin verbringen zu müssen. So ist es nur natürlich, dass die sich nun nach dem Verlauf des Abends erkundigt - und der Stubenhockerin die Lüge abringt, sie habe mit der imaginären Verabredung die Nacht verbracht. Ein paar leichtfertige Worte, die große Wirkung haben sollen: Schon bald geht das Gerücht, das Mädchen, das vorher niemand beachtete, sei "Einfach zu haben" (2010). ZDFneo (Dienstag, 30. Juni, 22.50 Uhr) zeigt die US-Komödie von Regisseur Will Gluck nun in einer Wiederholung.
Im Zeitraffer und mit schnellen Schnitten macht das Gerücht die Runde: Oberstufen-Niemand Olive hat ihre Unschuld verloren. Normalerweise wäre das wohl kein großer Aufreger, trüge sich diese Szene nicht an einer Schule zu, die so ziemlich jedem Klischee gerecht wird: ein Ort, an dem Schülern der Rauswurf droht, wenn sie andere in der Anwesenheit von Lehrern beschimpfen. Und an dem religiöse Spinner im sehr knappen Minirock (eine wandelnde Plage: Amanda Bynes, "Hair Spray") versuchen, ihre Mitmenschen auf den Pfad der Tugend zu bringen, und sie deshalb im Zweifelsfall einfach fertigmachen.
Emma Stone trägt die Komödie fast im Alleingang
Aber all das wäre noch kein Grund, sich - O-Ton Olives Eltern - "wie eine Stripperin" zu kleiden und sich provokant ein scharlachrotes A auf die knappen Outfits zu nähen. Um einem schwulen Mitschüler (Dan Byrd, "Cougar Town") künftig die tägliche Demütigung zu ersparen, inszeniert die vermeintliche Skandalnudel mit ihm eine lautstarke Nummer auf einer Party. So wird die jungfräuliche Olive nicht nur zur Schlampe der Schule, sondern auch zur Heldin der Loser. Die nämlich stehen plötzlich Schlange, um ihren Ruf ebenfalls aufbessern zu dürfen. Wie sehr Olive unter den Konsequenzen ihrer Hilfsbereitschaft leidet, ahnt nur ihr heimlicher Schwarm Todd (Penn Badgley, "Gossip Girl").
Ob nun das erzkonservative Gehabe der Mitschüler oder die betont liberale Einstellung von Olives Eltern (grandios: Patricia Clarkson und Stanley Tucci), das Drehbuch von Bert V. Royal ist stellenweise so wacklig wie Olive bei ihrem ersten ernst zu nehmenden Versuch, auf High Heels zu laufen. Doch solche Unsicherheiten lassen sich mit einem Lächeln überspielen.
Dabei voll auf die damals noch relativ unbekannte Emma Stone zu setzen, erwies sich als goldrichtige Entscheidung: Obwohl sie nicht minder attraktiv ist als die aufgetakelten Püppchen, wirkt sie im Gegensatz zu ihnen erfrischend natürlich. Dennoch besitzt die damalige Newcomerin eine einnehmende Präsenz, mit der sie Komödie fast im Alleingang trägt.
Quelle: teleschau – der mediendienst