5.000 US-Soldaten sollen in den kommenden Monaten Deutschland verlassen. Mit dieser Anordnung hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth Verunsicherung ausgelöst. Wird Deutschland künftig noch im bisherigen Umfang verteidigungsfähig sein? Diese Frage stellte ARD-"Morgenmagazin"-Moderatorin Sabine Scholt am Montag dem Militär-Historiker Sönke Neitzel.
"Dieser Abzug war erwartet worden in der Szene", bekundete der Experte im Live-Interview im Ersten. Den angekündigten Abschied der Streitkräfte fand er dabei weniger entscheidend. Einen Abzug der US-amerikanischen Mittelstreckenraketen könnten die Europäer hingegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht ersetzen. "Das wäre wirklich ein Problem."
Für die militärischen Reformvorhaben in Deutschland bedeute dies einen erhöhten Handlungsdruck. "Die Bundeswehr muss flexibel sein", forderte Neitzel. Bei allem Bemühen von Verteidigungsminister Boris Pistorius liege darin weiterhin das Hauptproblem. Dabei kritisierte der Forscher den politischen Ansatz scharf.
Sönke Neitzel im ARD-Moma: "Das wird nicht funktionieren"
Seit der "Zeitenwende"-Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz im Jahr 2022 werde die Bundeswehr "im bestehenden System reformiert". Das sei aller Ehren wert, sagte Neitzel. "Aber das ist meines Erachtens ein Denkfehler. Das habe ich auch schon hunderttausendmal gesagt. Ich glaube, dass die Bundeswehr in der Grundstruktur reformiert werden müsste." Aus Angst vor große Reformen gehe man ein solches Projekt jedoch nicht an.
Die Folge beschrieb der Historiker mit einem Vergleich: "Das wäre genauso, wie wenn BMW keine Dieselfahrzeuge mehr herstellt, sondern E-Autos, mit demselben Personal und derselben Struktur. Das wird nicht funktionieren."
Als Beispiel für eine daraus resultierende "Fähigkeitslücke" nannte Neitzel die Drohnenkriegsführung. Zwar würde entsprechendes Gerät bald geliefert. Jedoch müsse man dabei schneller werden und größer denken, und auch hier sei die Strukturfrage ungeklärt. "Wie wollen wir im Heer diesen Drohnenkrieg eigentlich führen? Die Türken haben Drohnenbrigaden. Machen wir das auch? Das ist alles ungelöst."
Auf die Frage, wann die Bundeswehr im Kriegs-Ernstfall bereit sei zu bestehen, reagierte der Experte leicht sarkastisch. Er berief sich auf das "Neitzelsche Theorem", das besage: "Die Bundeswehr braucht immer 20 Jahre." Darauf laufe es von 2022 an gerechnet auch jetzt hinaus. Neitzel spöttelte: "Sollten wir uns schon mal merken, dass wir beide 2042 ein Interview hier nochmal führen."
Quelle: teleschau – der mediendienst