Im Zwiegespräch mit Mitcamperin Simone Ballack ging der 43-Jährige Musiker kurz vor dem Finale von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" (RTL) unerwartet auf die Vorgänge um den Prozess zu dem Davidstern-Skandal von Leipzig ein. Ihm ging es dabei vor allem um Videoaufnahmen von der Hotelrezeption, die eine große Rolle gespielt hatten.
Nach den Äußerungen hat sich sein Anwalt in den Sozialen Medien zu Wort gemeldet. In Videobeiträgen, die in der Nacht auf Samstag (7. Februar 2026) auf Instagram veröffentlicht wurden, ging Ofarims Verteidiger Alexander Stevens unter anderem auf die Kameraaufzeichnungen ein.
Gil Ofarims Anwalt: "Zwei Sekunden fehlen" in Videoaufzeichnung
"Es wurde nachgewiesen, dass das Band nicht das Originalband ist. Es wurde nachgewiesen, dass von allen Kamera-Aufnahmen mehrere Sekunden gefehlt haben", erklärte Ofarim am Lagerfeuer. Zudem sprach er von einem Zeugen, der ausgesagt habe, dass er "den Davidstern gesehen" habe. Ebenso behauptete er: "Das Video, das der Digitalforensiker hatte, ist nicht das Original". Wie Ofarim zu seinen Schlüssen zu dem Videomaterial kam, blieb unklar.
Nach Meinung von Ofarims Anwalt Stevens ist die Frage der Sichtbarkeit des Davidsterns irrelevant, wie er in seinem Instagram-Post erklärte. Er begründete dies damit, dass das Tragen des Sterns keine zwingende Bedingung für eine Beleidigung darstelle. Das bedeutet: Es ist nicht erforderlich, einen Davidstern zu sehen, um jemanden auf antisemitische Weise zu beleidigen.
"Zumal ja anhand einer Zeugenaussage festgestellt wurde, dass der Hotelmanager keinerlei Beleidigungen geäußert hat und damit diese Anschuldigung falsch war, wofür sich Gil Ofarim auch entschuldigt hat." Schon in einem anderen Videobeitrag, den Stevens einige Stunden zuvor online gestellt hatte, äußerte er sich zu den analysierten Aufnahmen aus dem Verfahren. "Wir Verteidiger haben während des Prozesses festgestellt, dass eines der drei in Augenschein genommenen Videos an einer neuralgischen Stelle einen Zeitsprung aufweist - zwei Sekunden fehlen", behauptete Stevens in dem Instagram-Beitrag. Die Angaben von Stevens ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen.
Unterlassungserklärung war Begründung für Ofarims Schweigen
Stevens hatte sich erst am Mittwochabend in einem Instagram-Live gemeinsam mit dem Strafrichter Thorsten Schleif zur Einstellung des Leipziger Strafverfahrens gemeldet. Dass sich Ofarim bislang nicht weiter zu dem Fall geäußert hatte, erklärten die Juristen mit einer Unterlassungserklärung. Mandanten werde in solchen Fällen häufig geraten: "Am besten sagst du gar nichts mehr darüber." Ein Comedian hatte Ofarims Schweigen in einer Parodie umgesetzt und das Netz zum Lachen gebracht.
Ob die jüngsten Äußerungen von Stevens und Ofarim einen Verstoß gegen diese Unterlassungserklärung darstellen, war unklar. Die Staatsanwaltschaft Leipzig wollte sich auf dpa-Anfrage nicht zu dem Fall äußern. Stevens macht deutlich, dass er "keinster Weise in Abrede" stellen wolle, dass Gil Ofarim durch den Hotelmitarbeiter rechtmäßig behandelt wurde.
Der Hintergrund: Der Musiker hatte im Jahr 2021 deutschlandweit Schlagzeilen gemacht, als er sich bei Instagram als Opfer antisemitischer Äußerungen eines Hotelmitarbeiters darstellte. Der Mann habe gesagt, Ofarim solle seinen Davidstern abnehmen, erst dann dürfe er einchecken, so die damaligen Anschuldigungen des Sängers.
Ariel konfrontiert Ofarim mit Vergangenheit - und fliegt vor dem Halbfinale raus
Ofarim erstattete Anzeige, aber auch der Hotelmitarbeiter wehrte sich und zeigte seinerseits den Musiker wegen Verleumdung an. Aufzeichnungen aus dem Hotel spielten in dem folgenden Prozess eine gewichtige Rolle. Ein Gutachten zu den Videoaufnahmen legte nahe, dass die Kette gar nicht sichtbar gewesen sei, als Ofarim im Hotel einchecken wollte. Ein Digitalforensiker wertete unter großem Aufwand sieben Videos der Überwachungskameras in dem Hotel aus.
Vor Gericht in Leipzig gestand Ofarim, der Sohn des 2018 gestorbenen 60er-Jahre-Stars Abi Ofarim, schließlich in knappen Sätzen und entschuldigte sich. "Die Vorwürfe treffen zu. Es tut mir leid", sagte er in dem Verleumdungs-Prozess. Damit räumte er ein, dass seine Antisemitismusvorwürfe nicht stimmten. Das Verfahren wurde eingestellt. Der Musiker musste als Auflage einen Geldbetrag von 10.000 Euro zahlen. Das Gericht teilte damals mit, dass nach Ansicht der Strafkammer "alle Zweifel und Spekulationen in dieser Sache endgültig beseitigt" seien.
Ofarims Äußerungen im Dschungelcamp kamen deshalb überraschend, weil er in den Tagen zuvor viele Fragen seiner RTL-Mitcamper zu dem Fall unbeantwortet gelassen hatte. Als seine lauteste Kritikerin kristallisierte sich dabei Reality-Star Ariel heraus. Immer wieder bohrte die inzwischen ausgeschiedene 22-Jährige nach und konfrontierte Ofarim mit dessen Vergangenheit - aber der ging nicht darauf ein. Die Teilnahme des Musikers an dem Format hatte schon vor dem Start für größere Debatten gesorgt. Viele Zuschauer fragten sich, wie der Sänger mit seiner Vergangenheit umgehen würde.