Fünf Jahre ist es her, dass die Flutkatastrophe im Ahrtal das Leben etlicher Familien binnen einer Nacht auf dramatische Weise veränderte: 135 Menschen starben in Rheinland-Pfalz, darunter auch der Vater von Susanne Jäger. In ihrer Dokumentation "Allein in der Flut - Mein Vater und die tödliche Nacht im Ahrtal" erinnert sich die Filmemacherin nun an die schrecklichen Geschehnisse zurück. Sie will herausfinden, wie genau ihr Vater damals starb und ob sein Tod womöglich hätte verhindert werden können.

Für die 45-minütige Dokumentation reist sie deshalb zurück nach Bad Neuenahr, wo ihre Eltern bis zu der schicksalsträchtigen Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 lebten. Sie spricht mit ehemaligen Nachbarn und stellt Anfragen an die damals zuständigen Stellen. Auf diese Weise entsteht ein Film, der die Katastrophe dokumentiert, gleichzeitig aber auch liebevoll den verstorbenen Vater und die Überlebenden aus der betroffenen Region auf wertschätzende Weise porträtiert.

Die Geschehnisse der Nacht wie ein Puzzle zusammengesetzt

"Es ist der 15. Juli 2021, 9 Uhr morgens, als mein Telefon klingelt", erinnert sich Susanne Jäger an den entscheidenden Tag im Familienurlaub in Italien: "Auf dem Display: mein Vater." Als sie abnimmt, meldet sich stattdessen ein Bekannter ihrer Eltern: "Er sagt mir, mein Vater sei wahrscheinlich in der Nacht der Flutkatastrophe in Bad Neuenahr ums Leben gekommen. Meine Mutter habe überlebt." Jäger ruft sofort ihre 87-jährige Mutter an: "Sie ist verwirrt, unter Schock, kann mir nicht sagen, was passiert ist", beschreibt sie. Während der Rückfahrt nach Deutschland versucht sie, über eine Hotline mehr herauszufinden. Doch niemand kann ihr helfen.

Den genauen Ablauf der Flutnacht setzt sie im Film Stück für Stück wie ein Puzzle zusammen: Der bereits erwähnte Bekannte sei am Abend des 14. Juli 2021 aus einem bereits überfluteten Ort flussaufwärts zu ihren Eltern gekommen, um sie vor der drohenden Gefahr zu warnen. Ihr Vater habe daraufhin noch versucht, sein Auto in Sicherheit zu bringen. Er habe es vor der höher gelegenen Grundschule gleich gegenüber von der Wohnung abgestellt. Doch zurück nach Hause schaffte er es nicht mehr. Das Wasser war bereits zu hoch.

Knapp zwei Wochen nach der Flut wird die Leiche gefunden

Sabine und Giovanna Falk waren die Letzten, die mit ihm sprachen: "Ich erinnere mich noch, dass, als wir auf das Auto geklettert sind, die ganze Zeit neben uns ein älterer Herr war", schildert Sabine Falk im Film: "Als wir uns auf das Auto gerettet hatten und auf dem Dach waren, haben wir ihn auch noch gefragt, ob er mitkommt, ob wir ihm helfen können." Doch dann sei alles einfach viel zu schnell gegangen.

Knapp zwei Wochen später, am 27. Juli 2021, wird die Leiche des Vaters von Susanne Jäger anderthalb Kilometer von der Wohnung entfernt gefunden. Hinter der Filmemacherin und ihrer Familie liegen zu diesem Zeitpunkt unvorstellbare Wochen: Sie berichtet, dass sie ihre unter Schock stehende Mutter allein in ihrer Wohnung angetroffen habe. Im Nachbarhaus, wohin die Feuerwehr sie gebracht hatte, habe sie stundenlang im Treppenhaus gesessen: "Sie durfte die Wohnung der Nachbarin nicht betreten. Mit ihren verschlammten Schuhen hätte sie den Teppich ruiniert."

Es sind Schilderungen, die zutiefst schockieren. Doch noch mehr schockieren die im Film erwähnten Versäumnisse der Behörden und der Politik, von Stromrechnungen, ausgestellt für einen Zeitraum, in dem die Region um Bad Neuenahr vom Netz getrennt war, bis hin zu den schon vielfach angeprangerten wohl unzureichenden Warnungen der Anwohnerinnen und Anwohner der betroffenen Region.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz zur Flutkatastrophe wurden im April 2024 eingestellt. Doch viele Fragen von Angehörigen wie Susanne Jäger, das zeigt auch die Dokumentation, bleiben unbeantwortet.

Allein in der Flut - Mein Vater und die tödliche Nacht im Ahrtal - Mo. 13.07. - ARD: 22.30 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst