Das hat es bei "Sing meinen Song" noch nie gegeben: Weil der Himmel über Südafrika nicht aufhörte zu weinen, musste die letzte Folge der 13. Tauschkonzert-Staffel unter einem Festzelt stattfinden. "Ich habe extra ein bisschen Hamburger Wetter mitgebracht. Tut mir leid", sagte Deine Cousine zu Beginn des Abends. Zum Staffelfinale stand die Punkrockerin aus der Hansestadt im Mittelpunkt.

Deine Cousine war zweifellos die unbekannteste Teilnehmerin der diesjährigen Staffel. Doch im Laufe ihrer Folge erfuhren Zuschauende so einiges von ihr. Ina Bredehorn, wie Deine Cousine mit bürgerlichem Namen heißt, ist in einem 3.000-Seelen-Dorf an der Wesermarsch aufgewachsen. Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Industriemechanikerin. Nach gut neun Jahren hing sie ihren Job zugunsten der Musik an den Nagel und zog nach Hamburg.

"Die Bühne ist der einzige Ort, wo ich mich nie falsch gefühlt habe. Wo es immer okay war, dass ich die lauteste war", erzählte sie ihren Kolleginnen und Kollegen. Mit ihren Songs demonstriert Deine Cousine oft Haltung und verarbeitet darin gesellschaftliche und politische Themen.

Old-School-HipHop-Vibes und italienischer Punkrock

Den Auftakt machte dieses Mal Schlager-Rapper Tream, der sich besonders auf den Abend freute, denn Deine Cousine "ist ja auch so eine Party-Kanone wie ich". Passenderweise suchte er sich den Song "Bring mich nach Hause" aus - eine Liebeserklärung an die Nacht und die Freundschaft, die er in Old-School-HipHop-Vibes verpackte.

Nächster im Bunde war Giovanni Zarrella - und der hatte sich zum wiederholten Male in dieser Staffel verplappert. Auf dem Weg in die Maske habe er "Attacke" gesungen und dann Deine Cousine erblickt. "Wir schauen uns an und ich dann so: Hey, ich hab gerade noch mal deine Songs durchgehört. Geile Textzeile. Von welchem Song ist die noch mal? Wär auch geil gewesen, den zu machen", erzählte er. Großes Gelächter auf der Couch. Bei seiner anschließenden Performance gab Zarrella dafür alles, sprang auf den Tisch und sang sich mit Deine Cousine schreiend an. So geht Punkrock auf Italienisch!

Von Frau zu Frau

Bei Gastgeber Johannes Oerding, der genau wie Deine Cousine seit vielen Jahren in Hamburg lebt, lag natürlich die Wahl des Songs "St. Pauli" nahe. "Seit Monaten liegt sie mir im Ohr und denkt, dass ich diesen Song singe. Hältst du mich für so langweilig und einfältig?", fragte er Deine Cousine, die mit einem klaren "Ja" antwortete. "Stimmt!", lachte Oerding. Der Song stehe für ihn für ein Lebensgefühl, sagte er, bevor er ihn in eine Schunkel-Version im Stil von Hans Albers verwandelte.

Danach wurde es emotional: Alina Süggeler von Frida Gold sang "Raus an dich", ein Song über Alltagssexismus. "Ich habe keine Freundin, der nicht irgendwas passiert ist", so Deine Cousine. Der Song sei ein Danke an alle Menschen, die ihr geholfen haben, frei sein zu können. Alina Süggeler gab zu verstehen, dass sie es nicht selbstverständlich findet, dass eine Künstlerin ihre Stimme so nutzt wie Deine Cousine es tut. Darum textete sie den Song als Hommage an sie um.

"Du hast früh gezeigt, dass es als Mädchen anders geht / Dass keine Angst vorm Leben dir jemals im Wege steht / Obwohl jede Frau potenziell als Opfer gilt, hast du für uns mit deinen Songs die Rollen umgedreht", sang Süggeler - und: "Dank dir sehen Millionen Mädels, was es heißt, sich stark zu machen". Bei diesen eindringlichen Worten kamen Deine Cousine die Tränen - und am Ende des Songs weinten sie und Süggeler zusammen. "Wir haben da einen sehr intimen Moment gefunden. Ich glaube, wir sind uns von Frau zu Frau begegnet", so Süggeler. Die Protea für den Song des Abends hatte Süggeler damit schon mal sicher.

Tränen beim Grafen und eine Überraschung von Mark Forster

Aber der Abend war damit noch nicht zu Ende. Weiter ging es mit Deine Cousine, die ihren bekanntesten Song "Scheiß auf Ironie" auf die Bühne brachte, gefolgt von Unheilig mit "Familie sucht man sich aus". "Beim Umrangieren habe ich geheult", gab der Graf zu. "Mein Leben hat sich seit letztem Jahr komplett geändert. Mein Papa ist gestorben, meine Mama ist gestorben. Aber glücklicherweise habe ich auch viele tolle Menschen in meinem Umfeld. Das ist Familie."

Deine Cousine kriegte bei seinem emotionalen Vortrag feuchte Augen und kaum hatte er den letzten Ton gesungen, brach auch der Graf in Tränen aus. "Johannes, ich hab doch gesagt, ich will nicht hierher wegen der Weinerei!", scherzte Deine Cousine danach und attestierte dem Grafen: "Ich habe mir das gewünscht, dass du einem meiner Songs mit deiner Wärme spendenden, tiefen, sonoren Stimme so eine Tiefgründigkeit verleihst, die ich manchmal verstecke unter Geschwindigkeit, Energie, Wut."

Zu Ende ging der Abend mit einer großen Überraschung, denn Mark Forster, der sein Privatleben bekanntlich sehr privat hält, lieferte eine Liebeserklärung an seine Familie. "Manchmal fühlt's sich an / als hätt' ich mein Herz geteilt / als wär der Großteil nicht bei mir / sondern bei euch Dreien", sang er in seiner neu interpretierten Version von "Bang Bang".

"Er hat da noch mal aufgemacht mit einem Liebeslied an seine Familie. Ich fühle mich sehr geehrt", sagte Deine Cousine. Doch Forster gab das Kompliment zurück. "So ein Abend funktioniert ja nur, wenn die Songs und der Inhalt und der Geist von den Künstlern besonders sind. Die ganzen Wochen waren so toll. Das ist für mich persönlich tatsächlich eine verändernde Zeit."

Quelle: teleschau – der mediendienst