Die jüngste Ankündigung von Donald Trump, Strafzölle gegen bestimmte EU-Staaten einführen zu wollen, sorgte am Dienstagabend bei "Markus Lanz" für große Unruhe. Besonders deutlich äußerte sich CDU-Politiker Claus Ruhe Madsen: "Die Lage ist ernst. Da ist richtig Stress auf dem Schulhof gerade. Und es nützt einfach jetzt nichts mehr (...), nett zu sein."

Mit dieser klaren Botschaft forderte er ein stärkeres Auftreten Europas. Doch nicht alle Gäste teilten seine Einschätzung. Journalistin Kerstin Münstermann zeigte sich zurückhaltender. Sie wies auf die schwierige Lage hin, in der sich die deutsche Wirtschaft befindet, und sprach von einer "toxischen Gemengelage". Gleichzeitig mahnte sie: "Das wird eine sehr große Aufgabe - auch für Friedrich Merz, der gesagt hat, wir brauchen Führung in Europa (...). Das muss er jetzt aber zeigen." Ihrer Einschätzung nach sei Diplomatie dringend geboten, um das Verhältnis zu den USA nicht weiter zu belasten.

Madsen hingegen blieb skeptisch. Im Hinblick auf Trumps Vorgehen in Grönland kommentierte er: "Wenn man jemandem, der sehr viel Hunger hat, ein bisschen was gibt, dann ist er nicht satt." Münstermann entgegnete: "Aber es ist auch blauäugig, zu glauben, dass wir die Amerikaner verprellen können." Für sie stand fest: Die USA bleiben ein unverzichtbarer Partner - insbesondere im Kontext des Ukraine-Krieges. Ihre Einschätzung: "Alleine zu sagen, wir müssen jetzt mal auf den Tisch hauen und den Amerikanern zeigen, dass wir auch stark sind, das kann es nicht sein. Es braucht ein sehr diplomatisches Geschick, die irgendwie doch wieder einzubinden." Markus Lanz griff die Diskussion auf und stellte am Dienstagabend die zentrale Frage: Wie sollte Europa auf Trumps Drohungen reagieren?

Peter Neumann warnt vor militärischer Auseinandersetzung mit den USA: "Dann hat Europa verloren"

Politologe Peter Neumann schlug einen vorsichtigen Weg vor. Seiner Meinung nach sollten diejenigen, die Zugang zu Trump haben, diesen nutzen: "Nicht, um ihm zu schmeicheln, (...) aber eben auch, um ihm klarzumachen, dass das nicht so weitergehen kann." Gleichzeitig mahnte Neumann: "Natürlich müssen wir eine rote Linie setzen." Zwar müsse man auf Trumps Zölle mit Gegenmaßnahmen reagieren, doch Neumann warnte eindringlich, dass unbedingt verhindert werden müsse, "dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung eskaliert, weil da haben die Amerikaner wirklich bessere Karten. In dem Moment, wo die Amerikaner sagen, jetzt geht's aber militärisch los, dann hat (...) Europa verloren." Lanz hakte prompt nach, ob ein solches Szenario realistisch sei. Neumanns Antwort? Die Invasion Grönlands werde "stufenweise laufen", "so wie man das bei Taiwan sieht".

Für Münstermann blieb die Zusammenarbeit mit den USA dennoch unverzichtbar, da es "ohne die Amerikaner (...) nicht gehen" werde. Die Journalistin betonte, dass "dieses 'im Boot halten', gleichzeitig aber Selbstbewusstsein zeigen", für Europa - und insbesondere Deutschland - die größte Herausforderung der Woche sein werde. Ökonom Jens Südekum betrachtete die Lage derweil aus wirtschaftlicher Perspektive.

Für ihn sei eine zu große Zurückhaltung keine Option, denn: "Wir können nicht in der jetzigen Situation die Botschaft aussenden: 'Wir lassen uns das einfach gefallen (...), weil wir Angst haben vor einem Wirtschaftskrieg'." Laut Südekum sei die Zoll-Androhung eine "glasklare Erpressung". Zwar würden die ökonomischen Folgen zunächst vor allem die USA selbst treffen, doch auch Europa könne sich nicht in Sicherheit wiegen. Die Inflation in den Vereinigten Staaten sei bereits jetzt deutlich höher. "Und das ist auch erst der Anfang", so Südekum.

Claus Ruhe Madsen fordert: "Endlich ein effektives Europa"

Doch auch auf europäischer Seite seien die Folgen spürbar: "Im letzten Jahr ist das Handelsvolumen in die USA um fast 10 Prozent (...) eingebrochen. Das ist natürlich auch für uns keine gute Nachricht." Gleichzeitig räumte der Ökonom mit einem weitverbreiteten Missverständnis auf: "Es ist nicht so, dass wir im Prinzip das Geld nach Washington überweisen und Donald Trump mit diesem Geld dann irgendwie (...) die Einkommenssteuer für die ganz normale Bevölkerung senken könnte."

Trotzdem warnte Politologe Peter Neumann vor der Strategie Trumps, die EU gezielt zu schwächen: "Das haben lange Zeit die Chinesen mit uns gemacht, jetzt machen es die Amerikaner (...). Ich hoffe, dass jeder versteht, worum es geht." Seine Warnung? "Donald Trump ist bereit, diese transatlantischen Beziehungen zu brechen." Eine Sorge, die auch Kerstin Münstermann teilte: "Dieser große Bruder, (...) der ist jetzt weg." Gerade deshalb forderte Claus Ruhe Madsen abschließend: "Meine klare Botschaft ist: Endlich ein effektives Europa! Ein Europa, das zusammenhält, mal endlich schneller wird. (...) Wir bewegen uns rein in eine Welt ohne Regeln und wir machen immer mehr Regeln. Das funktioniert nicht!"

Quelle: teleschau – der mediendienst