Mel Gibsons Rückkehr in die erste Reihe des Hollywoodkinos im Jahr 2010 hätte ungewöhnlicher nicht ausfallen können. Weder sprüht sein Comeback vor elektrisierender Dramatik, noch setzt der einstmalige Meister der Actionkomödie auf trockenen Humor. "Auftrag Rache" ist ein ziemlich konventioneller, aber auch konzentrierter Thriller rund um einen Vater, der den hinterhältigen Mord an seiner Tochter vergelten muss, um Frieden zu finden.

Auch wenn die Hauptfigur selbst nur langsam eine Ahnung davon erhält, was wirklich hinter dem Anschlag steckt: Der Zuschauer ist schnell im Bilde, kann vom altmodischen Charme der Krimihandlung aber einen soliden Spannungsbogen erwarten. Tele 5 wiederholt am Dienstag, 17. März, um 20.15 Uhr, den Film, der hierzulande mit nur 189.000 Kinobesuchern hinter den kommerziellen Erwartungen zurückblieb.

Kein klassisches "Wer hat's getan?"

Ein Schuss, dann nur noch Stille: Als der Bostoner Cop Thomas Craven seine erwachsene Tochter, die Physikstudentin Emma (Bojana Novakovic), nach langer Zeit wieder einmal zu Hause willkommen heißen kann, überschlagen sich in Sekundenbruchteilen die Ereignisse. Emma gerät plötzlich in Panik, weil sie sich unwohl fühlt. Beim Verlassen des Hauses braust ein Auto heran, Reifen quietschen, es wird geschossen, großkalibrig. Das Auto rast davon, Emma ist getroffen, ihr Vater im Schockzustand.

War es früher ungewohnte Freizügigkeit, die für Tabubrüche auf großer Leinwand sorgte, sind es im zeitgenössischen Kino Schockeffekte. Dass es jedoch nicht unbedingt literweise Kunstblut und grauenhafte Maskenbildnerei braucht, um das hartgesottene Publikum zu erschrecken, führt "James Bond"-Regisseur Martin Campbell mit der Überfallszene perfekt vor Augen. Weniger spielt es eine Rolle, wer hinter der grausamen Tat steckt und warum. Routiniert und zielsicher versteht sich Campbell darauf, die Handlung rund um eine ganz große Verschwörung mit illegaler Waffenentwicklung und radioaktiven Sauereien im Regierungsauftrag, denen die engagierte Emma auf die Schliche kam, wie eine Rolle Nähgarn abzuspulen.

Grimmig, entschlossen, versiert: Mel Gibson als einsamer Rächer

Wichtiger ist vielmehr, auf welche Weise der enorm gealterte Mel Gibson seinen Job als einsamer Rächer erledigt. Dies gelingt ihm auf beinahe hypnotische Weise: grimmig, entschlossen, versiert. Verblüffend authentisch strahlt Gibson jenen erbitterten und gerechten Zorn des Vaters aus. Es folgt die Erkenntnis, dass nicht er, der unbequeme Cop, Ziel des Anschlags gewesen war, sondern hier tatsächlich seine geliebte Tochter hingerichtet wurde.

Auf seinem Weg zur Vergeltung wird Craven unterstützt von dem undurchsichtigen Spezialagenten Jedburgh (Ray Winstone). Gemeinsam enthüllen sie ein verworrenes Netz aus Abhängigkeiten und Korruption, das bis in höchste Regierungskreise reicht. Dass es schließlich an unterschiedlichen Orten zu einem klassischen Showdown kommt, der kein Happy End zulässt, entspricht dem düsteren Stimmungsbild, das bereits von Anfang an auf der Geschichte lastet: Der Film beginnt im strömenden Regen, der alles verwischt und verschwimmen lässt, und endet mit einer Halluzination.

Quelle: teleschau – der mediendienst