Donald Trumps Ansprüche auf die zu Dänemark gehörende Insel Grönland drohen eine neue Auszeit zwischen den USA und Teilen Europas beginnen zu lassen. Der Konflikt zwischen eigentlich Verbündeten Nationen war am Montag auch Thema im ZDF-Magazin "Volle Kanne". Denn dort war Washington-Korrespondent Elmar Theveßen zu Gast, dessen Dokumentation "Donald Trump - König im Weißen Haus?" am Dienstag, 20. Januar, um 20.15 Uhr im ZDF sehen ist.

Auf europäischer Seite waren zuletzt Forderungen zu vernehmen, Trumps angedrohte Strafzölle sollten von der EU erwidert werden. Wer in einem solchen Handelskrieg die besseren Karten hätte, wollte Moderator Florian Weiss von seinem Studio-Gast wissen.

"Es wäre eine Katastrophe für die Wirtschaft dieser Welt"

"Das ist eben die Frage", gab Theveßen zu Protokoll. "Die USA sind die stärkste Wirtschaftsmacht der Erde, und wir sind zu guten Teilen - in Sachen Sicherheitspolitik, in Sachen Wirtschaft - auch abhängig von den USA", räumte er ein. "Aber umgekehrt ist es eben so, dass die Europäer zusammen die zweitgrößte Wirtschaftskraft der Erde haben."

Dann kam der ZDF-Journalist auf eine brisante Konstellation zu sprechen: Die Europäer besäßen US-Staatsanleihen in Höhe von über einer Billion Dollar. Theveßen ist sich sicher: "Wenn man anfangen würde, ein Stück dieser Staatsanleihen zu verkaufen, wird das dramatische Auswirkungen in den USA haben."

Der langjährige Auslandskorrespondent sprach von einem "langen Hebel", den Europa in der Hand halte. Allerdings hätte es auch schwere Folgen für die Wirtschaft diesseits des Atlantiks, sollte er betätigt werden: "Wenn wir diesen Handelskrieg richtig eskalieren und uns gegenseitig mit Strafzöllen überziehen, verlieren alle", warnte Theveßen: "Es wäre eine Katastrophe für die Wirtschaft dieser Welt."

Theveßen kritisiert: "Wir Europäer haben immer nachgegeben und uns angebiedert"

Ob sich Trump überhaupt noch durch Androhungen und Stärke beeindrucken lässt? Da ist sich auch der USA-Experte unsicher: "Wir sind an einem Punkt, wo sich Donald Trump ermächtigt fühlt, das zu kriegen, was er haben will", glaubt Theveßen: "Er fühlt sich ermächtigt, weil ihm die Europäer und viele andere im letzten Jahr ihm immer nachgegeben haben. Sie haben ihm geschmeichelt, sie haben sich angebiedert." Lediglich Chinas Staatschef Xi Jinping habe das nicht getan, mit dem Ergebnis, dass sein Land wirtschaftlich nicht gelitten habe.

Schließlich sprach Elmar Theveßen über die Wahrscheinlichkeit eines US-Militäreinsatzes zur Annexion Grönlands: "Wir sind an einem Punkt, wo wir nichts ausschließen sollten", bekundete er. Schließlich habe der Einsatz in Venezuela gezeigt, das Trump niemanden frage, auch nicht das Parlament, "er macht einfach". Sollte es zum Äußersten kommen, hätte das "natürlich dramatische Auswirkungen", so Theßen weiter, "weil die Nato wäre erledigt".

Quelle: teleschau – der mediendienst