In der Kontroverse um Aussagen des ARD-Experten Bastian Schweinsteiger über den WM-Teilnehmer Elfenbeinküste ist nun eine weitere Stimme laut geworden. "Ich habe ein paar Tage überlegt, ob ich auch etwas dazu sage", schreibt Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah in einem beim Karrierenetzwerk LinkedIn geteilten Beitrag. "Aber ich denke, es ist wichtig."

Asamoah wurde in Ghana geboren und absolvierte nach seiner Einbürgerung insgesamt 43 Länderspiele für die deutsche A-Nationalmannschaft - viele davon gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger. "Ich kenne Basti seit Jahren sehr gut und bin mir ganz sicher: Er ist kein Rassist", stellt der 47-Jährige seinem Statement vorweg und fügt an: "Das ist für mich aber auch gar nicht der Punkt und ihn jetzt öffentlich anzugehen, bringt die Debatte aus meiner Sicht nicht weiter."

"Und so ist schnell ein ganzer Kontinent mit ein, zwei Sätzen beschrieben"

Viel lieber solle sich die Öffentlichkeit "damit beschäftigen, dass sich bestimmte Denkmuster - auch wenn sie überhaupt nicht abwertend gemeint sind - seit Jahrzehnten im Fußball eingeprägt haben". Diese Stereotype beschrieb der frühere Angreifer von Schalke 04 und Hannover 96 so: "Spieler aus Afrika und allgemein Schwarze Fußballer sind wild, taktisch und technisch schwach und nicht so spielintelligent wie Europäer (also Weiße), dafür körperlich stark, robust und athletisch und so weiter. Hat bestimmt jeder schon mal gehört. Und so ist schnell ein ganzer Kontinent mit ein, zwei Sätzen beschrieben."

Dass dies "Fußball-fachlich falsch" sei, liege auf der Hand, schreibt Asamoah. Das belege alleine "das sportlich hochklassige Finale des Afrika-Cups zwischen Senegal und Marokko" oder der "Matchplan der Elfenbeinküste gegen Deutschland bei dieser WM". Dennoch hielten sich verallgemeinernde Ansichten über "den" afrikanischen Fußball hartnäckig. "Nicht aus bösem Willen. Sondern weil diese Stereotype ganz tief gesellschaftlich verankert sind und wie selbstverständlich weitergegeben werden", glaubt der Ex-Profi.

Bastian Schweinsteiger: "Ich habe über Fußball gesprochen, nicht über Menschen"

Sein Appell: Man möge sich weniger damit beschäftigen, "ob jetzt jemand ein Rassist ist oder nicht" und sich "eher darum kümmern, diese Denkmuster ernsthaft zu hinterfragen, die wir als Gesellschaft noch immer mit uns rumtragen und die dann zu nicht-so-gemeinten, aber eben am Ende trotzdem auch rassistischen Aussagen führen". Von den TV-Experten erwarte er, sich "detaillierter und interessierter mit den einzelnen afrikanischen Mannschaften (...) und Ländern zu beschäftigen".

Bastian Schweinsteiger, der die WM-Übertragungen im Ersten begleitet, hatte die Kontroverse mit Aussagen über den deutschen Vorrundengegner Elfenbeinküste ausgelöst. Deren Spielstil beschrieb er als vermeintlich typisch für den afrikanischen Fußball: "ein bisschen unorthodox", "ein bisschen wild" und "vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt". Emerse Faé, Trainer der Elfenbeiküste, verurteilte die Aussagen scharf: "Das ist traurig. Wir könnten es rassistisch nennen."

Schweinsteiger selbst wies die Unterstellung von sich: "Ich habe über Fußball gesprochen, nicht über Menschen. Das ist eine Fußballanalyse. Nicht mehr und nicht weniger", wurde der Weltmeister von 2014 in einer von der ARD verbreiteten Stellungnahme zitiert. "Auf keinen Fall wollte ich jemandem zu nahe treten."

Quelle: teleschau – der mediendienst